WORT:genau

Bei der Fülle von Wörtern die täglich auf uns einströmen, aus dem Radio, aus der Zeitung und den Zeitschriften, hat man das Gespür für den einzelnen Satz verloren. Niemand hat die Zeit sich einem Satz zuzuwenden. Für den Beruf, für die  Beziehung, wird  man in Kursen darauf trainiert, dass man viel spricht, alles zerredet. An einem Satz festhalten ist uns abhanden gekommen. Hat man Glück, dann kommt einem ein Satz aus der Kindheit in den Sinn, ein Vaterwort oder Mutterwort. Das kann man sich genauer anschauen. Diese Sätze prägen einen Menschen, sie erschaffen ein ganzes Weltbild. Die ganze Weltsicht beruht auf einem Wort, auf einem Satz: „Es mag mich niemand“. Es ist nebensächlich wer diesen Satz gesprochen hat, zu wem und in welcher Situation, dies ist ein Lebenssatz.

Zu uns Kindern wurde am Bauerhof immer gesagt: „Wir müssen gescheiter sein als die Viecher.“ Gemeint waren die  Kühe, Pferde, Schweine, Hühner und Schafe. Es lag in unserer Obsorge, dass die Kühe beim Weiden nicht in das Getreidefeld oder in den Obstgarten liefen, das Pferd nicht durch unachtsame Bewegungen aufscheuchte oder mit den Hufen ausschlug. Holten wir aus dem Garten Gemüse, durften wir  das Gartentor nicht offen lassen. Es dauerte keine fünf Minuten und die ganze Hühnerschar zerrupfte den Salat. Schuldig waren wir Kinder, nicht die Kühe, Pferde oder Hühner.

Selbstanklage

7 Gedanken zu „WORT:genau

  1. Grüss Gott Schlagloch,

    da sagst du was! Genauso ist es. Viele Meister der nicht enden wollenden Sätze verwirren einen. Manche tun das mit Absicht, damit man nicht merkt was für einen Käse sie schreiben.
    Über die Hühner hab ich lachen müssen. Erinnerten mich an meine, die mir
    die ganzen Beete am Haus abgefressen und aufgescharrt haben.

    Liebe Grüsse aus dem sonnigen Allgäu//Erika

  2. Den Bauernsatz finde ich schlauer, als den anderen Satz, wo mich keiner mag.
    Sicher mögen mich viele, aber leidet zeigen sie einem das selten, also kommt es am Ende auf das selbe raus, dass man das Gefühl hat, dass keiner einen mag.

  3. Hallo Schlagloch,
    es sind solche Kernsätze aus der Eltern Mund, die einem das Leben schwer machen können.
    „Ich schaffe das nicht“ oder „Es hat keinen Sinn, es zu versuchen“ kann auch aus der Geburtssituation selber herrühren! Ludwig Janus hat gezeigt, daß ein Kind mit der Darmschlinge um den Hals beim Versuch, herauszukommen, spürt, daß alles Wollen gefährlich ist und die Sache nur verschlimmert. Dies kann, wie gesagt, zu einer Haltung im Leben werden.

    Gruß
    Gerhard

  4. Hallo Erika!

    Viele Meister, wie der Schöpfer von „Der Alchimist“ verwirren mehr, als das sie Klarheit schaffen.

    Auch die Hühner haben nichts „dazugelernt“.

    Gruss schlagloch.

  5. lieber franz
    nur ein satz auf dessen schultern alles ruhen soll.
    der sich nicht mehr ausradieren lässt
    der das ganze leben mitsamt lebendigkeit sabotiert?
    hui, das ist hart ins gericht gegangen.
    das gute ist, es lässt sich lösen
    wenn man es erkannt hat.
    hoffnungsfroh
    elisabeth

  6. Hallo Elisabeth!

    Es ist fast immer so, dass eine neue Betrachtungsweise meistens von „außen“ kommt. Es ist, wie du schreibst, nichts endgültig. So gesehen sind deine Sätze hoffnungsfroh.

    Gruss schlagloch.

  7. Hallo Schlagloch!
    Wenn man erst einmal erkennt was für „Einprägungen“ man hat, kann man sie überdenken, und ggf. auch ändern.

    Ja, im Laufe des Lebens bekommt man von allerorts viel „Schuld“ auf seine Schultern gepackt. Aber, wenn man richtig darüber nachdenkt,….da gibt es gar keine Schuld,….und nach so vielen Jahren, sollte man sie sich dann auch mal selst da runter holen, bevor sie einen vollends erdrückt….,und anfangen sein Leben zu lesen.
    Liebe Grüße
    Grey Owl

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