CHINA . MADEN

 

Es vergeht kein Tag, an dem man nicht mit einer Meldung über die wirtschaftlichen Erfolge von China informiert wird. So erfährt man, dass im ersten Halbjahr dieses Jahres über 160 Millionen Paar Schuhe aus China in die EU importiert wurden oder dass  80 % der Spielwaren weltweit in China erzeugt werden und das China die höchsten Wachstumsraten der Welt hat. Oft aber werden dafür die Frauen, da Mädchen als Nachkommenschaft noch immer unbeliebt sind, ausgebeutet. Die unerwünschten Frauen ziehen vom Land in die Großstadt, in die sogenannten Sonderwirtschaftszonen und versuchen dort eine Arbeit zu finden. Diese Notlage wird selbst im kommunistischem China von den Industrieunternehmen ausgenützt und die Frauen als billige Arbeitskräfte eingestellt. Bei einer Arbeitszeit von zwölf Stunden täglich, an sieben Tagen die Woche, verdienen die Arbeiterinnen gerade mal € 45.—pro Monat.

 

Sucht man in einem Spielwarengeschäft nach einem passendem Geschenk, dann kann es passieren, dass die Begleitung ein Funkauto in die Hand nimmt und sagt „Made in China“. Ich verstehe, „heute schaue ich „Made in China“ . Ich frage zurück, „wie lange dauert die Fernsehsendung? Die Begleitung fragt, „welche Fernsehsendung?, ich sage „Made in China“.

 

Die Chinamaden im Kopf.

 

 

 

29.6.05 21:29

REISE . FIEBER

 

An den heißen Junitagen werden die Felswände des Dobratsch durch die intensiven Sonnenstrahlen aufgeheizt und der Lärm der hochtourigen Motorräder wird als Echo in das Tal zurückgeworfen. So wird die Stimmung in Moeselstein, wenn die Motorräder auf der B83 durch den Ort brausen, angeheizt. Den Motorrädern folgen mit Folgetonhorn die Einsatzwagen der Polizei. Bei einem Verkehrsunfall auf der A2 Autobahn heulen die Feuerwehrsirenen, dann kommen die Sirenen des Notarztwagen und des Rettungsautos. Jetzt ist Sommer in Moeselstein und man bekommt Reisefieber.

 

Wohin geht die Reise?

28.6.05 14:09

SPÄT . HERBST

 

Wer jetzt auf einer Bank in der Schütt sitzt und einen Blick auf die Bäume und Sträucher wirft sieht, dass die Eichenblätter erdbraun, ausgetrocknet und verdorrt sind. Im Sturzflug fliegen die Blätter von den Bäumen, um vom nächsten Windstoß aufgewirbelt zu werden. Am blassblauen Himmel fliegt ein Segelflieger lautlos den Dobratsch entlang. Auf der Wiese weiden drei Pferde. Ein Pferd kann sich nicht beruhigen, es wiehert immer wieder und hebt seinen Kopf. Vielleicht will es schon in den Stall? Der nächste Windstoß wirft die Mähne hoch, von der Ferne klingen Kuhglocken. Ein Mann läuft die Strasse entlang und kämpft dabei gegen seine Kilos und gegen das Alter. Die Sonne steht tief über dem Länderdreieck. Leise drehen sich die Räder der Fahrradfahrer und von der Autobahnbrücke hört man das Schlagen der Autoachsen. Der Verkehrsstrom reist nicht ab.

 

Der Lärm kennt keine Grenze.  

4.11.05 18:26

ZUKUNFT . ÖSTERREICH

Die Kaiserin Maria Theresia steht auf einem großen Betonsockel mit Zepter und Krone am Neuem Platz in Klagenfurt. Von einem Plakat mit rot-weis-roten Streifen auf einer Liftfasssäule strahlt der Bundeskanzler für die Zukunft Österreichs und auch für seine Eigene. Am Neuen Platz ist eine große Wäschespinne aufgebaut und die unter Sechsjährigen üben sich im Bangcamping  Springen. Fünf Minuten kosten vier Euro. Auf einer Sitzbank verabschiedet sich eine Generation mit einer Flasche Bier. Die Sandleer von Klagenfurt trinken sich in den Tod. Wo zwei junge Leute am Tisch sitzen, da liegen drei Handys. Wenn der Herkules den Lindwurm erschlagen wird und das Wörtherseemandl sein Fass öffnen wird, dann wird Klagenfurt in den Fluten des Wörthersee untergehen.

 

Zukunftsfest für Österreich.

22.6.05 21:11
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FÜNFZIG . JAHRE

 

Neben den offiziellen Feiern „Fünfzig Jahre 2. Republik  Österreich“, wo sich die regierenden Politiker oftmals selbst feiern, gibt es die „privaten Fünfziger“. Dies sind Frauen und Männer welche im Jahre 1955 , dem Jahr der Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrages geboren wurden. Ihnen kann man den Stolz ansehen, dass sie in einem „historischem Jahr“ geboren wurden, obwohl sie zur Erlangung der Unabhängigkeit nichts beigetragen haben. In die weitere Entwicklung des Staates waren sie voll eingebunden. So verlaufen die Fünfzigjahrfeiern ganz unterschiedlich.

 

Eines ist gewiss, dass der Staat mit den Jahren mehr Gewicht bekommt, während die Zeit der Fünfzigjährigen weniger wird. Viele Menschen leiden mit den Jahren an einem Zeitdefizit, obwohl sie weniger Aufgaben zu bewältigen haben. Meine Wünsche für die Fünfziger lauten, Zeit für die restlichen Dinge des Lebens und soviel Gesundheit wie zum Leben notwendig ist.

 

Gesunde Lebenszeit.  

19.6.05 22:05

DIGI . FOTO

 

Wer sich ein Jahrzehnt zurückerinnert weis, dass man bei einem Urlaub am Meer oder in den Bergen vom Urlaubsort Ansichtskarten an Verwandte und Freunde verschickt hat. Bei den Souvenirläden hat man die Kartenständer vor- und zurückgedreht und die schönsten Ansichtskarten ausgesucht. Entweder hat man laut oder leise für sich alle jene Leute aufgezählt, denen man eine Karte schicken will. So sah man die Urlauber im Gastgarten bei einem Getränk oder am Abend im Hotel beim Abendessen sitzen und dabei die Ansichtskarten schreiben.

Heute kann man beim Abendessen im Hotel beobachten, wie rundherum die Fotohandys gezückt werden und man sich gegenseitig fotografiert. Es wird so lange fotografiert, bis die Aufnahme allen gefällt, auch demjenigen, welcher fotografiert wurde. Heute ist alles wiederholbar, bis es keinen Spaß mehr macht. Das Foto wird als digitale Ansichtskarte versandt.

 

Das Ende der Spaßgesellschaft. 

 

17.6.05 10:26

 

KIRCH . SCHLAG
Im Schlagloch meiner Erinerungen gibt es einige Begebenheiten aus Kirchschlag i. d. Buckligen Welt. Die Burgruine Kirchschlag ist trotz eines kleinen Aufstieg, zwecks der schönen Aussicht, diese Mühe wert. Es bietet sich ein rundum Blick auf die Bucklige Welt mit den vielen Waldstücken, den weiten grünen Feldern auf den Leiten und dazwischen die Bauernhöfe, mit ihrem eigenen Stolz. Dazwischen wogen die Gedreitefelder im Wind und dahinter wölbt sich der nächste Buckel.
Alle fünf Jahre haben die Kirchschläger schwer an der Welt zu tragen, wenn sie bei den Kirchschlagerpassionsspielen für Christus das Kreuz tragen. Das Kreuz tragen ist nicht etwas Vergangenes oder Geschichte. Es wird heute nur totgeschwiegen, dass auch heute im Computerzeitalter jeder von uns sein Kreuz zu tragen hat. Man braucht nur in den Onlinetagebüchern zu lesen und trifft auf viele Blogger, welche an ihrem Leben leiden. Das Leiden ist stärker in der Welt anzutreffen als sonst einmal.
Einen ganzen Sommer spielt die Bevölkerung von Kirchschlag bei den Passionsspielen die Geschichte vom Leid, vom Hass, dem Neid und der Angst. Die Passion bleibt aber nicht im Leid festgefahren, zum Schluß kündet ein strahlendes Licht aus dem leeren Grab vom Frieden für den leidenden Menschen.
Das Kreuz tragen.  

14.6.05 21:03

 

ZE . HENT
Man spricht oft von der Macht der Politiker. In der heutigen Situation der Globalisierung, wo jeden Tag Firmen aus dem EU-Raum abwandern, muß man von der Machtlosigkeit der Politiker sprechen. Wenn sie Macht haben, dann wird ihnen diese Macht von den internationalen Konzernen zur Verfügung gestellt. Die Macht und der Einfluß verschiedener Adelsgeschlechter ist heute noch grösser als die eines Landeshauptmann. Wer das Burgenland besucht trifft überall auf die Schlösser und Besitzungen des Geschlecht der Esterhazy. In Lockenhaus ist es ebenso.
Wir sind heute von der Adelsherrschaft befreit, dafür aber die Leibeigenen des Staates. Früher mußte man einen Zehent (10 Prozent) von seinem Einkommen an die Gutsherrschaft abliefern, heute zahlen wir 30 bis 50 Prozent Einkommensteuer an den Staat. Der Einfluß des Landehauptmann von Burgenland ist geringer als der Einfluß der Esterhazy.
In einem Gasthof in Lockenhaus, wo vor kurzem auch der Landeshauptmann gespeist hat, kann man gut speisen. Die Sprache der Burgenländer hat einen schönen melodischen Klang.
Wohltat Zehent.

13.6.05 11:23

 

RAND . STEIN
Am Sonntagvormittag trifft man die Jugend beim Kirchgang, am Nachmittag liefern sich die Burschen auf der engen und kurvenreichen Landstrasse zwischen Zöbern und Krumbach mit ihren Sportwagen ein Strassenrennen. Die Autos sind schon lange bevor sie zu sehen sind, zu hören. Es ist wie das Grollen von Donner, die tiefen Bässe der Schlager bringen die Luft zum Vibrieren. Sie rasen mit ihren tiefliegenden Autos vorbei an den privaten Marterln, welche hier am Straßenrand an die Opfer des Straßenverkehrs erinnern.
„Hier mußte am 16. 10. 1970 das Mädchen  G. im Alter von dreizehn Jahren unschuldig ihr Leben lassen.“ Den Betonsockel schmückt ein Engel mit gefalteten Händen.
„Hier verunglückte am 26. 1. 1952 Herr J.A. “ Ein Sockel mit Kreuz.
Würde man an den Straßen für alle Verkehrstote Marternl aufstellen, könnte man sich die Randstein ersparen.
Am Straßenrand.

9.6.05 17:07

LICHT . BLICK
Ein Lichtblick im Kuralltag war das Gitarrenkonzert der Musikschule Scheiblingkirchen im Museumsdorf Krumbach für den Verein Lichtblick Krumbach. Sie musizierten für einen wohltätigen Zweck. Der Erlös aus dem Konzert kommt der Errichtung einer „Beschützten Werkstätte“ für Kinder & Erwachsene mit besonderem Förderungsbedarf zu gute. Gespiel wurden Kompositionen von Klassik bis Pop, von M. Langer bis G. Telemann. Das Gitarrenquartett bzw. -Quartett stand unter der Leitung von Renate Hofer. Bei manchen Musikstücken konnte man sich völlig entspannen und die Augen schließen. Der Alltag wurde ausgeblendet, der fand woanderst statt.
Berührend war auch die Geschichte von einer Mutter eines mongoliden Kindes, wie sie mit ihrem Mann beschlossen haben dem Verein beizutreten. Es war ein paar Tage vor Weihnachten, als sie sich entschlossen auf gegenseitige Geschenke zu verzichten und dafür dem Verein Lichtblick eine Geldspende zu überweisen. Sie gingen gemeinsam zur Bank und verbrachten danach einen gemütlichen, statt stressigen, Vorweihnachtsvormittag im Cafe beim Reden und Cafetrinken.
Ein Lichtblick.
 

7.6.05 08:15

VER . REISEN
In einem Kurhotel ist es unvermeidbar, dass unter den Kurgästen auch ältere und gebrechliche Menschen sind mit Gehhilfen, Krücken und im Rollstuhl. Bei einem Tischgespräch stellte sich die Frage, ob es erstrebenswert ist, so alt und gebrechlich zu werden oder ob es besser wäre mit vierzig oder fünfzig Jahren „gesund“ zu sterben?
Mein Einwand gegen den „gesunden Tod“ war, dass man  vieles erst in den späteren Jahren erlebt. Gerade das Verreisen können sich viele Menschen erst in späteren Jahren leisten, oft erst nach der Pensionierung. All diese, meistens interessanten und schönen Erfahrungen hätte man bei einem frühen Tod nicht machen können. Meine Frage ist, welche Auswirkungen würde das Fehlen dieser Erfahrungen nach dem Tod haben?
Erfahrungen und Erlebnisse für das Jenseits.
 

4.6.05 13:20

SELBST . SUCHT

Es ist eine unpersönliche Welt, in der ich das Gefühl habe, dass der Tod eines Freundes mir die Zeit stiehlt. Ich hatte für mich eine Woche vorgeplant, endlich hatte ich das Gefühl, dass ich einmal für mich persönlich ein wenig Zeit haben werde und dann erreicht mich die Nachricht, dass der Freund gestorben ist. Der Wochenplan ist hinfällig. Jemand, welchen ich gerade an diesem Tage anrufen wollte um mich zu erkundigen, welche Feste anlässlich von hundert Jahre Relativitätstheorie geplant sind?  Ich habe dann doch nicht angerufen, weil die Zeit schon fortgeschritten war und eine Fahrt zum Bahnhof bevorstand. Er hat gerne telefoniert und man weiß nie wie lange wir gesprochen hätten.

Heute würde ich mich gerne mit ihm sprechen, aber es ist leider zu spät. Jetzt ärgere ich mich darüber, dass ich persönlich zu kurz kommen könnte, er kann es nicht mehr.

Selbstsüchtig bis zum Tod.

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