morgen:stund II

Sinngemäß sagt Seneca: „Nicht die Länge des Lebens ist wichtig, sondern was man in den Jahren macht. Wir haben nicht zu wenig Zeit, sondern wir gehen mit der Zeit sorglos um“. Bummelt man am Hauptplatz an einer Boutique vorbei und es befindet sich keine Kundschaft im Laden, dann sieht man die Verkäuferin über das Smartphone gebeugt oder am PC im Internet surfen. Auf die Idee im Geschäft sauber zu machen  die Ordnung in den Regalen wiederherstellen, kommen die Wenigsten. Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht und bei einer der zahlreichen Baustellen vorbeikommt, wird feststellen, gibt es eine kurze Arbeitsunterbrechung für den Baggerfahrer, wird dieser in seine Hosentasche greifen und das Handy zücken. Die Smartphones sind zu Zeiträubern und Arbeitsverweigern geworden. Anno dazumal hat man sich die Zeit mit dem zeitweisen Blättern in den Illustrierten und den Zeitungen vertrödelt.

Ich kann mich erinnern, es hat während meiner Ausbildungszeit in der Buchhandlung, Tage der sogenannten toten Zeit gegeben. Dies bedeutete, alles war aufgeräumt, nachgefüllt und abgestaubt, damit war wirklich Alles gemeint. So konnten wir uns, die Erste Verkäuferin und ich, erlauben in den aufliegenden Zeitschriften zu blättern. Dies war vom damaligen Arbeitsverständnis betrachtet, ein absolutes No Go. Vom Chef nicht toleriert. Der Chef, Herr Harald, ist an seinem Schreibtisch im Lager gesessen. Eingekeilt zwischen einer Regalwand, einer Stellage und dem Schreibtisch.  In der Stellage die Ordner von der Buchhaltung und Preislisten, am Schreibtisch ein kleiner Aufbau, voll mit diversen Bestellkarten, Firmenkuverts und Erlagscheinen. Neben ihm, so hoch wie der Schreibtisch, ein Stoß der neuesten Buchkataloge und die Ankündigungen von den Buchneuerscheinungen. In diesem Kosmos war er versunken. Um ein Zeichen unserer Betriebsamkeit abzugeben, haben wir zwischendurch die Zeitschriften auf das Verkaufspult geklatscht.

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