besen:rein

Das Wort besenrein wird für junge Ohren altväterisch klingen. Mich begleitet das Saubermachen und alles was dazugehört seit den Kindertagen am Bauernhof. Manche werden es anzweifeln, auch auf dem Bergbauernhof herrschte in den 60er Jahren eine Art von Sauberkeit. Nicht, wie Städter vielleicht vorsätzlich vermuten, dort versank alles im Schmutz. Als Kinder wurden wir angehalten im Viehstall, während des Melken, den Stallboden mit einem Birkenbesen zu fegen. In den Wintertagen, wenn die Feldarbeit ruhte, stellte der Vater Besen, Rechen und Buckelkörbe für den täglichen Bedarf her. Von Zeit zu Zeit kehrten wir auch auf der Tenne. Vom Frühjahr bis in den Spätherbst sorgten wir  im Hof und auf den Platz vor dem Haus für Sauberkeit. Im Bauernhaus waren wir dafür zuständig, die Laben und die Betonstiege in den ersten Stock, besenrein zu halten. Diese Reinigungsarbeiten waren bei uns Bubensache, Mädchen waren auf dem Hof die Minderheit.

In der Küche, der Mittelpunkt der Familie und dementsprechend groß, wurde täglich aufgekehrt. Hier wurde gekocht, gegessen, Brot gebacken, die Hausaufgaben gemacht, Karten gespielt, Radio gehört und mit Besuchern geplaudert. Der Holzboden wurde einmal in der Woche geschruppt. Im Haus gab es zu jener Zeit kein Fließwasser. Das Wasser wurde dem Brunnen vor dem Haus entnommen und in die Küche getragen. Beim Herd, der mit Holz beheizt wurde, gab es ein Wasserschiff, dort wurde das Wasser erhitzt. Auf der Holztruhe stand immer ein Eimer mit Frischwasser. Für Holz und Wasser sorgten wir Kinder.

In einer Ecke von der Küche stand eine Waschschüssel, für die kleine Körperpflege. Die Waschschüssel wurde durch ein Küchenfenster in die angrenzende Wiese entleert. Das Plumpsklo war an das Haus angebaut, als Klopapier wurden alte Zeitungen verwendet. Nachtsüber stand in jedem Schlafzimmer unter dem Bett ein Nachttopf, welcher von Zeit zu Zeit in den Abfluss von den Dachabwässern geschüttet wurde.

Brunnentrog

2 Gedanken zu „besen:rein

  1. Ich bin auch auf einem Bauernhof aufgewachsen und einiges von dem, was du beschreibst, kenne ich auch noch. Wir hatten zwar eine Toilette in der Wohnung, aber unten in der Diele gab es noch Plumsklos mit Zeitung.
    Ein Badezimmer hatten wir, mit einem Waschbecken und eben der Toilette. Wanne oder Dusche gab es nicht.
    Wir mussten Samstags in der Zinkwanne in der Küche baden. Dazu wurde Wasser im Einkochtopf auf dem Herd heiß gemacht.
    Das Diele fegen mit Reisigbesen kenne ich auch noch. Dazu wurde vorher Wasser auf den Boden versprüht, damit es nicht so schlimm staubt.
    In der Diele hatten sogar Schwalben ihre Nester und es gab einen gruseligen Kohlenkeller.
    Ganz liebe Grüße 🙂

  2. Hallo Schlafmütze!

    Ich finde es schön, wenn es LeserInnen gibt, die ähnliche Erlebnisse hatten. Zitat: „Dazu wurde vorher Wasser auf den Boden versprüht, damit es nicht so schlimm staubt.“ Genauso war es bei uns auch, habe ich total vergessen. Bei uns wurde nur mit Holz geheizt, der gruselige Kohlenkeller „entfällt.“

    Gruss schlagloch.

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