ruhe:stand

Obwohl die Zeit nach dem Arbeitsleben Ruhestand heißt, bleibt vom vielgelobten und angenommenen Ruhestand nicht viel übrig. Plötzlich erfasst einen der Faktor Zeit, der sich vor einem auftürmt und überwunden werden will. Die Trägheit beim Aufstehen am frühen Morgen und bei der Morgentoilette bremst die Zeit ein, da bekommt die Tageszeit einen großen Dämpfer. Vor allem, verschwindet das Frühstücksgeschirr erst nach 9 Uhr im Geschirrspüler. Während der Berufszeit genügte eine Viertelstunde für das Frühstück und der Arbeitsmotor begann um sieben Uhr zu laufen. Ich glaube, nie wird sooft die Frage gestellt, wo ist die Zeit hingekommen, als wie in der Pension? Unerwartet kommen einem Vorhaben in den Sinn, wo die Zeit eine Rolle spielt. Man fragt sich, wieviel Lebenszeit habe ich noch? Im Kopf hat sich der Gedanke, dieses und jenes fertigzustellen, festgekrallt. Der Modus, eine Arbeit abzuschließen, steckt mir aus dem Berufsleben tief drinnen. In der Rente muss ich dies wohl um den Gedanken erweitern, dass nicht jedes Projekt die Gelegenheit dazu haben wird, beendet zu werden.

Vergleichbar mit, nicht jedes Buch, welches ich gekauft habe, habe ich gelesen. Einige nur zu einem Drittel und bei manchen Büchern habe ich nach dem ersten Kapitel aufgehört. Eine der ersten Fragen von Wohnungsbesuchern ist, sehen sie die vielen Bücher, ob ich die Bücher alle gelesen habe. Die Bücher sprechen dafür, dass ich an dem Thema interessiert war, an einer Biographie, am Kosmos oder an einem bestimmten Zeitalter. Lesen hat viel mit der Zeit zu tun, wer dies als Lückenbüßer sieht, als Überbrückung zwischen Tag und Nacht wird mit seinem Lesepensum nicht allzu weit kommen. In der Rente ist es für einen Bücherliebhaber Pflicht, sich als Tagesordnungspunkt eine oder zwei Stunden Lesezeit zu verordnen. Am besten mehrmals die Woche, ansonsten stellt sich keine Zufriedenheit ein. Die größten Feinde der Bücher sind für mich die Zeitungen und Zeitschriften, sie sind Zeitfresser ohne einen wesentlichen geistigen Mehrwert. Heute kann man oft nicht mehr unterscheiden wo man eine Meldung schon einmal gehört hat, am Handy, im Radio oder im Fernsehen. Der Zugewinn an Wissen kommt bei den Zeitungen und Zeitschriften ganz weit hinten. Oftmals versprechen die Schlagzeilen in den Zeitschriften etwas, was dann in der Reportage nicht eingelöst wird. Sie vermehren nur den Inhalt des Altpapier Container. Viele Zeitungen werden bereits online angeboten, dabei kommt es zu einem Generationenproblem. Die 40er, 50er, und 60er Jahrgänge lieben es, eine Zeitschrift in Händen zu halten oder man begnügt sich mit den online Schlagzeilen.

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