leben:wille

Bei wem die Geburt einige Jahrzehnte zurückliegt, der sinniert nicht über einzelne Tage, auch nicht über Wochen nach. Eine untergeordnete Rolle spielen einzelne Monate, ansonsten zählen nur die Jahre. Es ist nicht selbstverständlich, dass der Lebenswille mit den Jahrzehnten steigt. Durch Ereignisse wie Ehestreit, Beleidigungen, finanzielle Verluste, Sterbefälle wird der Lebenswille angeknappert.  Manches Mal bäumt er sich noch einmal auf, wenn es zu einer neuen Herausforderung kommt: Ein Wohnungswechsel, eine neue Partnerschaft, die Würdigung für eine besondere Leistung, ein persönlicher sportlicher Rekord. Beginnt ein neuer Lebensabschnitt, eine zweite berufliche Herausforderung oder die Zeit für die Muse kommt. Als Älterer ist man ziemlich überrascht, kommt man mit einem zehn Tage alten Baby in Kontakt. Alle Gliedmaßen sind von erstaunlicher Winzigkeit, es funktioniert alles im kleinsten Detail. Erstaunlich ist der Lebenswille, welchen das  Baby ausstrahlt. Wo es nichts von seiner Zukunft weiß, sowenig über die Umwelt. Kaum Erfahrung mit dem menschlichen Gegenüber und doch beeindruckt es durch seinen festen Vorsatz und hier bin ich. Egal ob es die Finger, die Füße, die Augen oder der Gesichtsausdruck sind, der Entschluss etwas auszudrücken und umzusetzen ist da.

Beim freien Schreibtraining, was wäre wenn ich nicht hier wäre? Nach der Ankunft am Salzburger Bahnhof bin ich überrascht, wie warm es in der Stadt Anfang März ist. Es war verlockend die Innenstadt zu besuchen, gleichwohl es dort zurzeit keine besonderen Aktivitäten gibt. Der Durchfluss an Menschen wird in der Getreidegasse um vieles geringer sein, als in der Vorweihnachtszeit. Als Kleinstadtbewohner aus einem Cafefenster vom Tomaselli auf die vorbeiströmenden Menschen zu sehen und ihr Verhalten zu beobachten, ist spannend. Streune ich durch die Altstadtgassen dann schrumpft, dass von meinem Wohnort ferne Salzburg, zur Kleinstadt.

Der Große.

5 Gedanken zu „leben:wille

  1. Neuen Lebenswillen und neue Lebenslust – das kennzeichnet zur Zeit meine Tage. Besser jedenfalls als vor sich hinzutümpeln.

  2. Oh, es gibt ein Enkelkind in deiner Familie! Ich habe es ähnlich empfunden, wie unser Kleiner geboren worden war: Ich staunte so sehr darüber, wie alles so winzig klein an dem Baby zu sein schien und doch funktioniert dieser Körper perfekt.

    Allerdings, ob das Baby nichts von seiner Zukunft weiß? Ich las unlängst ein Buch, in dem Berichte gesammelt sind, in denen kleine Kinder erzählen, wie sie z. B. vor der Inkarnation ihre Eltern ausgesucht hatten und mit ihnen besprochen haben, oder wo sie in einem früheren Leben gewesen waren. Meist sind die Eltern sehr überrascht, von dem was sie da zu hören bekommen (haben). Manchmal erzählen Kinder etwas von ihren Großeltern, das sie unmöglich aus dem jetzigen Leben wissen können.

  3. Jesus im Stall – „Epiphanias, s. Dreikönigsfest“, würde uns das „KIRCHEN-LEXIKON“, Band 3, von Wetzer und Welte vorschlagen, daß ich weiterblättern solle. Der Stempel der Bibliothek, aus der diese Originalausgabe des später gänzlich umgeschriebenen Lexikons in ein Grazer Antiquariat gelangte, und eine Jahreszahl fehlen in diesem dritten Band. Ich versuchte nun vor einiger Zeit zu argumentieren, daß „Epiphanias“ sich nicht n i c h t auf Jesus in Betlehem beziehen könne. “ E p i p h a n i e “ beziehe sich, suchte ich zu verteidigen, auf das Zeitungssonntagsevangelium „Matthäus 17,1-9“, „12. März 2017“, hier auf dem Tisch, das Evangelium des Besatzungsmachtsteuerbeamten Levi. In einer illustrierten Übersetzung, auch hier auf dem Tisch, fehlen natürlich in der Illustration nach der Evangelienstelle über Cäsarea Philippi – „sechs Tage“, so der Beginn in der Zeitung, „Matthäus 17,1“ – die „drei Hütten“, laut „Matthäus 17,4″, in der Zeitung. Es müßte eine klare Übersetzung aber schreiben: “ d r e i B a u e r n h ä u s e r “ . Meine Mutter, großväterlicherseits aus landwirtschaftlichem Milieu stammend, berichtete im Tagebuch ihrer Israel-Pilgerreise, sie habe den Schlüsselort der W e l t g e s c h i c h t e des B a u e r n t u m s gesehen.

  4. Jesu Apostel Petrus wurde auf dem Berg, wo Moses und Elias fast wie in einem Traum erscheinen, in einer Weise vom Schlaf übermannt, daß er beim Erwachen „nicht wußte, was er redete“. So erzählt es der Arzt Lukas in seinem Evangelium, „9“, „33“, in der Luther-Übersetzung 1984 der „THOMPSON-STUDIENBIBEL“. Nun hat Petrus doch für eine Frau Sorge zu tragen und er hat eine Schwiegermutter und dabei ist er der Fels, auf dem Jesus seine Kirche baut. Wenn er nicht in einem B a u e r n d o r f wohnt, fühlt er wohl die Gefahr, daß er seine Schwiegermutter in einer Institution der Betagtenversorgung sozialem Abstieg aussetzen könnte. – Zu streichen in unserem Eintrag vom „12. März“: das zweite „nicht“.

  5. Hallo Rosenherz!

    In unseren Breiten könnte ich die „Vorauswahl“ der Eltern durch Ungeborene verstehen. Aber sich als Ungeborenes für ein Elternpaar, welches in einem Kriegsgebiet oder in ein von Krankheiten und Mangelversorgung geprägtes Land lebt zu entscheiden, kommt mir paradox vor.

    Aber es gibt Begebenheiten die uns vor ein Rätsel stellen. Die Nachbarin hat ein Enkelkind bekommen, er heißt Alexander.

    Gruss schlagloch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.