03.02.2005 HASEN . MOBIL
Die Faschingssitzungen, welche jetzt überall in Kärnten stattfinden, werden oft zu vier langen Stunden in denen man gegen den Schlaf ankämpfen muss. Nur weil das Publikum immer wieder zum Aufstehen, zum Mitklatschen und zum Mitsingen aufgefordert wird, wird ein kollektives Schlafen verhindert. Jetzt, wo der Fasching seinem Höhepunkt zu steuert sagen die Einen, es ist gut, wenn der Fasching vorbei ist und die Anderen meinen, er ist zu kurz. Der Fasching verstellt den Blick auf die wirklichen Verrücktheiten des täglichen Lebens. Eine dieser Verrücktheiten ist, dass der Mensch als einziges Lebewesen zu seiner Fortbewegung verschiedene Ver-kehrsmittel, wie Fahrrad, Auto , Zug oder Flugzeug benützt. Alle anderen Lebewesen benützen zu ihrer Fortbewegung nur ihre eigenen Körper und begnügen sich mit dem Lebensraum, welchen sie aus eigener Kraft erreichen können. Ein Drittel seiner Lebenszeit verbringt der moderne Mensch heute in einem Verkehrsmittel um letzten Endes doch wieder daheim anzukommen.
Der Hase im Hasenmobil.

 
06.02.2005 FRISCH . BLUT
Am Sonntagvormittag bin ich beim Langlaufen am Gailufer, von Nötsch nach Vorderberg. Die Bäume und Sträucher sind mit Raureif überzogen und in der Kälte erstarrt. Der Schnee knirscht unter den Schiern. Unter den Eisplatten ist das Leben gestorben. Wer sich nicht bewegt erfriert. Es ist still. Die einzigen sichtbaren Lebewesen sind Rehe auf einem Maisacker und aus der Entfernung leben sie nicht mehr, sie sind zu Skulpturen erstarrt. Der Himmel ist dunkelgrau und die Sonne dämmert vor sich dahin. Die Felswände des Dobratsch sind aschgrau, wie das Gesicht der Seele. Die Bergspitzen der Julischen Alpen färben sich rot. Jeden Tag werden die Bergspitzen mit frischem Blut neu gestrichen. Das Blut der Toten vom Gebirgskrieg reicht für Jahrhunderte. In weiter Entfernung liegt die Spitze des Nassfeld im Sonnenschein.
Sonnenschein im Skiparadies.

 
07.02.2005 LACHEN . VERBOTEN
Ein Grund, warum der Modeschöpfer Moshammer und seine Mutter so beliebt waren liegt darin, dass beide durch ihre extravagante Kleidung und ihr schrilles Auftreten oftmals unsere geheimen Wünsche ausgelebt haben. So überrascht es nicht, dass gerade zum Faschingsausklang viele die letzte Chance nützen, um einmal in eine andere Person zu schlüpfen, sich verkleiden und sich ausgelassen benehmen. Es gibt jetzt die tollsten Kostüme und Masken bei den Faschingsumzügen zu sehen. Ob als Geist, Teufel, Neandertaler, Japaner, Spiderman, Nonne oder Hippe, die Fantasie kennt keine Grenzen. Die Ausgelassenheit und Fröhlichkeit auf den Gschnasfesten in den Dorfgasthäusern hat Hochsaison. Dagegen herrschte am Wiener Opernball eine Atmosphäre wie bei einem Abendessen in einem Internat.
Lachen verboten.

Kommentare:
M. am 10. Februar 2005 um 12:40
Klingt ja schaurig angesichts der Tatsache, dass ich hier in Tokio beim Wiener Opernball eine von den Schülern bin, die tanzen. O Mann, Mann, worauf hab ich mich da nur eingelassen? Die Choreographie ist absolut lächerlich, zumal ich ständig dran denken muss, dass wir beim tatsächlichen Aufführen weiße Kleider und Krönchen tragen.

 

08.02.2005 SEX . SECHZIG
Der Zuwachs bei den Internet-Tagebüchern, auch Weblog genannt, hat die Journalisten der Print- und TV-Medien auf den Plan gerufen und den Wahrheitsgehalt der Blogs in Frage gestellt. Die Journalisten behaupten von sich, dass ihre Meldungen genauer erhoben werden und der Wahrheit nahe kommen, während von den Bloggern viele Unwahrheiten im Internet verbreitet werden. Oftmals findet man bei den Einträgen in den Weblogs nur eine Ansammlung von Links zu Berichten in den Print-medien. Die Überschriften auf der Titelseite einer Zeitschrift versprechen oft einen interessanten Bericht in der Zeitschrift, was dann nicht eingehalten wird. So kündigt „Das österreichische Frauenmagazin“ auf der Titelseite folgenden Bericht an: „Barbra Streisand über Sex ab sechzig“. Barbara Streisand erzählt im Exklusiv Interview das Sex ab sechzig immer besser wird. Wer darin etwas über Sex ab sechzig Jahren erfahren will und das Interview aufschlägt kann folgendes lesen:
Frage: „Wird Sex mit dem Alter besser“ ?
Streisand: „ Sex ist im Alter witziger, freier und hemmungsloser“.
Das war auch schon alles. Für diesen einen Satz gibt man € 3,5o aus. Da haben manche Blogs mehr an Sex zu bieten.
Ab sechzig frei und hemmungslos.

Kommentare:
D. am 9. Februar 2005 um 15:47
Leider kann ich nicht nachvollziehen, dass jemand die Zeitschrift aufgrund dieser Schlagzeile kauft, da mich dieses Thema wohl sehr wenig interessiert und ich aufgrund dessen sehr schmunzeln muss. Aber bei der W. ist es auch so üblich, dass die Schlagzeilen am besten sind und nicht der Inhalt. Auch persönliche Erfahrung gemacht. Gruß von der Next Generation.
M. am 10. Februar 2005 um 12:38
Klingt ja wie die BILD . xD. Aber wen interessiert schon Barbara Streisand? Hat hier wer Something’s Gotta Give gesehen? Das nenn ich einen schönen Film! Endlich mal ne Seniorenromanze! Muhaar xD.

 
10.02.2005 TERROR . FAHNDER
Es gibt immer weniger Bereiche im öffentlichen Leben, wo man nicht von einer Videokamera überwacht wird. Wer glaubt, dass er heute unbeobachtet über einen Hauptplatz spazieren kann, irrt. Selbst Kleinstädte überwachen ihre Fußgängerzonen mit Kameras. Wer bei einer Bank vorbeigeht kommt ganz sicher in das Visier der Terrorfahnder. Während man mit den Über-Wachungskameras brave Bürger beim Spaziergehen beobachtet werden jene, die etwas straffälliges vorhaben, dafür kaum den Hauptplatz oder die Fußgeherzone benützen. Nichts ist oft so nutzlos wie das Nützliche.
Im Visier der Terrorfahnder.

Kommentare:
H am 10. Februar 2005 um 22:19
Ja mag sein, aber wer kein schlechtes Gewissen hat braucht sich 1. nicht darum kümmern und 2. sich doch eigentlich keine Gedanken darüber machen. Ich bin zum Beispiel beruflich bedingt immer überwacht, im Wettcafe und mich stört so was schon lang nicht mehr, im Gegenteil ich fühl mich sicher ! PS. Was auch noch keinen Wahnsinnigen vor einem Überfall abgehalten hat, zweimal schon.

D. am 11. Februar 2005 um 09:46
Mir sind die Überwachungen natürlich auch aufgefallen, allerdings sind viele Kameras gar nicht so offensichtlich montiert, hab schon danach gesucht. Ich muss dem Schlagloch recht geben, denn es ist wohl ein großer Unterschied zwischen einem öffentlichem Platz und einem Wettbüro oder einer Bank. Ein Besucher des Wettbüros muss ja damit rechnen gefilmt zu werden. Weiß man ja, was da für dunkle Gestalten rumrennen . Mir persönlich ist es nicht recht, wenn ich beim Pinkeln in einer Seitengasse von drei Kameras gefilmt werde, womit ich noch lange kein Terrorist oder Verbrecher bin.

schlagloch am 11. Februar 2005 um 20:24
Solange die Filme der Videokameras, wenn nichts vorgefallen ist, täglich gelöscht werden ist es vielleicht vertretbar und solange die Kameras nicht mit Programmen arbeiten, die auf Grund von verschiedenen Gesichtsmerkmalen nicht schon Unschuldige zu Täter stempeln. Aber die Bürokratie neigt dazu alles zu speichern und aufzubewahren. Die Schuldscheine der Kaiser, denen die Fugger Geld geliehen haben sind heute noch erhalten und dies liegt schon ein paar Jahrhunderte zurück. Wehret den Anfängen.

 
15.02.2005 ÜEBER . WACHUNG
Wenn man heute ein öffentliches Bad besucht oder in ein Postamt geht, dann hat man Augenkontakt mit einer Videokamera. Gegen diese weitverbreitete Überwachung von der Privatsphäre der Bürger gibt es von Seiten der Grünparteien heftigen Widerstand. Das Privatleben des Bürgers sollte nicht angetastet werden, sodass man sich ungezwungen bewegen kann. Die Befürworter sind der Meinung, dass wer nichts böses vorhat, hat auch nichts zu verbergen. Andere Zeitgenossen sind so mitteilsam, dass ihr Privatleben für eine Fernsehserie gefilmt wird. Manche Männer haben sich an die totale Überwachung gewöhnt. Ihre Frau weiß sofort, wenn sie ein Stück Wurst oder eine Mozartkugel gegessen haben.
Die Wohnraumüberwachung.

 
17.02.2005 BE . FREIUNG
Im Prinzip ist es so, dass Krankheit, Leid, Unglück, Unzufriedenheit, Streit und Hass bei den Menschen überwiegen. Ansonsten würde man nicht soviel darüber reden und schreiben wie man gesünder, glücklicher, zufriedener, schmerzfreier und friedlicher leben könnte. Auch die Religionen und die Philosophie beschäftigen sich mit dem Glück des Menschen schon seit tausenden von Jahren. Wenn es überwiegend gesunde, zufriedene und glückliche Menschen geben würde, dann würden sich die Religionen, Sachbücher, Symposien und das Fernsehen nicht mit diesem Thema auseinandersetzen. Die Schuld, dass man nicht glücklich, zufrieden und gesund ist, bleibt immer bei der einzelnen Person hängen. Es ist egal von wem man sich Heilung oder Glück erhofft und wen man sich zuwendet. Es können dies Yoga, Kontemplation, Fitness oder die Religionen sein. Wenn man nicht glücklich und gesund ist, dann hat man eben zu wenig meditiert, geübt oder gebetet. Zum Schluss fällt die Schuld immer auf den Einzelnen zurück. Was der Mensch braucht ist eine Befreiung aus dieser Schuldfalle, eine Stärkung seines Selbstbewusstsein. Der Mensch muss zur Kenntnis nehmen, dass es Krankheit, Unglück und Krieg gibt, ohne zu verzweifeln.
Ein schuldbefreites Leben.

Kommentare:
D. am 22. Februar 2005 um 17:40
Es liegt viel Wahrheit in dem was du geschrieben hast. Doch vieles geschieht aus Unwissenheit oder einfach so im Laufe der Zeit. Viele Geschehnisse können durch die Stärkung des Selbstbewusstseins nicht korrigiert oder rückgängig gemacht werden und man hat sein Leben lang daran zu nagen. Äußere Einflüsse, wie Krieg, Politik, Gesellschaft, Katastrophen nimmt man mehr oder weniger anteilshalber hin. Doch persönliche unabwendbare, unabänderbare Dinge können einen Menschen zugrunde richten. Sicher einer Deiner besten Einträge bisher. „Jede Stunde bringt Kampf, die letzte den Frieden“.

schlagloch am 28. Februar 2005 um 19:23
Mensch sein bedeutet kämpfen. Kämpfen um das eigene Leben, kämpfen um das Leben von Angehörigen und kämpfen um das Leben von Unbekannten. „Der Friede sei mit Euch“, ist eine Verheißung.

 
20.02.2005 VER . LETZT
Bereits am frühen Sonntagnachmittag steigt der Nebel aus dem Feistritzer Moor auf und verschluckt die Skilangläufer welche sich zu weit in das Moor gewagt haben. Die Sirenen der Feuerwehren schneiden eine Bresche in den Nebel und verschwinden im Nachbarort. Dort steigt eine dunkle Rauchwolke auf und bedeckt den Südhang des Dobratsch. Ein Hubschrauber kreist über den Ort, wie ein Raubvogel bei der Suche nach einer Beute und stößt dann in die Tiefe. Die Einsatzfahrzeuge von Polizei, Rettung und Feuerwehr rasen auf der Kreuzung auf einander zu. Ein Sägeofen brennt und der ganze Ort sieht gespannt zu. Der Nebel steigt immer höher, verschluckt zuerst die Spaziergänger mit dem Kinderwagen und dem Hund, dann die Heuhütten und die Strommasten. Zuletzt verschwindet die Kirch-turmspitze.
Ein Verletzter wird geborgen.

 
22.02.2005 ZU . FLUCHT
Das der Winter noch nicht vorbei ist merkt man in Ostösterreich, in der Buckligen Welt, bei einem Spaziergang vom Ort Bad Schönau nach Maierhöfen. Hier bläst ein eiskalter Wind in Orkanstärke. In der Höhe, im Leitenviertel, hat man Mühe sich auf den Beinen zu halten. Ein frostiger Ostwind, der den hartgefrorenen Schnee aufwirbelt und vor sich hertreibt. Ein Weitergehen ist unmöglich und es folgt die Rückkehr nach Bad Schönau. Als erstes erreicht man die Marienkirche, „Maria Heil der Kranken“. Zum Glück ist die Kirche nicht abgesperrt und man erlebt es körperlich, was es heißt ,irgendwo Zuflucht zu finden. Eine Zuflucht im Hause Gottes vor den klirrenden Windböen. Als Mensch ist man ständig auf der Flucht vor den Gefahren des Menschsein. Nicht immer findet man eine Tür, ein Haus oder einen Menschen der einem Zuflucht gewährt. Oft sind die Türen versperrt und es bleibt einem nichts anderes übrig als weiter zu fliehen bis man eine offene Tür findet. Flucht als Schicksal.

 

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