…war mein Vorbild.
„Wissenschaft als persönliches Erlebnis[1], darüber zu Ihnen zu sprechen, bin ich aufgefordert worden. (…) Denn eigentlich gehört vom wissenschaftlichen Tun doch nur an die Öffentlichkeit, was dabei herausgekommen, nicht was in einem vorgegangen ist. (…) Und dabei geht es nun einmal subjektivierend zu, das Persönliche mischt sich ein und damit die Zeitgebundenheit“[2] Verstehe ich Hans Jonas richtig, dann bringt er damit zum Ausdruck, dass es beim wissenschaftlichen Arbeiten nicht nur eine rationale, sondern auch eine emotionale Seite gibt. Letztendlich fließt auch diese in das Denken mit ein.
„Nach dem Betreten des Hörsaals steht man als älteres Semester plötzlich in einer Runde von jungen Studenten, ist etwas verunsichert und weiß nicht, wie man sich artgerecht verhalten soll. Die Anspannung ist da. Egal was kommt, höflich und locker bleiben. Seniorstudenten sind eine Ausnahme und werden von den Jungen kritisch beäugt. Ein Einsteiger Tipp, nicht die vorderen Reihen wählen, die Eingeweihten sitzen in den hinteren Reihen. Bis zu dem Augenblick, wo die Professorin oder der Professor den Hörsaal betritt, ist es spannend wie in der Grundschule. Der Professor fordert uns auf, in die vorderen Reihen zu wechseln, damit seine Stimme geschont wird. Im Berufsleben, als schrulliger Papierwarentandler, hatte ich mit dem Lehrpersonal viele geschäftliche Berührungspunkte. Dabei zu oft das Gefühl, Lehrer erwarten, dass ihre Meinung ohne Widerspruch akzeptiert wird. Außer beruflichen Fortbildungskursen habe ich nach dem Schulabschluss keinen Unterricht mehr genossen.
Nach Beginn der Uni-Vorlesung beobachte ich, wie die Studentinnen und Studenten nahtlos an das Grundschulsystem anschließen. Für Fragen heben sie artig die Hand, verwenden als Anrede Frau/ Herr Professorin und stimmen in den meisten Fällen ihren/seinen Aussagen zu. Es gibt kaum Einwände zur Vorlesung. Die meisten Studierenden verhalten sich wie eine Herde braver Lämmer. Durch meinen Kopf geistern Szenen aus den sechziger und siebziger Jahren, als in Frankreich, Deutschland und Italien die Studentenunruhen stattgefunden haben. Rudi Dutschke war mein großes Vorbild. Dieser Widerstandsgeist ist aus den Unis verschwunden, teilweise nicht mehr notwendig, weil die Professoren um vieles liberaler sind.“[3]
[1] Hans Jonas, Wissenschaft als persönliches Erlebnis, Vortrag gehalten am 15.10.1986 an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg [2] Seite 9, Hans Jonas, Leben, Wissenschat, Verantwortung, Ausgewählte Texte; Wissenschaft als persönliches Erlebnis, Verlag Reclam 2004 [3] Franz Supersberger, Uni.Tag, www.schlagloch.at, 4.2.2014