hermann:nitsch II

Das Schlachten erfolgte bei den ersten Minusgraden im Spätherbst. Der Dampf und der Geruch von den körperwarmen Gedärmen sind mir noch immer gegenwärtig. Dieser Geruch breitete sich im Vorhaus, im Stiegenhaus und in der Küche aus und blieb dort die nächsten Tage haften. Wahrscheinlich setzte er sich auch in den Haaren und in den Kleidern fest, ohne dass es uns aufgefallen wäre. Diese Ausdünstungen lockten auch die Katzen und die Hühner an, die den Platz, wo das Schwein ausgeweidet wird nicht vorher räumten, bis sie ihren Anteil bekommen haben.

In den nächsten Tagen gab es geröstete Leber, eine Blutsuppe mit Rollgerste und andere Innereien, welche das Jahr über nicht auf den Mittagsteller kamen. Die Nierndln und das Mark vom Gehirn waren die Gustostückerln für den Vater. Ein Teil der Schweinehälften wurden portioniert und landeten abgepackt, mit Schnitzel, Braten und Gulasch etikettiert, in der Tiefkühltruhe. Die Speckseiten wurden im Troadkasten eingebeizt und in den darauffolgenden Wochen mehrmals gewendet und dann in die Selch am Dachboden gehängt.

In mühsamer Feinarbeit wurden die Gedärme von ihren Inhalten befreit und als Wursthaut weiter verwendet. An einem folgenden Abend wurden die Darmseiten mit der Wurstmasse gefüllt und in die Selch am Dachboden gebracht. Gekochte grüne Hauswürsteln gab es als Kostprobe zur Jause. Der Schweinskopf wurde im großen Häfen, indem zu den Festtagen die Dampfnudel zubereitet wurden, ausgekocht und die Masse zum Gelieren in einem Weidling in das ungeheizte  Kinderschlafzimmer gestellt. Das Teigbrett wurde gereinigt und hinter der Anrichte in der Küche verstaut. Der Haartrog und der Dreifuß von Blut und Schweinsborsten gesäubert und im Schupfen verräumt.

Herbstzauber

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