ver:gessen I

Seit Jahren gingen wir sonntags an einem Haus in der Milesiestraße vorbei und rätselten darüber, ob es möglich ist, dass in diesen Haus noch jemand wohnt? Wenn, dann wahrscheinlich eine ältere Pension, eine alleinstehende Frau, deren Mann verstorben ist, wie es hier bei einigen Villen der Fall ist. Wobei es den Witwen, ob ihres Alters, nicht mehr möglich ist die großen Gärten zu betreuen. Auch kleine Reparaturen am Haus werden vernachlässigt. Zumeist reicht die Witwenrente nicht aus, um einen Hausbesorger zu engagieren oder einen Handwerker zu bezahlen. Diese Generation Frauen war bei den Kindern zu Hause und hatte kein eigenes Einkommen. Die Nachkommen sind schon lange ausgezogen und haben ihren Lebensmittelpunkt in einer anderen Stadt. Bei manchen kommt es zwischen den Eltern und den erwachsenen Kindern zu Streitigkeiten. Niemand ist bereit in das Elternhaus heimzukommen. Die Kinder sehen die Liegenschaft als eine gut dotierte Geldreserve, die sie einmal verkaufen können.

Inzwischen haben wir erfahren, dass die Witwe seit Jahren auf der Geriatrie in LKH Villach Tag und Nacht gepflegt wird. Das Haus musste gegen Willkürakte gesichert werden. Alle Türen und Fenster sind jetzt zugenagelt. Der Strom unterbunden und der Garten eine willkommene Schuttablagerung. Vor einigen Monaten ist die Frau im LKH verstorben und jetzt hat ein Bagger das Haus abgebrochen. Es wurde alles eingeebnet und begrünt. Wahrscheinlich wird es nicht lange dauern und hier steht eine Tafel: Grundstück zu verkaufen. An der Grundgrenze steht noch der Betonpfosten wo die Gartentür einschnappte. Dort erinnert die Taste für die Hausklingel an die Frau. Man kann auf die Klingel drücken, aber niemand meldet sich.

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