REISE . ZEIT

Die Sommermonate Juni, Juli und August sind die Hauptreisezeit. Während keiner anderen Zeit des Jahres sind die Straßen so überfüllt. Eine Verkehrslawine wälzt sich über die Tauernautobahn in den Süden, an die Strände der oberen Adria. Wer in dieser Zeit fährt hat es eilig und lässt sich nicht aufhalten. Bei der Fahrt durch Kärnten geht man vom Gaspedal nicht weg, außer man bekommt Hunger, muss auf die Toilette gehen oder der Treibstoff geht zu Ende. So überfüllt wie die Autobahnen sind in dieser Zeit auch die Autobahnraststätten. Immer wenn eine neue Autobahnraststätte geplant wird, wehklagen die Bestehenden, und prophezeien Umsatzeinbußen und Existenzgefahr. Die Autobahnen sind aus dem heutigem Verkehrsnetz nicht mehr wegzudenken.
 
In den sechziger, siebziger und achtziger Jahren ist der Autoverkehr nach Oberitalien durch die Ortschaften vor der italienischen Grenze gefahren. Er wurde zu einer zunehmenden Belastung für die Bevölkerung. Vom Durchzugsverkehr hat aber auch manche Ortschaft wirtschaftlich gelebt. Statt einer großen Autobahnraststätte wurden die Durchreisenden von vielen kleinen Tankstellen, Bäckern, Fleischhauern und Gasthäusern versorgt. Nachdem 1984 der letzte Abschnitt der Tauernautobahn vor der italienischen Staatsgrenze für den Verkehr freigegeben wurde, konnte man auf der Bundesstraße in Möselstein einige Tage lang Fußballspielen.
 
Ein Auto fährt durch.      

31.7.06 14:04 verlinken / 2 Kommentare / kommentieren

 

SOM . MER

Auch als Kind von der Sonnseite in Politzen ist es mir zu heiß, um von Möselstein durch den Hohlweg auf die Hochebene am Länderdreieck zu den Bienenstöcken zu gehen. Es ist Mittag und die Temperatur erreicht 37 Grad. Der kühlste Platz im Ort ist der Wasserfall, aber wegen der Verlegung einer Gaspipeline nicht erreichbar. Der Weg ist durch Felsgestein und Erdmaterial verlegt und eine Tafel warnt „Vorsicht  Steinschlag“. Am Hang fressen sich die Presslufthämmer in das Gestein. Ein Reh überquert im Lärm von Baggerschaufeln die Strasse. Der Bach versiegt vor der Kreuzkapelle, im Bachbett liegen graue Steine. Unter dem Altarraum rauscht kein Bach mehr durch, wie es in den Reiseführern beschrieben wird. Im 16. Jahrhundert wurde über dem Bach ein Kapelle errichtet. Auf der Bank neben der Kapelle spürt man die Kühle, welche der Wald und das Moos ausströmen. Hier ist noch Feuchtigkeit trotz langer Trockenheit gespeichert, die Klimaanlage für Möselstein. Auf der anderen Talseite werden die Dobratschfelsen von der Sonne aufgeheizt. Wer auf einem Felsen zu lange steht, verbrennt sich die Fußsohlen. Der Steinchristus schaut besorgt nach dem Himmel, wo die Regenwolken bleiben.
 
Es ist Sommer.        

29.7.06 08:09 verlinken / kommentieren

 

HITZE . FIEBER

Seit dem Klimawandel in den Alpen spüren wir im Sommer mehr von der Hitze als in den vergangenen Jahrzehnten. Dies ist eine Hitze die wir auf der Haut spüren. Es gibt aber  eine innere Hitze, ein Feuer das in unserem Kopf brennt. Ein Hitzefieber, ausgelöst  von schlechten Erlebnissen, von Schicksalschlägen oder Schockerlebnissen. Dieses Hitzefieber kann sich im ganzem Körper ausbreiten und zu deren Eindämmung braucht es viel Energie. Ein Feuer, das den Schweiss ausbrechen lässt, den Pulsschlag beschleunigt und den Atem wegnimmt.
Diesem Hitzefieber begegnet man mit einem Sonnenbad, wo die unreinen Gedanken von der Sonne verbrannt werden.

Der Sonnenanbeter.   

27.7.06 14:24 verlinken / 3 Kommentare / kommentieren

 

TROCKEN . HEIT

Die langanhaltende Hitze und das Ausbleiben von Regenfällen führt in südlichen Ländern zu Wassermangel und Dürreschäden. In den Alpenländern ist die Situation besser. Hier bilden die großen Waldgebiete und die Alpengletscher eine natürliche Wasserreserve. Die Substanz der Gletscher wird durch die Erwärmung der letzten Jahre angegriffen. Das die Gletscher stark geschrumpft sind, sieht man bei der Pasterze am Großglockners deutlich. Konnte man vor fünfzig Jahren mit dem Schrägaufzug direkt auf die Pasterze gelangen, so muss man jetzt einen langen Fußmarsch auf sich nehmen um die Pasterze zu erreichen. Das Abschmelzen der Gletscher erfolgt immer schneller. Jeder von uns ist an diesem Klimawandel mitbeteiligt.
Die Trockenheit der Natur greift auf die Menschen über. Man geht den geistigen Anstrengungen aus dem Weg. Man wendet sich den Dingen zu, die leicht verdaulich und unterhaltsam sind. Zerstreuungen die den Kopf nicht belasten. Viele Menschen trinken zu wenig, dies lässt die Gedanken eintrocknen.
Trockenheit wirkt.

24.7.06 09:52 verlinken / kommentieren

 

HITZE . PUNKT

Als Bewohner der Alpenländer haben wir kaum Erfahrung mit der Hitze. Die Hitzeperioden der letzten Sommer sind für uns eine neue Erfahrung. Heiße Temperaturen waren eine Sache des Süden, etwa in Afrika. In den sechziger Jahren lernte man die Hitze im Urlaub an den Badestränden der oberen Adria kennen, später bei den Urlaubsreisen nach Nordafrika oder in den Vorderen Orient. Dies war jeweils für eine kurze Zeit und freiwillig. Jetzt ist diese Hitze mitten in den Alpen. Wir versuchen uns der Hitze zu entledigen, indem wir uns der Kleider entledigen. Damit entledigen wir uns auch unseres Hautschutzes. Die Gefahr der Sonnenstrahlung wird heruntergespielt, wie auch andere Gefahren der Natur. Wir setzen den Wert der Technik über den Wert der Natur. Eine Aufgabe der Technik sehen wir darin, die Belastungen der Natur zu korrigieren. Wir legen den Körper frei und glauben frei zu sein. Freiheit bedeutet nicht bei allen Trends mitzumachen.

Bei Hitze Salzgurken  essen, keine süßsauren.

19.7.06 18:57 verlinken / kommentieren

 

VOM . REISEN

Die Sommermonate Juni, Juli und August sind die Hauptreisezeit. Zu keiner anderen Zeit des Jahres sind die Straßen so überfüllt, eine ganze Verkehrslawine wälzt sich in dieser Zeit über die Tauernautobahn in den Süden, an die Strände der oberen Adria. Wer in dieser Zeit fährt hat es eilig und lässt sich nicht aufhalten. Bei der Fahrt durch Kärnten geht man vom Gaspedal nicht weg, außer man bekommt Hunger, muss auf die Toilette gehen oder der Treibstoff geht zu Ende. So überfüllt wie die Autobahnen sind in dieser Zeit auch die Autobahnraststätten. Immer wenn eine neue Autobahnraststätte geplant wird, wehklagen die Bestehenden, und prophezeien Umsatzeinbußen und Existenzgefahr. Die Autobahnen sind aus dem heutigem Verkehrsnetz nicht mehr wegzudenken.
 
In den sechziger, siebziger und achtziger Jahren ist der Autoverkehr, welcher nach Oberitalien unterwegs war durch die Ortschaften vor der italienischen Grenze gefahren. Er wurde zu einer zunehmenden Belastung für die Bevölkerung. Vom Durchzugsverkehr hat aber auch manche Ortschaft wirtschaftlich gelebt. Statt einer großen Autobahnraststätte wurden die Durchreisenden von vielen kleinen Tankstellen, Bäckern, Fleischhauern und Gasthäusern versorgt. Nachdem der letzte Abschnitt der Tauernautobahn vor der italienischen Staatsgrenze für den Verkehr freigegeben wurde, konnte man auf der Bundesstraße in Möselstein einige Wochen lang Fußballspielen.
 
Ein Auto fährt durch.      

18.7.06 14:06 verlinken / kommentieren

 

WIRKLICHER . URLAUB

„Wirklicher Urlaub ist, wenn es im Urlaub keinen Streit zwischen den Urlaubspartnern gibt“, heißt es in einem Gedicht. Heute ist es so, dass man mit sehr viel Gebäck in den Urlaub fährt. Man begnügt sich nicht mit einem Bade- oder Wanderurlaub, man will im Urlaub viel mehr erleben. So gehören in das Urlaubsgepäck meistens auch die Bekleidung für das Fahrradfahren und die eigenen Fahrräder werden mitgenommen. Ebenso die Bekleidung und Ausrüstung zum Tennisspielen. Wir nehmen nicht nur ein Zuviel an äußeren Dingen mit in den Urlaub, sondern auch ein Übergewicht an geplanten Urlaubsaktivitäten. So sind vielfach schon ein Tennis- Wander- oder ein Gesundheitsurlaub gebucht. Dazu kommen dann am Urlaubsort noch Ausflüge in die nähere Umgebung, oder ein Einkaufsbummel und Museumsbesuch in der nächsten Stadt.

Jeder möchte noch sein ganz persönliches Hobby ausüben und dann kann es vorkommen, dass die Urlaubswoche viel anstrengender wird als eine normale Arbeitswoche. In der Hotelhalle kann man beobachten, dass manche Betriebsinhaber oder Geschäftsführer am Notebook arbeiten und viele werden es im Hotelzimmer machen. Das ununterbrochene Läuten der Handys auf den Gängen, in der Eingangshalle oder am Schwimmbecken stört niemanden mehr und nicht alle Gespräche sind privat. Nichts ist so oft besetzt und belagert wie der freie Internetzugang im Hotel. Ein freier Tag während der Arbeitswoche ist erholsamer als eine Woche Urlaub.

Das Urlaubsende.     

13.7.06 22:11 verlinken / kommentieren

 

PACK . PAPIER

In den Fällen, wo es nicht möglich war beim Gemischtwarenhändler im Ort einen Artikel zu bekommen, fuhren wir Kinder mit der Mutter, meistens nahm sie nur zwei von uns fünf Kindern mit, zu einem Einkauf in die Bezirksstadt. Diese Einkaufsfahrt gehörte zu den aufregenden Erlebnissen in den Ferien. Es war notwendig ein oder zwei Kleiderstücke für das neue Schuljahr einzukaufen. Nicht immer reichte es aus, dass die Kleider der größeren Geschwistern für uns Jüngeren geändert und ausgebessert wurden.

Den Bahnhof im Tal erreichten wir nach einem halbstündigen Fußmarsch. Während der Zugfahrt durch das Drautal nach Villach verspeisten wir die von zu hause  mitgenommen Speckbrote. Vom Villacher Hauptbahnhof gingen wir durch die Bahnhofstrasse über die Draubrücke auf den Hauptplatz. Die Mutter führte je ein Kind rechts und links an ihren Händen. Der Autoverkehr und die vielen Fußgeher waren für uns Bergkinder eine Verwirrung. Bei den vielen Schaufenstern, egal ob Spielzeugladen oder Süßwarenstandln hatte es die Mutter schwer uns zum weitergehen zu bewegen. Bewegte und blinkte in einem Schaufenster ein Spielzeug, dann blieben dort  schon einmal unsere Nasenandrücke auf dem Schaufenster zurück. Später faszinierten mich die Schaufenster einer Buchhandlung mit den vielen Büchern und zwischendrin entdeckte ich ein Buch, welches ich aus der Schulbibliothek ausgeborgt und gelesen hatte. Ein Buch zu kaufen stand nicht auf dem Einkaufszettel, der  im Kopf der Mutter existierte. War es besonders heiß, kaufte uns die Mutter eine Eistüte und auch für sich eine. Im Sommer liebte die Mutter zwei Dinge, saure Essiggurken und ein Eis.

Am Hauptplatz angekommen gingen wir in das Kaufhaus Warmuth, wo für uns in der Kinderabteilung eingekauft wurde. Dorthin fuhren wir mit dem Lift in die oberen Stockwerke, ein Liftboy war immer dabei. Meistens kaufte die Mutter für sich noch eine Arbeitsschürze und für den Vater ein Hemd. Alle Kleidungsstücke wurden am Packtisch im Erdgeschoss im weiß-grün gestreiftem Packpapier  verpackt, mit einem Kordel zugebunden und mit einem Henkel versehen. Jedes Kind erhielt einen „Warmuth – Luftballon“ geschenkt. Mit den Paketen in der Hand ging es zurück zum Bahnhof. Vor dem Bahnhofsgebäude gab es mehrere Kioske, darunter auch einen Stand mit Obst und Süßigkeiten. Hier kaufte die Mutter für jeden von uns eine Banane, welche wir bei der Rückfahrt im Zug aßen. Eine Banane zu essen war etwas besonderes, auch für die Mutter. Im Waggon, wo wir auf Holzbänken saßen, konnte man in einigen Gepäckablagen weiß-grün gestreifte Pakete sehen.

Ein Ende mit Bananen.

12.7.06 13:27 verlinken / kommentieren

 

WEIN . BERG

Wir sprechen öfter darüber, dass sich alles ändert und nichts mehr so ist, wie es einmal war. Konnte man früher in den Ortschaften am Fuße des Dobratsch einen öffentlichen Brunnen mit einem Holzbrunnentrog vorfinden, so findet man jetzt auf den Feldern die ausrangierten Badewannen. Meistens sind es weiße Emailbadewannen zur Versorgung der Kühe mit Trinkwasser. In den Häusern sind die Bäder neu renoviert und die weißen Emailbadewannen wurden durch farbige Kunststoffbadewannen ersetzt. Die neue Sommerfarbe ist blau, inmitten der grünen Rasen stehen vor den Häusern die blauen Best Way  Schwimmbecken, sie haben Schulterhöhe. In diesen großen Schwimmbecken tummeln sich immer mehr Erwachsene.

 

Auf den rostfarbenen Felsflanken des Dobratsch liegt ein Schatten, weil er vermarktet und genutzt wird, wo er sich vor über sechshundert Jahren durch einen Bergsturz  jeder Nutzung entledigt hat.
 
Wo geht es hier zum Weinberg.  

6.7.06 12:12 verlinken / 3 Kommentare / kommentieren

 

LAND . LEBEN

Beim Radfahren auf dem Rosentalradweg von Fürnitz über Müllnern in Richtung Faakersee sieht man oft, dass auf dem  Balkon oder auf einer Bank vor der Haustür eine lebensgroße Stoffpuppe sitzt. Wenn man mit dem Fahrrad näher kommt hat man den Eindruck, dass die Hausleute es sich auf der Hausbank gemütlich machen. Man hat das Gefühl, dass man hier durch ein Paradies radelt, dass hier das süße, geruhsame Landleben regiert, gegenüber dem hektischem Stadtleben. In Wirklichkeit sind die Hausbewohner damit beschäftigt im Gemüse- und Obstgarten Ordnung zu machen, neues anzupflanzen oder das Unkraut zu jäten und den Salat zu ernten. Stellvertretend für die Hausbesitzer sitzen die lebensgroßen Stoffpuppen vor dem Haus und halten Siesta.
 
Wer ein Haus besitzt weiß, dass immer etwas zum Reparieren, zum Vorbereiten, gibt. Diese Arbeiten werden meistens am Wochenende erledigt. Nicht die Hausbesitzer besitzen das Haus sondern das Haus hat die Besitzer in Beschlag genommen. Den Tagesablauf bestimmt der Garten, in der Früh das Gießen, am Vormittag die Erdbeeren und die Radieschen ernten, am Nachmittag ein neues Beet anlegen und am Abend wieder gießen.
 
Ein Eigenheim ist ein verlässlicher Begleiter durch den Jahresablauf. Im Frühjahr den Rasen saubermachen, den Keller durchlüften, auf der Terrasse den Holzboden auslegen und die Schäden vom Winter am Dach ausbessern. Im Sommer den Sonnenschutz aktivieren und die Balkonverkleidung neu streichen. Der Herbst bringt die Obsternte und das Kraut wird eingewintert. Jetzt wird die Heizungsanlage überprüft, der Keller und der Dachboden winterfest gemacht und die Geräte für die Schneeräumung bereitgestellt. Der Winter schickt den Schnee in kleinen Raten, so dass man tageweise mit dem Freischaufeln des Hauseinganges beschäftigt ist und mit dem Saubermachen der Dachrinnen vom Eis. Die Garageneinfahrt wird immer wieder vom Schneepflug mit Schnee zugemüllt. Die lebensgroßen Stoffpuppen kommen im Frühjahr wieder auf die Bank vor dem Haus.
 
Das süße Landleben.     

4.7.06 13:56 verlinken / 4 Kommentare / kommentieren

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