UN . SERIÖS

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Der „mündige bzw. aufgeklärte Konsument“ ist ein viel gebrauchtes Schlagwort. Es passiert aber auch heute immer wieder, dass bei Verkaufspartys, die meistens in einer privaten Wohnung stattfinden, alle Arten von Waren zu überhöhten Preisen verkauft werden. So passiert es, dass bei einer Gesundheitsberatung von redegewandten Verkäufern, die Elektromatte mit Infrarotstrahlen gegen Verspannungen, an die eingeladenen Frauen zu einem Preis von € 1.200.– verkauft werden. Gleichzeitig wird als Schutz gegen den Elektrosmog der Infrarotmatte eine gesundheitsfördernde Bettwäsche verkauft, sodass dieses „Gesundheitspaket“ die staatliche Summe von € 1.700.-ausmacht.
Ich selbst habe einmal eine Verkaufsparty miterlebt und dabei wurde uns in einem Film vorgeführt, welche erschreckenden und ekelerregende Viecher die Hausstaubmilben sind. Die Suggestion der gezeigten Bilder und der Redeschwall der geschulten Verkäufer war so groß, dass einige Besucher Matratzen und Bettwäsche bei den Verkäufern bestellten. Später stellte sich heraus, dass die selben Matratzen und Bettwäsche in einem Möbelhaus um 30% günstiger erhältlich waren.
 
Null Bestellung, null Punkte.
 

21.9.05 11:52 verlinken / 2 Kommentare / kommentieren

 

SCHAU . PLATZfficeffice“ />
 
Ein Nebenschauplatz ist für mich die deutsche Bundestagswahl, Schröder gegen Merkel. In unserem medialen Zeitalter ist es so, dass es einerlei ist ob es Wahlen in der USA, in Afghanistan oder in Deutschland gibt. Auch die österreichischen Medien berichten darüber so, als wären es Nationalratswahlen in Österreich. Jeder Sender verspricht den Zuschauern die bessere Wahlberichterstattung. Welche Informationen bringen TV- Politikerduelle, außer ein paar schöne gefällige Sätze. Was bewegt die Menschen?, ich glaube der Ölpreis und die Wahlen sind Nebenschauplätze. Über diese Abwechslung im Alltagseinerlei ist man froh.
Die Aufmerksamkeit der Menschen zueinander, innerhalb der Partnerschaft, unter Freunden oder Nachbarn verändert den Tag viel mehr als Wahlprognosen und Wahlhochrechnungen. Es ist sinnvoller dem Partner zuzuhören als dem Nachrichtensprecher. Die Nachricht von einer Benzinpreissenkung von drei Cent kann die Sorge, dass der Arm nicht mehr voll funktionsfähig ist oder dass man schlecht sieht, nicht zum Schweigen bringen.
 
Vielleicht nächste Woche.   
18.9.05 19:02 verlinken / kommentieren

 

PASSIONS . SPIELE

 
Betritt man das Passionsspielhaus in Kirchschlag dann steht in der Mitte der Bühne ein Pfosten mit der Dornenkrone, der bei Beginn der Aufführung versenkt wird. Es erschallen die Posaunen und der Einzug Jesu in Jerusalem beginnt. Von allen Seiten strömen die Leute, darunter auch viele Kinder, auf die Bühne und mitten unter ihnen Jesu. Der Einzug wird von lauten Hosanna Rufen begleitet. Die bunten Kleider der Bevölkerung ergeben ein farbenfrohes Bild. Es herrscht eine freudige Stimmung auf der Bühne. Im Gespräch zwischen Jesu und den Pharisäern prallen die verschiedenen Meinungen aufeinander. Es werden Bibelstellen nachgespielt, wie Wunderheilungen oder die Stelle mit der Sünderin Maria Magdalena. Die Texte sind sehr Bibelgetreu. Spannend sind die Begegnungen zwischen Judas und dem Teufel, der sich nicht zu erkennen gibt. Die Inhalte dieser Gesprächen haben nichts an Aktualität verloren. In Judas findet sich der heutige Mensch wieder.
 
Die Szene des letzten Abendmahl ist einem Gemälde nachempfunden, sie ist so statisch wie ein Bild. Der minimale Handlungsablauf auf der Bühne erreicht zwar den Verstand der Zuschauer, sollte aber mehr die Herzen erreichen. Die Charakter wie Judas, Maria Magdalena oder die Hohen Priester sind dem menschlichem Alltag entnommen. Aber welchen Charakter gibt man Jesus, den eines Heiligen oder den eines Menschen ? Keine leichte Aufgabe.
 
Die Versuchung Jesu am Ölberg und die Todesangst gehören zu den schwierigen Szenen der Passionsspiele. Angst, die zu den schlimmsten Erfahrungen des Menschen gehört, lässt sich schwer darstellen. Über Angst spricht man im Alltag nicht.
 
Nach der Pause kommt Dramatik in die Passionsspiele. Es beginnt mit der Vorführung von Jesu vor Pontius Pilatus, das Auftreten der Soldaten und die Verwünschungen der aufgebrachten Volksmenge. Zu diesen packenden Szenen gehören auch die Geißelung und der Kreuzweg. Immer, wenn das Volk mit auf der Bühne ist, geht es emotional zu, mit vielen Zwischenrufen, Gemurmel und Unmutsäußerungen. Die Zwischenrufe aus dem Volk könnten ohne weiteres an manchen Stellen im Dialekt erfolgen, dies würde dem Passionsspiel mehr Volksnähe vermitteln. Die Kreuzigung, wo das Licht zurückgenommen wird, vermittelt körperlich spürbar die Verlassenheit des Menschen im Leid, in der Gestalt des Menschensohnes. Maria mit dem toten Jesu auf ihrem Schoß lässt die Frage aufkommen, warum gibt es immer Gewalt unter den Menschen. Jeder kann der Nächste sein, der Gewalt oder Leid erfahren muss.
 
Das strahlend gelbe Licht, welches aus dem leeren Grab den Besuchern entgegenstrahlte, hatte für mich Kultcharakter. Wenn es im Jenseits so strahlend hell sein wird, dann möchte ich auch einmal dort ankommen. Nach meinem Empfinden hätte mit dieser Szene das Passionsspiel ausklingen können. Ich kann nicht sagen, ob das gemeinsame Absingen von „Großer Gott“ wir loben dich durch die Schauspieler und die Zusehern den Glauben fördert.
 
Der Gesang und die Musik während der Aufführung ist so schön und ergreifend, dass ich mich darüber gewundert habe, dass dies während des Spieles live erfolgt.
 

17.9.05 15:09 verlinken / kommentieren

 

REIMICHL . KALENDER
 
Vier Monate bevor das neue Jahr 2006 anfängt liegt er da, der Reimichlkalender 2006, in der Tabak Trafik  zwischen dem unübersichtlichem Zeitungs- und Zeitschriftenangebot. Die Wände der kleinen Trafik sind vollgestopft  mit Zeitschriften aus allen Bereichen, den Garten- Wohn- Motorrad- und Computerzeitschriften. Dazwischen die Neue Post, die Freizeitrevue und die Bunte. Das Verkaufspult ist vollgeräumt mit Dosen für die Brieflose, überall stehen die Spender für die Lotto-Scheine „6 aus 45″ und ganz vorne ein Aufsteller mit den Scheinen für die Euro-Lotterie. Irgendwo ist noch Platz für eine Dose mit Einwegkugelschreiber und für den Ständer mit den Tempo-Taschentücher. Vor dem Wandregal mit den Zigaretten steht der Trafikant und beugt sich über die Sichtlade in der Feuerzeuge wahllos neben einander liegen. Es ist kaum möglich sich umzudrehen, ohne nicht am Billettständer anzustoßen. Auf der Fensterbank zwischen den Fußball- und Pferdestickers liegt der Reimichlkalender. Sein Aussehen hat sich in den letzten dreißig Jahren nicht verändert.
Soll ich den Reimichlkalender schon jetzt im September kaufen, ihn mit Geschenkpapier verpacken und ihn zu Weihnachten auspacken? In meinen Jugendjahren fehlte der Reimichlkalender unter keinem Christbaum. Alle in der Familie freuten sich schon auf die schönen Geschichten und interessanten Berichte und Bildern aus der ganzen Welt. Die große Geschichte von Reimichl wurde während den Weihnachtsfeiertagen vom Vater laut vorgelesen und die ganze Familie hörte zu. Die Lektüre des Reimichlkalender reichte den Eltern für die ganzen Wintermonate. Der Reimichlkalender war damals nur in einer Buchhandlung erhältlich und dies war einer der wenigen Anlässe eine Buchhandlung aufzusuchen. Jetzt liegt der Reimichlkalender zwischen Zigaretten, Brieflosen und Klatschzeitungen auf der Fensterbank einer Tabaktrafik und wird den Geruch nach Tabak nie mehr los.
 
Im Zigarettenrauch.
6.9.05 21:34 verlinken / 2 Kommentare / kommentieren

 

UN . GEDULD
In den meisten Kuranstalten ist es heute nicht mehr notwendig die Stiege zu benützen. Die einzelnen Stockwerke sind mit der Therapieabteilung, welche meistens unter Erdniveau liegt, mit einem Lift verbunden. So bleibt den älteren Kurgästen das zeitraubende und mühsame Stiegensteigen erspart. Wenn man jetzt annehmen kann, dass die Kurgäste das Liftfahren genießen, der kann etwas anderes erleben. Die Liftbenützer haben nicht die Geduld zu warten, bis sich die Lifttüren automatisch schließen. Es wird ungeduldig der Knopf „Sofortschließen“ gedrückt und wird dies von jemandem vergessen, so drückt ein Mitfahrer. Die gleiche Ungeduld herrscht beim Rufen des Liftes, einmal drücken ist den Meisten zu wenig.
 Die Ungeduld des Alters.
2.9.05 07:48 verlinken / 3 Kommentare / kommentieren

 

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