HERZ.kammer II

Stellt ein Betrieb seine öffentliche Arbeit ein, dies kann eine Kleiderreinigung, ein Elektroinstallationsunternehmen oder der Verkauf von Textilien sein, so bedeutet dies für den Inhaber oder bei einer Kleiderboutique für die Inhaberin, dass damit auch ein Teil vom Herzen geschlossen wird. Zu Recht sagt man bei den kleinen Handwerksbetrieben und Handelsbetrieben, dass die Inhaber mit Herz und Seele bei der Sache sind. Das zweite Herz hängt am Betrieb, man geht mit zwei Herzen durch die Welt und plötzlich wird eine Herzkammer geschlossen. Dabei muss man aufpassen, dass es in dieser Phase nicht zu Herzrhythmusstörungen kommt. Man wird aus dem Mittelpunkt der Bühne, aus dem Zentrum der Aufmerksamkeit, in die Requisitenkammer abgeschoben. Dort findet man sich mit den Garderoben der vergangenen Jahre wieder. Jetzt hat man Zeit zum Archivieren und von den vergangene Zeiten zu träumen. Welche Rollen man einmal auf der Bühne gespielt hat, in welche Rollen man geschlüpft ist und wie viel Applaus man bekommen hat.

Auf der Straße gibt es noch die Momente wo man in seiner alten Rolle erkannt wird. Ein wenig kann man den Rollentext von früher noch auswendig, aber man hat nicht mehr diesen Elan, weil früher war das Publikum ein größeres, jetzt sind es einzelne Interessierte. Dazu kommen die Zurufe, dass der / die Neue die Rolle nicht so gut spielt, wie man selbst war. Es wird berichtet, was jetzt nicht passt, was früher besser war. So trägt man eine doppelte Bürde, die Last, dass man von der Bühne abgetreten ist und die Last, dass man mit den Schwächen der Nachfolger konfrontiert, zum Eingreifen aufgefordert wird. Dabei wird vergessen, dass man nicht mehr auf der Bühne auftritt, sondern in der Requisitenkammer die alten Kostüme hegt und pflegt.

Herzflimmern.

3 Gedanken zu „HERZ.kammer II

  1. Hallo Schlagloch 🙂
    Vielleicht sollte man es nicht als Bürde ansehen, mit den Schwächen des Nachfolgers konfrontiert zu werden. Es ist vielleicht gar nicht als Aufforderung zum Eingreifen gedacht, sondern könnte auch als Kompliment gemeint sein, dass man früher eine gute Arbeit gemacht hat, auf die man stolz sein kann. 🙂
    Generell muß man wohl versuchen, Vergangenem nicht nachzutrauern; gar nicht das Gefühl aufkommen zu lassen, in die „Requisitenkammer“ abgeschoben worden zu sein.
    Auch nicht einfach, aber möglich.
    Grüßli zum Sonntag 😉

  2. Unserem Vater war durch seine Vergangenheit im Krieg eine Vorliebe für Autofahrten geblieben: sagt man mir. Er besaß aber trotzdem kein Auto. Wer, wie ich, einmal Halter eines Deutschen Schäferhundes – namens Hiram, der „Große Bruder“, der phönikische Königsname – war, kann sich wohl leicht und einfach eine „Vorliebe für Autofahrten“ vorstellen. Als der Bewegungsdrang unseres Vaters zusätzlich als Rentenempfänger eingeschränkt war, mietete ich einmal ein Leihauto und unternahm mit ihm eine Autofahrt außerhalb der Stadtgrenze zwischen Graz und Graz-Umgebung. Wir befuhren heute die gleiche Strecke: schön wie nie ging der volle Mond silberhell auf, wo der Mond aufgeht. Mir kommt im Augenblick der Gedanke: man könnte doch in Städten wie Wien und Graz ein Leihautosystem mit den Endhaltestellen von U-Bahnen, Straßenbahnen etc. als Abhol- und Rückgabestellen einrichten. – Eine französische Automarke, die wohl insbesondere Zugang auch zu einem rumänischen Tochterfirmenproduktionsmarkt hat, wirbt jetzt auf Plakaten mit dem Revierverhalten des Eichkätzchens in der Umweltvirginität einer glitzernden Weihnachtsschneedecke. Die Nation der Rumänen, der DAKER, fällt in der Weltgeschichte dadurch auf, daß sie seit Jahrtausenden nicht wandert, sondern an einer Stelle verharrt. – PICA PICA ist die Elster. „Brehms Tierleben“ hat die falsche Information, die Elster baue Dornen in den Unterbau ihres Nestes ein. Die Elster baut Dornen in das Dach ihres Nestes ein.

  3. Hallo Schlafmütze!

    Deine Überlegungen ergänzt gut ein Artikel in der Presse , „Wie man sein Leben erfolgreich auf den Mist wirft“. Angeregt wird darin, dass man sich von Zeit zu Zeit von alten Kleidern, nicht mehr gebrauchten CDs und Büchern, aber auch von Urlaubsfotos auf der Festplatte trennt. Es ist Zeit.

    Gruss schlagloch.

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