LEBEN:zeit

Wer zurückdenkt, weil sie/er schon einige Jahrzehnte hinter sich hat erkennt, weil früher denkt man darüber nicht nach, wie viel Sorgen und Leid die Zeit verursachen kann. Im ersten Drittel des Lebens, in den ersten dreißig Jahren, gibt es kein Zeitproblem, dort ist man agil. Im Vergleich mit älteren Mitmenschen kann man vieles in der halben Zeit erledigen. Man orientiert sich an Dingen die einem Spass machen, dafür ist keine Zeit zu schade oder zu kostbar, es gibt auch keinen ungünstigen Zeitpunkt. Geht es um Unterhaltung und Abwechslung, dann ist jede Tages- oder Nachtzeit recht. Dringende Vorhaben verlagert man in die nahe Zukunft, jetzt will man leben.
Den größten Ärger bereitet die Zeit im zweiten Drittel des Leben. Dort klammert man sich an den Erwerb von verschiedenen Konsumartikeln, man befürchtet den anderen hinterherzuhinken. Man hört von Dingen, welche man selbst noch nicht erlebt hat, die man aber auf keinen Fall versäumen will. Es kommt zu einem Zeitproblem, weil man das Berufliche und das Alltägliche nicht mehr in seiner Tageszeit unterbringen kann. Für manche Aktivitäten gibt es eine biologische Zeit, manche Unternehmungen lassen sich im Alter rein körperlich nicht mehr ausführen. Kommt in diesem Lebensabschnitt ein gesundheitliches Problem dazu, dann kann man zuschauen wie die Zeit den Berg hinab rinnt. Dabei vergeht dem Empfinden nach manchmal ein Jahrzent so schnell wie drei Jahre.

Es kommt der Zeitpunkt wo man sagt, ich schließe Friede mit der Zeit. Vieles, was man sich vorgenommen hat, hat man erreicht, über manches ist man erstaunt, dass man es erreicht hat. Man betrachtet jeden Tag als Geschenk, den man nicht ungenützt verstreichen lassen will, aber stellt auch keine Forderungen an ihn. Man freut sich, dass zu dem Erlebten das Eine und das Andere dazukommt. Man hat jetzt Zeit manches zu vertiefen, noch einmal nachzulesen und zu besuchen.

Plötzlich ändert man seine Einstellung zur Zeit. Die Zeit wird selbst verschiedene Handlungen und Entscheidungen verlangen. Man stellt sich nicht die Frage, was muss ich bis zu diesem Zeitpunkt machen, sondern denkt, mit der Zeit werden sich verschiedene Dinge selbst erledigen. Kein Kampf mehr mit der Zeit, kein hadern, weil einmal wird die Zeit ein Ende haben.

Leben auf Zeit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.