NOTIZ . BUCH

In den sechziger und siebziger Jahren, der Zeit der ersten deutschen Urlauberwelle in Kärnten, gehörte zum Erkennungszeichen des Urlaubers der umgehängte Fotoapparat. Mit Fortschreiten der Technik und der Jahre wurde die Fotoausrüstung immer größer und umfangreicher. Als Einheimischer war man es gewöhnt, dass an allen Stellen fotografiert wurde. Dann folgten die Videokameras und jeder Spaziergang wurde gefilmt. Die Digitalkameras sind jetzt so klein und unauffällig, dass sie in jede Handtasche oder Rocktasche passen. Bei der Jugend ist der Trend das Fotohandy, man ist überall erreichbar und kann auch alles festhalten. Damit wird alles fotografiert, egal ob zwei miteinander raufen, jemand eine Leberkäsesemmel ist oder mit dem Fahrrad fährt. Wird heute auf öffentlichen Plätzen fotografiert, dann nimmt davon kaum jemand Notiz.
 
Mehr Aufmerksamkeit gibt es, wenn jemand auf einem öffentlichem Platz oder auf einer Caffeterasse sein Notizbuch aufschlägt und darin zu Schreiben beginnt. Beim Schreiben muss man genauer hinsehen als beim Fotografieren.
 
Vom Notizbuch zum Blog.            

21.4.07 15:56 verlinken / 4 Kommentare / kommentieren

 

GLOBAL . REGIONAL

Ich frage mich, was ist die Ursache für die Globalisierung und wer ist daran interessiert, dass die Globalisierung bis in die kleinsten Orte vordringt und diese Orte verändert. Es gibt viele Menschen welche die Globalisierung nicht wollen, warum gibt es sie trotzdem. Oft wettern Politiker gegen die Globalisierung und gleichzeitig berichten sie mit Stolz, dass es ihnen gelungen ist in Indien Aufträge für heimische Firmen zu erhalten. Man freut sich über die günstigen Preise bei den Schuhen aus China, beklagt aber, dass die nächstgelegene Schuhfabrik ihre Produktion einstellt und dreihundertdreißig Mitarbeiter keine Arbeit mehr haben. Vielleicht liegt es an unserer gespaltenen Persönlichkeit, dass man nur die eigenen Vorteile im Auge hat, aber die Nachteile für andere verleugnet.
 
Man lässt es den kleinen Handwerksbetrieben bei der Auftragsvergabe spüren, dass man es bei einem Industriebetrieb etwas günstiger erhalten hätte. Das zwei Bekannte aus der Nachbarschaft im Handwerksbetrieb einen Arbeitsplatz haben verdrängt man. Man sieht sich als Gönner des Handwerksbetriebes, in Wirklichkeit ist man hier eine Person mit Namen und nicht eine Auftragsnummer bei einem Industriebetrieb. Von den Vorteilen, wenn es etwas zu ändern oder zu reparieren gibt, gar nicht zu reden. Dann gibt es diejenigen, welche keine Aufträge an örtliche Unternehmer vergeben, aber wenn sie eine Reparatur oder eine kleine Anschaffung haben es beklagen, dass es manche Branchen im Ort nicht mehr gibt. 
Die tägliche Bedrohung.  

17.4.07 18:24 verlinken / 11 Kommentare / kommentieren

 

AUSZIAGN

Vur lauta Onsponnung
mecht i om liabstn
vom Stuahl aufsteahn
und ausn Zimma auße geahn.
De Wend ruckn imma
gleima zomm.
Vurm Fensta foahrn
de Autos mit hundat
Sochn vurbei, harinan
fong i on zan Schreibn.
Des hast mi ausziagn
und de foltige Haut herzagn.
I waß nit, wer ma dabei
zuaschaut…

NOCHT

In da Nocht weckt mi
a Voglschra, a Krah
zabricht dos Fensta.
De Ongst sitzt auf
da Bettkantn.
Mit schtorke Schmerzn
woch wearn,
a Gfühl wia zan Schterbn.

Den Bsuch von de
Krah in da Fruah
hon i nit wolln,
se san von sölba kemman.
Seitdem homs kann
Tog ausglossn…

SOMSTOGNOCHT

Om Sunntogvurmittog
des Leintuch und in
Gulda wieda in Kostn
eineraman, weil
i di Somstognocht
nit getroffn hon.

Om Telefon klingt
dei Stimm wia da
Klong von ana Zithasaitn,
mit an jedn Sotz
ruck ma nächa zomm,
i spir dein Mund.
Wonn i mei Hond ausstreck
spir i a kolte Maua…

 
Franz Supersberger:
An schean Tog
ISBN 978-3-8334-3251-4,
108 Seiten, Paperback, 11,50 EUR
in den Warenkorb
9783833432514
 
PRESSESTIMMEN
Eine gewisse Schwermut durchzieht wie ein roter Faden die Gedichte von Franz Supersberger. Er schreibt über Alltag, Einsamkeit und Zerfall, Sein und Schein in seiner Umgebung. Die Gedichte enden bisweilen unerwartet lapidar. Eurojournal

14.4.07 18:18 verlinken / 5 Kommentare / kommentieren

 

BLICK . ZURÜCK

Schaut man von der Kirche in Maria Gail in Richtung Villach, dann sieht man zwei markante Aussichtspunkte. Auf der linken Seite das Dreiländereck mit dem Bergrestaurant und dahinter der Montasch, auf der rechten Seite den Gipfel vom Dobratsch mit dem Sendeturm. Dies ist nicht der Dobratsch mit den steilen und schroffen Felswänden, wie er von Möselstein  aus zu sehen ist, sondern eine sanfte Bergkuppe, mit den Ausläufern in das Villacher Becken. Die Gipfel sind jetzt, Mitte April, noch schneebedeckt. Die Ausläufer vom Dobratsch versperren den Blick in das Gailtal, es wird ganz eng. Rund um die Kirche in Maria Gail werden die Felder grün und die Sträucher gelb. Die Laub- und Obstbäume bekommen zarte grüne Spitzen. Die Vögel singen in allen Stimmlagen und der Gesang der Lastkraftwagen von der Wörtherseeautobahn ist zu hören. Es ist ein Blick in die Vergangenheit.
 
Wann beginnt die Vergangenheit.

13.4.07 09:15 verlinken / 2 Kommentare / kommentieren

 

GLÜCKLICHER . MORGEN

„Ein glücklicher Morgen beginnt ohne böses Wort und

schlechte Gedanken“.

(Ovid, röm. Dichter, * 43 v. Chr.)

Nach vielen kritischen, manchmal nachdenklichen Blogeinträgen wünsche ich allen LesernInnen, aber auch mir, viele glückliche Morgen. Es ist erstaunlich wie treffend und zeitlos viele Zitate von römischen und griechischen Dichtern geblieben sind. Mehr kann man sich von einem Morgen nicht wünschen. Weil Friede und Zufriedenheit machen das Leben lebenswert.

Das Glück beim Zähneputzen.   

10.4.07 07:59 verlinken / 7 Kommentare / kommentieren

 

JAKOB . TOD

Jakob ist tot. Der Tod fragt nicht, wann er kommen kann, ob er zu früh oder zu spät dran ist. Ob er willkommen ist oder ob sein Kommen abgelehnt wird. Wäre gestern der richtige Zeitpunkt gewesen oder wäre es besser wenn er morgen gekommen wäre. Eine Stunde später und man hätte sich noch verabschieden können oder hätte man diese Stunde nutzlos verstreichen lassen, wie viele andere auch. Vielleicht hätte man Pläne gemacht für die nächste Woche und eine Stunde später sind diese Pläne nutzlos.
 
Dem Tod ist es egal, ob man gerade zu Hause bei Tisch sitzt, am Arbeitsplatz die Schuhoberteile stanzt oder mit dem Zug verreist. Ob man einen Besuch erwartet, noch etwas schaffen möchte oder ob man die Arbeit bereits abgegeben hat. Er fragt nicht wie viele trauern werden, ob es eine große Verwandtschaft gibt oder nur wenige Bekannte. Ob man von jemanden geliebt wird oder ob man für sich alleine lebt.
 
Der Tod fragt nicht wo sich die Angehörigen gerade befinden, ob sie in der Nähe wohnen oder weiter entfernt sind, welche Pläne sie für die nächsten Tage haben. Ob sie zum Begräbnis kommen können oder ob es nicht möglich sein wird. Er kennt keine Uhrzeit, kein Warten bis Mittag, bis am Abend oder bis morgen. Niemand entscheidet mit. Jetzt.
 
Wer wird was erben. 

6.4.07 14:08 verlinken / 4 Kommentare / kommentieren
ZWÖLF . UHR

Von den Katzen sagt man, dass sie über ein gutes Gehör verfügen und das Geräusch einer laufenden Maus wahrnehmen können. Öffnet die Frau beim Frühstück den Deckel vom Müller Joghurt, dann kommt die Katze angerannt um den Deckel abzuschlecken. Dieses Geräusch hört und erkennt sie sofort, egal wo sie sich gerade in der Wohnung aufhält. Ist es kein Müller Joghurt, lässt sich die Katze nicht blicken. Dringen unbekannte Geräusche von außen in die Wohnung, dann verdreht unsere Katze ihre Ohren. Gibt ein Motorradfahrer auf der Bundesstrasse Vollgas, dann flüchtet sich die Katze in das Bad und versteckt sich für einige Zeit hinter dem Wäschekorb.
Betrete ich einen Raum und irgendwo tickt eine Uhr, auch nur ganz leise, ergeht es mir ähnlich. Ich bin in Alarmstimmung. Man erlebt sozusagen das Verstreichen der Lebenszeit akustisch. Im Ruheraum ist es passiert, dass jemand fragte, gibt es hier keine Uhr? Dabei bohrte sich jedes Tick Tack in das Gehirn.
 
Es hat zwölf Uhr geschlagen.   

2.4.07 12:10 verlinken / 8 Kommentare / kommentieren

 

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