REISE:blick

In der Hotelhalle versammeln sich die Leute einer Reisegesellschaft. Jetzt bekommt die Reisegruppe ihre persönlichen Gesichter. Manche haben den Reiseblick, für sie gibt es nichts Neues. Sie bewegen sich im Hotel so sicher wie Zuhause. Der große Teil sind Seniorinnen und Senioren. In der Gruppe fühlen sie sich wohl, es gibt immer einen Ansprechpartner und viel Abwechslung. Exotische Länder erreicht man mit dem Flugzeug und der  Bus vor Ort bringt einen zu den Sehenswürdigkeiten. Für angenehme Temperaturen sorgt die Klimaanlage im Bus und im Hotel. Die Kleidung ist bequem, in schrillen Farben und bunt wie die Jugend.

Die Abfahrt mit dem Bus ist um neun Uhr, eine Tour entlang der Küste. Jetzt ist es halb neun und der Bus steht noch nicht vor dem Hotel. Der Bus könnte etwas früher kommen, seit halb sechs Uhr ist man wach und um sieben Uhr war man beim Frühstück. Das Frühstücksbüfett war in einem anderen Hotel vor einem Monat üppiger. An einige Ausflüge kann man sich nicht mehr erinnern. Hat man diese Kirche auf dieser Reise gesehen, oder war es auf der Reise vor einem halbem Jahr. Vieles wiederholt sich. 

Dazwischen trifft man die Leute mit dem verträumten Blick, die von ihrer Reise, welche fünf Jahre zurückliegt, schwärmen. Sie erinnern sich an ihre erste Reise vor dreißig Jahren. Für sie ist das Reisen etwas besonderes, nicht Alltägliches. Manche erfüllen sich einen Traum und machen immer an denselben Orten Urlaub. Sie dringen immer tiefer in die Seele der vertrauten Landschaft ein. Sie horchen auf den Klang der  Landschaft, sie passen ihren Lebensklang dem  Klang der Landschaft  an. Sie suchen kein  mechanisches Wissen über den Ort, kein geschichtliches Wissen, um damit die Einheimischen zu belehren. Sie behalten ihre Empfindungen für sich, sie suchen einen Ort für die Erholung ihrer Seele und ihres Körper. 

Im Reisefieber.  

8 Gedanken zu „REISE:blick

  1. Unlängst erinnerte ich mich, daß ich zweimal in Palermo gewesen war. 11 Jahre nach dem 1. Besuch schaute ich bei einer bestimmten Kirche vorbei, an deren Vorplatz ich mich so lebhaft erinnert hatte.
    Von dem 2ten Besuch dort ist dann merkwürdigerweise kaum was hängen geblieben. Dagegen strahlt die erste Erinnerung immer noch hell.

    Ich bin wie Du der Meinung, daß es keinen Sinn (mehr) macht, bienenfleisig Reiseeindrücke zu sammeln. Sie gehn eh in der Summe verloren…

  2. Hallo Gerhard!

    Auch die Stimmung oder mit wem man einen Ort besucht entscheidet darüber ob die Eindrücke bleiben. Oft erfüllt ein zweiter Besuch die Erwartungen nicht, oder man kommt immer wieder. Palmanova.
    Gruss schlagloch.

  3. Hallo Petros!
    Ist Kreta die „zweite Heimat“ ?, zählt nicht zu den Reisezielen.
    Gruss schlagloch.

  4. Eine Wieder-holung ist wohl nur dann eine Bereicherung und Vertiefung, wenn schon bei der Erstbegegnung ein Schatz gehoben wurde.

    Ich hab schon öfter einen besonderen Ort wiederum aufgesucht und bin dann immer dem alten Schatz wieder begegnet.
    Ich bewahre Reiseschätze behutsam auf – und es sind nicht wenige.

  5. Hallo Weichensteller!

    Besondere Orte und Augenblicke beim Verreisen sind wertvolle Hilfen im Alltag.

    Gruss schlagloch.

  6. Hallo Schlagloch,
    die Beschreibung ist wirklich zutreffend. Du schaust und hörst wohl immer ziemlich genau hin, wie mir scheint.
    Ich fahre gerne an den selben Ort, wenn ich mich dort wohlfühle, wie zum Beispiel an die Nordsee. Das ist dann Erholung. Dort suche ich Ruhe.
    Ich fahre aber auch gerne in neue Gegenden. Ein solcher Urlaub dient dann der Abwechslung, befriedigt mein Interesse an Neuem.
    Liebe Grüße 🙂

  7. Hallo Schlafmütze!

    Wir brauchen beides, Orte zum Erholen und Orte um Neues kennenzulernen.

    Gruss schlagloch.

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