TAUB:stumm

Es ist erstaunlich welche Kräfte ältere Menschen mobilisieren, wenn sie noch in einer Wohnung oder in einem Haus wohnen. Wo es darum geht, für einen anderen zu sorgen oder dem anderen behilflich zu sein. Meistens befindet sich ein Partner im besserem gesundheitlichem Zustand und bemüht sich dem anderem das Leben zu erleichtern. Das beginnt damit, dass er sich um Ordnung und Sauberkeit in der Wohnung kümmert oder für den anderen die Besorgungen erledigt. Glück ist, wenn man im fortgeschrittenen Alter noch fähig ist für zwei Personen zu kochen. Die Unterhaltung soll nicht zu kurz kommen. Gemeinsame Busausflüge sorgen für neue Reize und die Erlebnisse kann man miteinander teilen. 

Schnell altern lässt einen Senior, wenn sein Partner stirbt, plötzlich verliert der Alltag seinen Sinn. Der Grund für das Handeln ist abhanden gekommen. Man denkt darüber nach, ob es für eine Person notwendig ist alles in Schuss zu halten. Man vernachlässigt seine Gesundheit, seine Wohnung, oftmals auch sein Äußeres. Man beginnt an allem zu sparen, an der Heizung, an der Kleidung und beim Essen. Oft verliert man den Kontakt zur Umwelt, zur Gesellschaft.

Es dauert nicht lang, bis man von den Kindern oder der Verwandtschaft aufgefordert wird, die Wohnung aufzugeben und in ein Altersheim zu ziehen. Hier wird man versorgt und verwaltet, mit der eigenen Selbstständigkeit ist es vorbei. Hier treffen sich die Kinder, die Verwandtschaft zu den Festtagen und es stellt sich die Frage, wer verwaltet den Senior. Es kommt zu einem Streit um das Fürsorgerecht. Die Kräfte  entfalten sich nicht in der Fürsorge für den Senior, die Kräfte bündeln sich in der  Verwaltung des Senior. Dies bedeutet die Verwaltung des zu erwartenden Erbe. Der Fernseher läuft, der Senior sagt kein Wort, er fragt nichts. Keiner weiß, hört er noch, sieht er noch oder nicht. Die Bilder laufen weiter. 

Im Tonstudio.

4 Gedanken zu „TAUB:stumm

  1. Hallo Schlagloch!
    Eine sehr anrührende Geschichte, die wohl jeden Tag da draußen vielfach passiert. So möchte „ich“ nicht enden,….denke ich bei mir.
    Es hat sich viel verändert, auch in der Beziehung Frau -Mann. Die Partner waren früher noch so aneinander gekettet, orientierten sich nur am Anderen, konzentrierten sich nur auf Famielie und Partnerschft. Wenn wir, oder unsere Kinder mal alt sind, denke ich, sieht das auch ein wenig anders aus, weil sich unser Bewußtsein, was „das“ betrifft, geändert hat.
    Ich mache nicht mehr alles an meinem Partner fest, konzentriere mich mehr auf mich selbst. Und manchmal denke ich,….wenn es mal so weit ist,….hat man dann auch noch die „Wahl“….
    Liebe Grüße
    Grye Owl

  2. Ein jeder glaubt, ihm passiere das mal nicht…
    Ich frage mich auch, wenn das Leben dann so endet, ob ein reiches Leben , so es eines war, durch diese letzte Phase entwertet wird. Das wäre das Schlimmste, wenn selbst der Ertrag fruchtbarer Jahre nicht mehr spürbar wäre…

  3. Hallo Schlagloch,
    Es ist schon traurig, aber ja, manchmal ist es so. Es gibt jedoch auch echte Fürsorge, die nicht nur auf das Erbe schielt, wo der Mensch noch zählt. Allerdings seltener in einem Altenheim.
    Ich glaube niemand mag dran denken, wie es später mal mit einem selber ist.
    So hoffe ich sehr, das wir zusammen alt werden dürfen.
    Alleinsein ist schrecklich.
    Liebe Grüße 🙂

  4. @Gerhard
    Ich hoffe, dass sich die guten Jahre genauso im Gedächtnis einprägen, wie die Schlechten.

    @Grye Owl
    Nicht selbst entscheiden können wäre schlimm.

    @schlafmütze
    In der Zukunft sind alle Möglichkeiten.

    Gruss schlagloch.

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