SEELEN:universum

In Österreich wurde ein Mann verurteil der mit einer Axt einen fünffachen Mord begangen hat. Mit der Axt hat er seine Frau, die Tochter, seine Eltern und den Schwiegervater erschlagen. Die Familie lebte im Nobelbezirk Wien- Hitzing in einer hellen Wohnung mit 3200 Büchern in der Bibliothek. Besonders beschäftigt hat er sich mit der Geisteswelt von Arthur Schopenhauer und seinem Werk „Jammertal“, „wo der Tod das bessere Leben sei“. Mit dem Satz vom Philosophen E. M. Cioran, „Es ist besser überhaupt nicht geboren worden zu sein“,  hat er seine Tat verteidigt. Die Sprengkraft der Philosophie zündet nicht bei dem der sie schreibt, sondern bei dem der sie liest.

 

Ist dieser Mann ein Irrläufer, ein Ausrutscher der Gesellschaft oder Verdrängen wir die Abgründe der menschlichen Seele und halten an einem positiven Menschenbild fest. Wie sonst können wir zur Tagesordnung übergehen, wenn täglich tausende Menschen durch Krieg, durch Vertreibung, durch Hunger sterben.

 

„Der Schriftsteller als solcher befindet sich in einem Zustand der Todsünde.“ E.M.C.

 

     

 

3 Gedanken zu „SEELEN:universum

  1. Hallo Schlagloch!
    Über Ähnliches schrieb ich schon zu dem Film „Antonias Welt“.
    „Antonias“ guter Freund hatte auch zu viel Nietzsche und Schopenhauer gelesen, sodass er die Welt nicht mehr ertragen konnte und sich aufhing. Na zum Glück hatte der keine Familie.
    Ich habe schon immer gedacht, dass es nicht gut sein kann diese alten Männer zu lesen. Man sieht, was dabei herauskommt. Da sage ich gefährliche Bücher dazu. Aber das sind ja „Klassiker“,..hochgehalten, hochgelobt…ect…

    Wir können es nur ändern, was da draußen so alles geschiet, indem wir, gesammelt, es NICHT mitmachen.
    Stell Dir vor, es ist Krieg,….und keiner geht hin.
    Viele liebe Grüße und ein schönes Wochenende wünsche ich Dir.
    Grey Owl

  2. Hallo Grey Owl!

    Die „alten Männer“ haben die Menschen in der Erkenntniss auch ein Stück vorwärtsbewegt. Manchmal geht es in die falsche Richtung.

    Gruss schlagloch.

  3. Der Topos „Nie geboren zu sein, ist der Wünsche größter, und wenn du lebst, ist der andere, schnell wieder dahin zu gehen, woher du kamst.“ findet sich schon in “Ödipus auf Kolonos” (Vers 1225) des antiken griechischen Tragödiendichters Sophokles (496-406 vor Christus). Diese “Sprengkraft der Philosophie”, mit der man alles und das Gegenteil begründen kann, gab es also schon lange vor Schopenhauer und vor Misanthropen wie E. M. Cioran oder den Existentialisten des 20. Jahrhunderts. Am besten hat Camus solches “Philosophieren” auf den Punkt gebracht: “Es gibt nur ein wirklich ernstes philosophisches Problem: den Selbstmord.” Wenn Cioran von Schriftstellerei als “Todsünde” spricht, bewegt er sich in katholischer, nicht philosophischer Terminologie.

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