HEIL:ung

Wir haben oft ein unangenehmes Gefühl, wenn wir einem Behinderten begegnen, weil wir nicht wissen, wie wir uns verhalten sollen. Wir schwanken zwischen zu viel an Aufmerksamkeit oder zu wenig. Das rechte Mass zu finden ist schwierig. Man weicht einer Begegnung mit einem Behinderten aus, wenn es vorhersehbar ist. Manche Arten von Behinderung lassen sich gut verstecken oder werden von der Familie versteckt. Sichtbare Behinderungen, wie Beschwerden beim Bewegungsapparat, beim Sprechen oder Schäden an der Haut sind leichter zu erkennen. Die meisten Behinderten bemühen sich den Alltag so normal wie möglich zu gestalten, verlangen keine besonderen Rücksichten oder den Verzicht auf Herausforderung. Die größte Enttäuschung für sie dürfte sein, wenn man ihnen weniger zutraut, als den Gesunden oder sie für geistig behindert hält.

 

Kommt man selbst in die Situation, dass man vorübergehend mit einer Behinderung leben muss, sei es eine Verletzung oder Bruch eines Armes oder Beines, dann erkennt man, welche Schwierigkeiten sich bei der Bewältigung einfacher alltäglicher Verrichtungen auftun. Es bedarf vieles Training um eine Hand oder Finger zu ersetzten. Erleidet man eine Verletzung im Gesicht, sieht man sich den Blicken der Menschen auf der Straße und am Arbeitsplatz ausgesetzt. Falsch wäre es, sich für eine Weile zu verstecken, manchmal lässt es auch der Beruf nicht zu. Man erfährt dabei nicht nur Situationen des ausgesetzt sein, sondern auch Blicke der Anteilnahme, des Mitgefühl und der Wertschätzung. Gute Wünsche für eine baldige Besserung mit der Hoffnung, dass man bald voll einsatzfähig sein wird.

 

Persönlich ist es ein gutes Gefühl, wenn man am eigenen Körper erleben kann, dass es einen Gesundungsprozess gibt, dass man geheilt wird. Geheilt werden im weitesten Sinn, heil werden an Körper und Seele. Waren die Heiligen überglückliche Leute, vollkommene Leute. Sie haben für ihre Heilwerdung kämpfen müssen und sind oft missverstanden worden.

 

Geheilt.   

 

5 Gedanken zu „HEIL:ung

  1. Hallo Schlagloch,

    Eine Art Wunder ist oft das Umgehenkönnen der Betroffenen mit Behinderung und Einschränkung. Trotz Schmerzen, trotz reduzierter Möglichkeiten und vager Aussichten erlebe ich oft einen erstaunlichen Lebenswillen und die Befähigung zur – uneingeschränkten – Freude.

    Gruß
    Gerhard

  2. Hallo Schlagloch!
    Ich kann Dir aus Erfahrung sagen, dass man durch ein paar Stationen geht, wenn eine Krankheit einen einschränkt.
    Am Anfang der MS (Multiple Sklerose) konnte ich mich kaum selber versorgen und es ging nur abwärts. Man versuchts zu ignorieren, was in dem Fall ja nicht ging, dann kommt die Wut, dann die Ohnmacht, Resignation, Verstecken, dann der Trotz und das „Aufstehen“ und sich der Situation stellen,…und somit wieder anfangen zu leben……
    Ich war damals, anfangs oft zornig, weil mein Körper nicht so wollte wie ich, was für meine Umwelt oft schwierig war. Manche konnte gar nicht damit umgehen.
    Aber jetzt, nach 13 Jahren, wo ich sogar den Brustkrebs überstanden habe, samt Chemo und Tabletten für erst mal 3 Jahre, die mich wieder an den Rand der Unselbständigkeit brachten, wegen der vielen Nebenwirkungen, geht es mir so weit gut, dass ich mich selbst versorgen kann, und auch noch ein bischen mehr (kleine Spaziergänge, Plätzchen backen…..und auch mal länger am Lapto sitzen).
    Durch dieses ganzen Erlebnisse hat sich meine Sicht auf Behinderung und Behinderte total geändert.
    Liebe Grüße
    Grey Owl

  3. Hallo Grey Owl Calluna,

    danke für Deine Offenheit! In diesem Licht werden auch einige Deiner Kommentare wie die Freude an kleinen Dingen verständlich und eindringlicher auch.

    Gruß
    Gerhard

  4. Hallo Grey Owl.

    Ich schließe mich den Zeilen von Gerhard an. Ich wünsche allen, die von einer schweren Krankheit betroffen sind, dass es ihnen wieder besser geht und das sie einen Bereich finden, der ihnen Freude macht.

    Gruss schlagloch.

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