SPEK:takel

Die Sommersaison fördert in den Bezirksstädten, in den Gemeinden, die Event Kultur. Waren es eine Zeit lang Brauchtumsveranstaltungen, Vorführungen der Gesangvereine und der Blaskapellen, so ist heute vieles moderner. Dazu gekommen sind Gauklerfest, Autocorso, Jazztage und Theateraufführungen. Am beliebtesten sind die kulinarischen Feste, es gibt sie in jeder Region in Kärnten. Die Aufzählung erfolgt ansatzweise: Es gibt das Backhendlfest, das Gulaschfest, das Polentafest, das Rindfleischfest und das Spektakel, das Speckfest. Hier können die Bauern ihren Speck bekannt machen und direkt verkaufen.

Diesem Fest schließen sich die Gastronomie und die ortsansässigen Händler an, es gibt ein richtiges Spektakel. Abgerundet wird das Fest durch ein Kinderprogramm und Livemusik. Am meisten Zuspruch finden die Aussteller, wo es etwas zum Trinken und Essen gibt. Das hält Leib und Seele zusammen und fördert die Kontakte unter den Besuchern. Die Aktivitäten der Händler sind nur Beiwerk. Wer interessiert sich von den Spektakelbesuchern für Acrylbilder, Lesebrillen, Badehosen oder Bücher?

Diesem Spektakel kann sich der örtliche Schriftsteller nicht entziehen und er entschließt sich zu einem Besuch, dabei trifft er den ortsansässigen Buchhändler. Vor einigen Tagen konnte der Schriftsteller den Buchhändler dazu bewegen, dass er einige seiner Bücher auf Lager legt. Das Misstrauen des ortsansässigen Buchhändlers gegenüber dem örtlichen Schriftsteller ist biologisch gewachsen. Der Schriftsteller hat wenig zur Verklärung und Behübschung der engeren Heimat beigetragen, er hat vielmehr Heimatliches infrage gestellt. Heimeliges in Unheimliches umgeschrieben. Im Schaufenster der Buchhandlung findet man prachtvolle Bildbände, die die Schönheit des Tales preisen und würdigen. Solche Bücher sind eine klare kaufmännische Angelegenheit, diese lassen sich gut verkaufen. Schwieriger ist es Bücher zu verkaufen, die an der Schönheit und Intaktheit des Tales zweifeln.

Ohne Wenn und Aber. 

 

5 Gedanken zu „SPEK:takel

  1. Mahner und Zweifler sind nie gern gesehen, weil sie die Wahrheit schonungslos offenbaren, die Viele für sich verklären. Das ist unbequem und lästig und wird deshalb nicht so gern gekauft, wie schöne Hochglanzbilder einer vermeintlich intakten Umgebung.

    Wie gut, dass es Menschen gibt, die richtig hinschauen und sich trauen !

    Respektvolle Grüße 🙂
    Mo

  2. Lieber Franz,

    besser allein und von wenigen gelesen, dafür geschätzt
    als ein blinder, honigumsmaulschmierender Oportunist.
    ….wenn man nicht davon leben muss…..
    liebe Grüße
    elisabeth

  3. Hallo Schlagloch!
    Du weißt, ich war und bin auch schon immer für Erhlichkeit.
    Wird die Schönheit der Landschaft gepriesen, ist das natürlich auch gut und richtig, woran die Menschen aber wenig Anteil haben, eher im Gegenteil.
    Und da sollte man sich eben auch einer anderen, etwas unangenehmeren Seite nicht verschließen, nicht alles so verklärt sehen.
    Wir wissen es doch alle,….wer der Wahrheit sagt macht sich meißt unbeliebt…..kann ich nur bestätigen….
    Liebe Grüße
    Grey Owl

  4. Hallo!

    Danke für die Kommentare und die Ermutigung, für Alle die kritisch mit sich und der Umgebung umgehen.

    „Hochglanzbroschüren“ gibt es in den Wahlkampfzeiten genug, und jeder Wähler zahlt mit.

    Gruss schlagloch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.