WIEN:splitter

Nach einem dreistündigen Ausstellungsmarathon mache ich es mir im Bistro des Museumsquartiers bequem und bestelle Hühnerbruststreifen mit Wokgemüse und Basmatireis. Die Einrichtung ist so gestaltet, dass auf wenig Raum viele Leute Platz haben. Der Wand entlang eine Bank, vis a vis ein Stuhl und dazwischen ein kleiner Tisch, Platz für zwei Personen, alles eng nebeneinander. Neben mir sitzt ein junger Mann der unablässig telefoniert und im Web surft. Er teilt anderen immer auf das Neue mit, wo er gerade ist und was er gerade trinkt. Von den Anderen erfährt er, dass sie gleich hier sein werden. Früher fragte man beim Telefonieren, „Wer ist am anderen Ende der Leitung“, weil das Telefonieren ganz real über ein Telefonkabel erfolgte. In den nächsten Minuten ist es so weit, die Freunde, ein junges Pärchen, treffen im Bistro ein. Die junge Frau ist wahrscheinlich Studentin an der Universität für angewandte Kunst, Richtung Fotografie? Sie beginnt damit,  alle Gegenstände zu fotografieren, den Aschenbecher, die Zigarette mit Hand, wahrscheinlich die Finger mit Zigarette, das Gesicht des Freundes mit Sonnenbrille und ohne, mit vertauschten Sonnenbrillen. Den Hals mit Schal und getauschten Schal. Die Imbisse, Salat mit Hühnerbruststreifen und ein Haustoast, sind einige Aufnahmen wert. 

Nachdem man sich auf der Kamera die Bilder angesehen hat, ist das Gesprächsthema die Mode. Egal welches Assessors, für den einen muss es diese Modefirma sein, für den anderen Jene. Dabei kommt es zu einer Auseinandersetzung. Einer der jungen Männer besteht darauf, dass man, um wirklich den neuesten Trends zu entsprechen, alle drei Monate nach London fliegen muss um dort seine Modeeinkäufe zu tätigen. Der Andere vertritt die Meinung, dass es genügt im Internet nachzuschauen und direkt zu bestellen. Die junge Frau, die Fotografin, erzählt von einem Freund der so toll aussieht, dass ihm  einfach alles passt. Er sieht auch dann noch gut aus, wenn er  sich unterwegs ein paar Klamotten aus dem Caritasladen holt und sich am WC umzieht. 

Update.

3 Gedanken zu „WIEN:splitter

  1. Hallo Schlagloch .. 🙂 Nach London fliegen zum shoppen. Dann darf ich mich ja gar nicht auf die Strasse trauen. Ich war noch nie in London 😉
    Wenn ich mich über meine Kleidung definieren muß, bin ich ein armseliges Würstchen.
    Selbstverständlich achte ich auch auf mein Äußeres, aber auch auf meine Geldbörse. Die entscheidet letztendlich, ob neue Kleidung notwendig ist.
    Und nicht die „Modefuzzis“ 🙂
    Ich entstamme einer kinderreichen Familie (4 Brüder) , da wurden Sachen nach- und aufgetragen. Im Teenialter konnte ich nie mit Klassenkameradinnen mithalten, was die Mode betraf.
    Gelegendlich taten deren erbärmliche Kommentare auch weh. Heute würde das wohl Mobbing genannt, damals interessierte ein solches Verhalten keinen, da mußte man durch. Doch mit der Zeit ist daraus auch eine gewisse Unabhängigkeit und Stärke gewachsen.
    Ich trug oft Sachen, die hippiemäßig (auch selbstgemacht) aussahen; das war kostengünstig und einfach zu machen, neue Kleidung gab es zu selten. Sowas trug keiner und vermutlich galt ich als ein bisschen sonderbar 😉 War mir aber genauso egal wie mit der Zeit meine Klasse; ich hatte Freundinnen außerhalb der Schule, deren Familien auch nicht auf Rosen gebettet waren. Da gab es nicht diesen Konsum- und Trendzwang.
    Liebe Grüße in den Advent 🙂

  2. So ein Ausstellungsmarathon kann ganz schön anstrengend sein. Habe ich mit einer Freundin in Berlin auch gerade durch 😀

  3. Hallo Schlafmütze!

    Mit der Mode war es für uns damals nicht weit her. Zum Teil haben wir die Kleider der älteren Geschwister „aufgetragen“.

    Gruss schlagloch.

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