MUMI . FIZIERT

Der Besuch eines Friedhofes gehört normalerweise nicht zum Besichtigungsprogramm einer Stadt. Eine Ausnahme macht man, wenn man das Grab eines berühmten Schauspielers, Sänger oder Sportler besuchen will. Man steht vor dem Grab des Verstorbenen, liest die Inschrift des Grabsteines und erinnert sich an seine öffentlichen Auftritte. In Venzone hat man die Möglichkeit neben dem Dom gegen eine Gebühr von € 1.50 in einer Krypta Mumien „Bucaneve“ zu besichtigen. In Glassärgen liegen mehrer kleinwüchsige Mumien. Die Haut ist an dem Skelett angetrocknet und man blickt in leere Augenhöhlen. Eine Mumie mit eingefallenem Brustkorb hat ihren Oberkörper halb aufgerichtet, als will er seinen Glassarg verlassen. Eine andere Mumie streckt ihren Arm seitlich aus, als suche sie Hilfe bei einer anderen Person. Eine weitere Mumie dreht den Kopf zur Seite, sie will niemanden in die Augen schauen und nicht von den Blitzlichtern der Fotoapparate geblendet werden. Bei den Mumien handelt es sich um eine Familie aus dem achtzehntem Jahrhundert.
 
Vom Leben als Mumie.     
 

 9 Kommentar(e)     

petros / Website (21.11.07 11:47)
Leichenschau war und ist modern. In Deutschland plastifiziert ein Gunther von Hagen Leichen, vom Pferd bis zum Säugling oder Teile von diesen und präsentiert sie gegen saftigen Eintritt in Ausstellungen.

LG
Petros

Gerhard (21.11.07 13:54)
Hallo Schlagloch,
den Friedhof von Montmarte betrachtete ich schon als wichtigen Anlaufpunkt in Paris. Bin regelrecht dorthin geeilt, um u.a. ans Grab von Heinrich Heine und und Truffaut zu treten. Ich habe die besondere Atmospähre noch gut in Erinnerung, obwohl es schon 12 Jahre her sein muß.

Ja, der Tod ist ein Mysterium. Manche Künstler wie Dali sorgten dafür, daß selbst nach ihrem Ableben Rätsel zu bergen waren, die er zu diesem Zweck ausgelegt hatte. Ihm genügte nicht das Überleben in Bildern..

Mo / Website (21.11.07 18:47)
Lieber Schlagloch,

ich bezeichne mich selbst nicht als gläubigen ( im herkömmlichen Sinne ) Menschen, aber Kirchen und Friedhöfe haben mich auf meinen Reisen schon immer interessiert. Vielleicht ist es mehr die Architektur und die besondere Atmosphäre, die mich fasziniert.

Deine Beschreibung der Mumien hinterläßt bei mir eher ein gemischtes Gefühl, wenn ich mir vorstelle, wie sich ein Toter aus seinem Grab erheben möchte…..

Mein Bruder ist eingeäschert worden, was sicher auch keine schöne Vorstellung ist. Aber für mich ist diese Phantasie „angenehmer“, als die von einer „flüchtenden“ Leiche.

Viele Grüße
Mo

weichensteller / Website (21.11.07 21:36)
Ist ja bedauerlich, wenn einer nicht einmal im Tod verschwinden darf, und noch seine Überreste ausgestellt werden.
Aber noch bedauerlicher, wer schon zeitlebens als Mumie geht
schlagloch
Hallo Gerhard!
Ich besuche lieber das Geburtshaus von einem KünstlerIn oder das Wohnhaus, wo er/sie gelebt und gearbeitet hat. Vielleicht schwebt noch ein Funke von „Genie“ durch die Luft. Berühmte Beispiele: Salzburg/Mozart/Trakl;
Weimar/Goethe/Schiller
Hoffe von anderen Orten, wie Buchenwald oder Dachau, dass die geschundenen Menschen Frieden gefunden haben.

Gruss schlagloch.

schlagloch
Hallo Mo!
Interessant sind die Inschriften von alten Grabsteinen wo alles eingraviert wurde, der Beruf, der Besitz, der Titel , der Familienstand usw. Eine Kurzbiografie.
Gruss schlagloch.
schlagloch   
Hallo Weichensteller!

Wie ist der Satz „wer schon zeitlebens als Mumie geht “ zu verstehen, was ist damit gemeint ?

Gruss schlagloch.

schlagloch
Hallo Petros!

Habe ich richtig gelesen, dass manche ihren Körper (Leiche) an Gunther von Hagen verkaufen? Mich sieht man in diesen Ausstellungen nicht, obwohl vieles in der Medizin und in der Malerei durch Studien an Leichen erreicht wurde.

Gruss schlagloch.


weichensteller / Website (23.11.07 00:31)
Hallo Schlagloch!
Es gibt Menschen, die sind so lebendig und beweglich wie Mumien. Schaut ja recht gut aus, aber was daraus wird?

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