AN . REISE

Bevor man zu einem unbekanntem Ziel, einem unbekanntem Ort aufbricht verspürt man oft eine angenehme Anspannung. Man verlässt seine vertraute Umgebung, seinen bekannten Ort, es ist ein kleines Abenteuer. Dies erfordert heute nicht viel Mut. Mehr Mut und Abenteuerlust war von den Männer gefordert, welche Länder wie China, Indien, Mexiko oder den Kongo erforscht haben. Noch ungewisser war die Reise für diejenigen, welche das Festland verlassen haben und mit Segelschiffen das offene Meer befahren haben. Sie wussten nicht wohin die Reise geht und wie lange die Schiffsreise dauern wird. Diese Entdecker haben viel Mut und Gottvertrauen bewiesen.
 
Heute fehlt uns der Mut zu einem Abenteuer, wir gehen auf Nummer sicher. Wir sind ein Volk von Versicherungsmenschen. Wir versichern uns gegen Einbruch, Sturmschaden, Glasbruch und gegen Feuer. Wir haben eine Rechtsschutz-, Haftpflicht- und Lebensversicherung. Wir würden öfter ein Abenteuer eingehen, wenn wir mehr Selbst- und Gottvertrauen hätten.
 
Die Glaubenspolizze.     
 

Kommentar(e)     

Mo / Website (10.7.07 19:17)
„Man verlässt seine vertraute Umgebung, seinen bekannten Ort, es ist ein kleines Abenteuer. Dies erfordert heute nicht viel Mut.“Im Prinzip hast Du Recht, wenn man bedenkt, dass es kaum einen Ort auf der Erde gibt, den man nicht bequem per Flugzeug erreichen kann.

Für die ca. 30 % unserer Bevölkerung hingegen, die unter Agoraphobie verschiedener Ausprägungen leiden, ist fast jeder Gang vor die Wohnungstür eine große Herausforderung, die all ihren Mut erfordert.

schlagloch /
Hallo !
Wer eine Schilderung über oben erwähnte Agoraphobie lesen will, M0/Website anklicken. http://moblog.twoday.net/
Gruss schlagloch.
Mo / Website (11.7.07 12:39)
Lieber Schlagloch,es war ein Zufall, dass ich dieses Thema gestern angeschnitten habe, bevor ich Deinen Beitrag hier las.

Ja, ich gehöre der oben angesprochenen Gruppe an und werde demnächst mehr dazu schreiben.

Herzliche Grüße an Dich

Mo

Gerhard (11.7.07 16:28)
Ja, Mo, mach das!
Was für manche selbstverständlich ist, ist es für andere nicht.
So wie man seine Gesundheit verlieren kann (was man gemeinhin als jüngerer Mensch für unverlierbar hält), genauso kann man auch die Unbefangenheit gegenüber gewissen Dingen verlieren. Was einst kein Thema war, kann zu einem ernsten Thema, ja sogar Dauerthema des individuellen Lebens werden.Nichts ist sicher, das ist gewiss.

Aber es stimmt, was Schlagloch ganz im Allgemeinen sagte: Da, wo Abenteuer trotzdem für uns möglich ist, wird es vermieden.

Gruß
Gerhard

Mo / Website (11.7.07 17:15)
Hallo Gerhard,
vielen Dank für Deine Ermunterung.Wie ich schon im 1. Posting geschrieben habe, schließe ich mich Schlaglochs Meinung an. Ich weiß nicht, wann und warum wir unsere Risikobereitschaft verloren haben.

Für meine Großmutter ( Jg. 1910 ) gab es keine Sicherheit. Sie hat 2 Weltkriege (üb)erlebt und dabei alles verloren. Sie ist große Risiken eingegangen und hat sich in Lebensgefahr begeben, wenn sie nachts kilometerweit gelaufen ist, um Lebensmittel oder Holz zu „hamstern“. Unvorstellbar für mich und meine Generation.

Ihr einzig überlebender Sohn/mein Vater (Jg. 1941) hat den Wiederaufbau und auch das Wirtschaftwunder erlebt. Für ihn war es bei meiner Berufswahl besonders wichtig, dass ich einen „sicheren“ Job bei einem“sicheren“ Unternehmen bekomme.
Und auch sonst bin ich in meiner Kindheit nicht gerade zur Risikofreude erzogen worden. Ich könnte viele Dinge aufzählen, die meine Eltern mir verboten haben. Zum Teil und aus meiner heutigen Sicht heraus auch völlig berechtigt. Aber es gibt durchaus Dinge, wo ich mir mehr Vertrauen in mich und meine Fähigkeiten von ihnen gewünscht hätte.

Und heute ?? Die Generation, die sich gegen alles versichert, entfliegt der vermeintlichen Sicherheit ( und der damit eingetretenen Langeweile ) ans andere Ende der Welt und sucht den Kick im Bungeespringen oder Rafting, aber bitte möglichst sicher !

Noch schlimmer und/weil ohne jegliche Garantie von Sicherheit: wieviele aus dieser Generation gehen keine ernsthaften Beziehungen mehr ein, weil es keine Police gibt, die sie gegen Verletzungen schützt und weil ihnen sowohl das Selbstvertrauen-, als auch die Zuversicht in den Anderen, abhanden gekommen ist ?

Viele Grüße

Mo

ansuzz / Website (11.7.07 19:04)
Lieber Schlagloch,ich denke, mein ganzes Leben zeigt mir immer wieder unbekannte Ziele auf. Diese zu erreichen erfordert oft eine Menge Mut. Viele reisen in der Weltgeschichte umher aber vor ihrem Leben laufen sie davon. Dem stellen sie sich nicht. Besser durch Südamerika trampen, als meinen Vater/Mutter/… beim Sterben zu begleiten, besser Thailand besuchen, als mich selbst erkennen.

Ich muss nicht weit reisen, um ein Abenteuer zu erleben und meinen Mut zu beweisen! Das tägliche Leben bieten mir hierfür jede Menge Möglichkeiten!

Lieben Gruß
die Ansuzz

Gerhard (12.7.07 00:08)
Anusz,
das ist ja extrem herb, was Du da als Beispiel mit dem Sterben nennst…aber so geschieht es tatsächlich vielfach.Sich stellen…das ist offenbar das Schwerste!
Gerhard (12.7.07 00:09)
Entschuldigung, Ansuzz, den Namen nicht richtig gelesen.
Gerhard (12.7.07 00:12)
Mo, das mit den Beziehungen ist eine interessante Beobachtung.
„Beziehungsarbeit“ ist ja auch ein antiquierter Begriff, fällt mir in diesem Zusammenhang ein.Gruß
Gerhard
schlagloch /
Hallo Mo!
Ich habe vor kurzem im Fernsehen einen Bericht über die Schiksale von Menschen, die am Ende des 2. Weltkrieges auf der Flucht waren, gesehen. Für mich ist es unvorstellbar was diese Flüchtlinge, Frauen, Kinder usw. mitgemacht haben. Vielleicht haben sie einfach gehofft, dass, wenn sie die Flucht überleben, das Leben wieder besser wird. Etwas von dieser Hoffnung brauchen wir auch.
Gruss schlagloch.
schlagloch /
Hallo Ansuzz!
Der Eventurlaub erspart für kurze Zeit die Auseinandersetzung mit dem eigenem Leben. Stirbt der Vater ist es schlimm, stirbt die Mutter ist es noch schlimmer.Muata

Bei mein Bsuch von da Muata
im Spittol hon i ihrne Händ gholtn,
do hob i ihre gonze Liab gspirt.
De Orm woarn schoan
gonz dinn.
Da Vurhong vom Fensta
is zur Seitn gschobn gwesn,
sodos se auf de Sunnseitn
aufegsehgn hot.
De Herbstsunn hot gscheint,
es woar a stills Lächln auf
ihrn Gsicht.

I hon zua ihr gsogt,
du wirst bold wieda daham
vurm Haus auf da Bonk
in da Sunn sitzn,
do hots ihrn Kopf gschüttlt.
Sie hot an klan Schluck
von ihra gliebtn Frucade gmocht.
Sie is glei miad woarn
und eingschlofn,
a poar Tog späta
is se gstorbn…

Gruss schlagloch.

Mo / Website (12.7.07 14:47)
Lieber Gerhard,Beziehungsarbeit setzt voraus, dass beide Seiten daran arbeiten wollen. Meine Erfahrung ist, dass diese Bereitschaft immer mehr abnimmt und man sich lieber mit unverbindlichen Oberflächlichkeiten zufrieden gibt, als sich seinen Ängste, die meist aus schlechten Erfahrungen resultieren, zu stellen. Dabei kann die Entdeckung und Erforschung eines Menschen doch ein tolles Abenteuer sein…..

Lieber Schlagloch,

Hoffnung ist für mich ein wesentlicher, wenn nicht sogar der wichtigste, Antrieb und Motivator.

Das Leben im und nach dem Krieg hat mir meine Oma sehr eindrücklich beschrieben. Mir ist beim Lesen Deines Kommentars gerade erst bewußt geworden, dass sie die unvorstellbaren Geschehnisse „berichtet“ hat, aber darüber z.B. nie eine Träne verloren hat ( jedenfalls nicht vor mir ). Sie hat sich auch niemals beklagt. Vielmehr klangen die Mühen, die sie auf sich nehmen mußte, eher nach einem“Job“, der eben einfach zu tun war.

Und dann ist sie irgendwann ganz leise und tränenlos für immer eingeschlafen, genau so,wie Du es in Deinen Zeilen beschrieben hast…..

Ich frage mich gerade, ob ich mich nicht ein wenig schämen müßte für die Dinge, um die ich weine oder klage,weil sie doch in kaum einem Verhältnis zu den Qualen meiner Oma und ihrer Generation stehen….

Viele Grüße

Mo

schlagloch /
Hallo Mo!
Obwohl es uns im allgemeinem gut geht, haben wir unsere Probleme, dafür brauchen wir uns nicht zu schämen. Die Großeltern lebten in einer anderen Zeit und waren ein anderer „Menschenschlag“.
Gruss schlagloch.
Gerhard (12.7.07 22:36)
Mo,
kann man Hoffmung nicht sogar als eine zwiespältige Emotion ansehen? Sie mag im ungünstigen Fall verhindern, daß wir uns aktiv um unsere Dinge kümmern. Wenn ich z.B. die Hoffnung hege, bitteschön eines Tages keine Panikattacken mehr erleben zu müssen, dann unterhalte ich sie geradezu.
Hoffnung ist im Grunde so etwas wie ein Truglicht, aber offenbar ein Notwendiges. für uns Menschenkinder.
Hoffnung täuscht, aber wir brauchen sie gleichzeitig. Sie trägt uns weiter, zumindest das. Aber sie bewegt zunächst mal nichts.Zu den Kriegsvertriebenen, lieber Schlagloch, würde ich gerne anmerken, daß neben Hoffnung auch so etwas wie der Satz gewirkt haben müsste: „Wer sich aufgibt, hat verloren“. In solchem Leid gibt es entweder Resignation und totaler Absurz oder das unablässige Weiterkämpfen.
Wenn jemand eine sogenannte Dauerbelastung, die also irreversibel ist, in seinem Leben mit sich rumtragen muß, dann kann er sich nicht fallen lassen. Er kann und darf das nicht, sondern muß weitergehen, denn Aufgabe ist hier das Ende.
Mo / Website (12.7.07 23:24)
Hallo Gerhard,ein interessanter Aspekt, den Du anführst. Ich unterstütze ihn insofern, dass ich glaube, dass Hoffen und Bangen eng beieinander liegen. Also der Zwiespalt zwischen einer positiven Einstellung, dass etwas Wünschenswertes ( eine Besserung ) eintritt, gleichzeitig verbunden mit der Sorge, dass es bei dem negativ empfundenen Ist-Zustand bleiben könnte.

Wichtig erscheint mir, dass Hoffnung einen nicht passiv warten läßt, dass sich die Dinge von allein ändern. Hoffnung aber positiv belegt in dem Sinn, dass sie zum zielgerichteten Handeln motiviert. Deshalb würde ich Hoffnung nicht generell als Truglicht bezeichnen, denn es gibt durchaus berechtigte Hoffnungen ( in dem Sinne, dass die Wahrscheinlichkeit der positiven Entwicklung durchaus existiert ).

Um bei Deinem Beispiel zu bleiben: angstbesetzte Dinge nicht vermeiden mit der Hoffnung, dass es von allein besser wird ( kontraproduktiv, wie Du es selbst beschrieben hast ). Aber Hoffnung als Motivation, sich seinen Ängsten ganz bewußt immer wieder zu stellen, um eine schrittweise Desensibilisierung zu erreichen.

Ich habe aber noch eine Frage an Dich: Ich schätze Deine Kommentare sehr und würde gern mehr von Dir lesen. Beschränkst Du Dich auf das „mitschreiben“ oder gibt es irgendwo einen Blog von Dir, der hier nur nicht verlinkt wird ?

Viele Grüße und gute N8

Mo

Gerhard (13.7.07 10:08)
Hallo Mo,
Vielleicht ist „hoffen“ für mich einfach negativ besetzt. Da schwingt im Wort so eine Passivität mit, die mir aufstösst.
Wie heißt es in einem Refrain:
„So mancher hofft ein Leben lang…“Bei mir stelle ich immer wieder fest, daß ich (insgeheim)Hoffnungen hege, aber nichts davon scheint sich zu erfüllen. Oft hat man ja auch keine Vorstellung oder Idee, was man konkret zu tun hat, damit die Hoffnung sich in reales umsetzt.
Was ist konkret zu tun? Was ist erforderlich? Oder ist es einfach besser, „loszulassen“, der speziellen Hoffnung ade zu sagen.

Zu Deiner speziellen Frage.
Nein,ich blogge selber nicht. Zumindest noch nicht. Aber ich werde öfter Deine Seite besuchen und da auch was hinterlassen.

Schönes We

Gerhard

Mo / Website (13.7.07 12:27)
Lieber Gerhard,bei näherem Betrachten erscheint mir der Grat zwischen Hoffnung und Illusion recht schmal. Natürlich kenne auch ich enttäuschte Erwartungen und mit zunehmender Lebenserfahrung muß man zu dem Schluß gelangen, dass bei weitem nicht alles gut wird. Unter dem Strich sind wir uns einig, dass Hoffnung für uns Menschen offenbar existentiell notwendig ist….

Auch wenn Du (noch) keinen eigenen Blog pflegst, hoffe ich ( da haben wir es wieder 😉 ) , wieder von Dir zu lesen…wo auch immer….

Und danke an Schlagloch für dieses wieder bedenkenswerte Thema.

Schönes und sonniges Wochenende

Mo


schlagloch /
Hallo Gerhard!Auf die Hoffnung zu setzen, sozusagen einfach zu hoffen, dies empfinde ich auch als nicht produktiv. Aktiv zu sein und dann zu hoffen dass die Aktivitäten den Erfolg bringen, finde ich den richtigen Ansatz. „Loslassen“ würde ich dort, wo etwas zuviel wird, aber nicht die Hoffnung. Es stimmt, dass man in schwierigen Situationen (Kriegsvertriebene) Kräfte entwickelt, die man sich vorher selbst nicht zugetraut hätte. Selbst erlebt.

Gruss schlagloch.

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