Gott ist…

Die Lehre der Gnosis, welche in den ersten Jahrhunderten nach Christus stark verbreitet war besagt, dass Gott und der Mensch zusammengehören, aber durch die Welt getrennt sind. Die Welt ist durch einen Demiurg erschaffen. Mit dem Pneuma hat der Mensch, als Teil der Welt, einen „göttlichen Funken“. Das Bestreben des Pneumas ist, zu Gott zurückzukehren. Hans Jonas folgert, „…dass in mehr als einer Hinsicht die griechisch-römische Welt der ersten christlichen Jahrhunderte Parallelen mit der Moderne aufweist. (…) Der gemeinsame Zug, den es zu betonen gilt, ist die radikal dualistische Stimmung, die der gnostischen Haltung als ganzer zugrunde liegt…“[1] „Der Dualismus besteht zwischen Mensch und Welt und parallel zwischen Welt und Gott.  (…) In dieser dreigliedrigen Polarität gehören Mensch und Gott gegenüber der Welt zusammen, sind aber, dieser wesenhaften Zusammengehörigkeit zum Trotz, eben durch die Welt getrennt. (…) In Ihrem theologischen Aspekt besagt diese Lehre, dass das Göttliche der Welt fremd ist und keinen Anteil am physischen Universum hat; dass der wahre Gott, absolut transmundan, durch die Welt weder offenbart, noch auch nur angezeigt wird…[2] (…) „Die positive Ergänzung liegt in der Tatsache, dass das wahre Wesen des Menschen das Wissen ist, das Wissen um sich selbst und um Gott.“[3] 

Die Einsamkeit des neuzeitlichen Menschen im physischen Universum der neuzeitlichen Kosmologie beschreibt Blaise Pascal mit dramatischen Worten: „Verschlungen von der unendlichen Weite der Räume, von denen ich nichts weiß und die von mir nichts wissen, erschaudere ich.“[4] (…) Die Gleichgültigkeit des Universums gegenüber dem Menschen, das Nichtwissen um menschliche Dinge von Seiten dessen, worin alle menschlichen Dinge sich abspielen müssen.“[5] Pascal hält daran fest, dass das Universum ein von Gott geschaffenes Universum ist. „Aber dieser Gott ist wesentlich ein verborgener Gott, ein agnostos theos und ist nicht erkennbar im Gefüge seiner Schöpfung.“[6]


[1] Seite 353, Hans Jonas , Das Prinzip Leben, 2. Auflage 2011, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main [2] Ebenda, Seite 354 [3] Ebenda, Seite 355 [4] Ebenda, Seite 348, Zitat, Blaise Pascal, Das ewige Schweigen [5] Ebenda, Seite 348 [6] Ebenda, Seite 350

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