16. 04 : 2019

Am Vormittag streifen wir gemeinsam durch die Altstadt Marseille, rund um den Alten Hafen. Im Zuge der Ernennung zur „Europäischen Kulturhauptstadt 2013“ wurde in diesem Bereich sehr viel erneuert. Auf Grund der vielen ehemaligen Kolonien Frankreichs in Afrika, Übersee und Fernen Osten ist die Bevölkerung von Marseille Multikulturell. Diesen „Schatz“ versuchte man im Rahmen der Europäischen Kulturhauptstadt hervorzustreichen. Es gibt auch Problemzonen, eine rund um den Bahnhof, wo sich Drogen, Waffen, Prostitution sublimiert. Während und am Ende des Unabhängigkeitskrieges Algerien (1954-1962)  kamen zig Zehntausende Franzosen zurück. Für diese wurden in rascher Folge Hochhäuser errichtet um den nötigen Wohnraum anzubieten. Verläuft man sich in schmale Gassen, sind mir sofort die vielen Graffiti aufgefallen, welche sich über ganze Straßenzüge ausdehnen. Das Mittagessen nehmen wir im Kulturzentrum Friche la Belle de Mai ein, es ist in einer stillgelegten Seifenfabrik angesiedelt.

Mit Kleinbussen fahren wir zur Cite Radieuse, hier erwartet uns eine Führung durch ein Wohnprojekt der 1950 er Jahre. In diesem „Wohnblock“ wurden ca. 330 Wohneinheiten untergebracht, mit einigen wenigen Grundrissen. Alle waren mit Bädern, zwei Schlafzimmer, Wohn- und Esszimmer, sowie einen Balkon ausgestattet. Im Sommer reguliert sich das heiße Klima, indem der Wind die Möglichkeit hat, alle Wohnbereiche zu durchlüften. Jede Wohnung wurde mit einer „Frankfurter Küche“ von Margarete Schütte-Lihotzky, der großen österreichischen Innenarchitektin, ausgestattet. Für mich ein Gag, dass es von jeder Küche eine „Durchreiche“ auf den Gang gibt. Hierin werden am Morgen die bestellten Croissant und Milch gestellt. Ohne die Wohnung zu verlassen, wird man morgens mit frischem Gebäck versorgt. Die Küchenabfälle werden über eine Rohrpost entsorgt. In einer Etage befindet sich ein Gemischtwarengeschäft, Café, Friseur, Wäscherei usw. Wer Besuch bekommt, kann ein Gästezimmer anmieten. Integriert in die Wohnanlage ist auch eine Volksschule. Am Flachdach des Gebäudes befindet sich der Sportplatz und eine Laufstrecke. Von hier aus hat man einen wunderbaren Ausblick auf den Hafen, das Meer und in die Berge.

Die Rückfahrt in das Hotel erfolgte abends mit der Straßenbahn. Überfüllt, beschönigt die Situation in der Straßenbahn.   

       

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