WERTE:skala

Unsere Alltagssituationen sind durch verschiedene Rangordnungen geregelt. Wie sich diese Hierarchie bemerkbar macht, ist ganz unterschiedlich. Es gibt kaum einen Lebensabschnitt, wo es nicht eine Struktur gibt. Es fängt in der Familie an, mit Vater, Mutter und Kindern. Wächst man mit  mehreren Geschwistern auf, sind die Regeln klar, der ältere Bruder oder die ältere Schwester hat das Sagen. In der Schule, während der Berufsausbildung und im Arbeitsalltag setzt sich das fort.

Intensiv gespürt habe ich die Auswirkungen der Rangordnung während meiner Internatszeit. Dort besuchten circa fünfhundert Schüler das Gymnasium. Die  Schulartikeln und auch Toilettensachen, wie Seife oder Zahnpasta, konnten wir abends in einem Shop von etwa 25 Quadratmetern kaufen. Geöffnet war er an Wochentagen in der Zeit von 19.30 Uhr bis 20.00 Uhr. Es war die Zeit zwischen Abendessen und der nächsten Studierstunde, der letzten am Tag. Als Zögling der Unterstufe ging ich schon eine Viertelstunde vor dem Aufsperren zum Laden, um in der Warteschlange vorne zu stehen. Der Shop war ein größeres Zimmer, mit einem Verkaufspult  quer durch den Raum und dahinter Regale mit den Schulartikeln. Um halb acht öffnete der Hausmeister, der auch als Verkäufer fungierte, die Tür zum Laden und alles stürmte hinein. Diejenigen, welche vorne einen Platz erkämpften hatten Glück, sie wurden als erste bedient. Der Nachteil war, man wurde von den Nachdrängenden fast erdrückt. Es verging keine Viertelstunde, dann kamen die Schüler der Oberstufe in die Kantine und wurden über unsere Köpfe hinweg bedient. Bei diesen Verhältnissen war es keine Seltenheit, dass ich mich für den Einkauf von einem Bleistift und zwei Heften dreimal vor der Kantine anstellen musste.

Heute glaubt man, dass die Hierarchie im Alltag an Bedeutung verliert. Im Speisesaal des Bildungshauses St. Georgen kann man sich vom Gegenteil selbst ein Bild machen.  Hinter dem Buffet  hängen an der Wand drei Bilder in absteigender Reihenfolge.  Das erste Bild zeigt Kardinal Ratzinger bei seinem Urlaub im Jahre 1990 in St. Georgen. Das Nächste zeigt Kardinal Ratzinger als Papst Benedikt den XVI. und das dritte Bild, das Unterste, zeigt den Bischof von Kärnten, Alois Schwarz.

Alle Brüder sind gleich.

11 Gedanken zu „WERTE:skala

  1. In Graz wurde 1728, um einem „Kaiser“
    zu huldigen, eine Oper aufgeführt. Die
    Aufführung soll fünf Stunden gedauert haben.
    Zu dieser uneinholbar schnellfüßig
    scheinenden Miniatur über das
    Obrigkeitsdenken in Kärnten und der
    Steiermark führe ich das an. 8 Jahre
    später entstand in Graz die erste feste
    Spielstätte für die Oper. Aber: wie
    bewerten Sie Johann Joseph Fux, der
    von der oststeirischen Thermenlandgrenze
    stammt, wo ich den Namen „Posch“ noch
    für den Ersten Weltkrieg auf den
    Gefallenen- und Vermißtenlisten lese.
    Der „Gradus ad Parnassum“
    steht nun neben dem Bett des berühmten
    Poeten von Carl Spitzweg. Wir erhielten
    heuer – oder voriges Jahr? – einen
    Spitzweg-Kalender als Geschenk aus
    Jena.
    Siegfried P. Posch

  2. Hallo Schlagloch!
    Bei Männern ( und deren Bünden) gab es doch schon immer Hirarchien. Die Frauen haben sich das in den letzten tausend Jahren nur abgeschaut und angepaßt….lach…….vorher, war das wohl nicht so. Aber was wissen wir schon. Die Damen und Herren Archäologen sind da nicht klüger. Sie wissen auch nur so viel, was sie im Moment ausbuddeln und aus dem Zeigeist heraus interpretieren…..was nicht oft genug gar nicht stimmt.
    (Mit sowas komme ich auch nicht gut klar…..muss ich sagen. Der Herr Chef ist für mich genauso ein Mensch wie der Bettler an der Ecke. Das Herz zählt!)
    Liebe Grüße
    Grey Owl

  3. Hallo GreyOwl!

    Die Archäologie war lange Zeit eine Domäne der Männer, da wird man die „Spitzenleistungen“ automatisch den Männern zugeordnet haben. Die Hirachie funktioniert bis zum Aufhängen von Bildern.

    Gruss schlagloch.

  4. Mein Bruder wäre also durch mich, da
    ich der ältere bin, traumatisiert. Frauen
    würden nicht zählen. Strikte
    Patrilinearität mit Primogenitur.
    Wenn ich das auf das Gebiet mit
    gehäufter Frequenz des Namens
    „Posch“ zumindest seit 1660 der
    Keuschen- und Einliegerwirtschaft
    östlich der oststeirischen Thermenlandgrenze
    zwischen St. Marein bei Graz und St.
    Veit am Vogau projiziere, habe ich
    dann für „lange Zeit“, fast für die
    Weltgeschichte überhaupt, einen
    einwandfreien, den präzisesten Begriff
    von „katholisch“ – bis 1950?
    Wirtschaftsbasis hiefür wären das Huhn,
    das Schwein und, auch für den
    Einlieger, der Hase! Was ich aber für
    eine falsche Ideologie halte, wenngleich
    sie äußerste Aufmerksamkeit verdient:
    daß das 2. Vatikanum dem schlechthin
    Bösen Eingang in die Kirche verschafft
    haben soll.
    Siegfried P. Posch

  5. Grüss Gott Schlagloch,

    die verstörendsten Auswüchse der Hirarchie habe ich als Putzfrau im Krankenhaus (OP) erlebt. Diese Zustände haben nicht nur die ganz unten sondern auch die in der Mitte und weiter oben beschädigt.
    Für mich ist jeder Mensch gleich frei geboren – egal welche Hautfarbe,
    egal welcher Stand.
    Seit einiger Zeit fällt mir auf, dass auch im Netz gleiche Augenhöhe weniger gefragt ist. Fast so wie im richtigen Leben.

    Liebe Grüsse//Erika

  6. Hallo Erika!

    Auch im Netz ist es so, dass sich jeder versucht zu profilieren. Netzexperte gegen Netzexperten. Dabei wäre das Web eine Möglichkeit gewesen für einen sozialen Neuanfang.

    Gruss schlagloch.

  7. Herr S. P. Posch!

    Das Katholische hat sich am Land, bei den Keuschlern, mit einem Schwein, fünf Hühnern und einem Hasen am Besten verbreitet.

    Gruss schlagloch.

  8. Hallo, Schlagloch!

    Weltende: ich erlaube mir aber, auch noch
    zu fragen, warum zum Lied „Herr, ich bin
    Dein Eigentum“ mit der Zeile „Gib auch,
    daß ich wachend sei, Herr, an Deinem Tage“
    auf

    http://www.mkv.at/service/gaudeamus.php?nummer=032

    die Angabe „Innsbruck“ fehlt. Nicht im GOTTESLOB
    (österreichisches Schulbuch).
    Bonjour!
    S. P. Posch

  9. Eine Rangordnung ist wichtig. Diese Rangordnung muss aber auch begründet sein und es muss ein Nahverhältnis bestehen. Die Kinder müssen sich den Eltern unterordnen und der Arbeitnehmer seinem Arbeitgeber. Bei einer Kantine, in einem Geschäft oder bei fremden Menschen existiert keine allgemeine Rangordnung. Nach altem Denkschema waren zum Beispiel ein einfacher Bürger automatisch einem anderen mit höherem sozialem Status unterstellt. Dies ist laut meiner Ansicht verwerflich. Ohne Nahverhältnis gibt es keine allgemein gültige Rangordnung. Ein Mensch mit hohem sozialen Status muss einem armen Bettler genau so mit Achtung und Würde entgegentreten und umgekehrt. Der Großgrundbesitzer mus sich an der Kasse im Supermakrt genau so hinten anstellen wie die einfache Hausfrau.

  10. Grüss Gott Schlagloch,

    # Dabei wäre das Web eine Möglichkeit gewesen für einen sozialen Neuanfang.#

    Genau so ist es und mich schmerzt das ein wenig.

    Was Andreas Kersche schreibt, sagt mir auch sehr zu.

    Liebe Grüsse//Erika

  11. „Katholisch“ – „katholisch“ ist doch ein Leben,
    das alles Leid im immer gegenwärtigen
    Gedanken an ein Jenseits ertragen soll. Es
    gibt kein Heil in dieser Welt. Dafür sollen wir
    aber im Jenseits unseren Lohn erhalten und
    erwarten. Chiliasmus, die Überzeugung, daß
    die Wiederkunft Jesu in einer bestehenden Welt
    erfolge, gilt für „das Katholische“ als
    sektiererisch. Jetzt scheint diese Haltung den
    Vorteil zu haben, daß ich mich in dieser Welt
    um ein Jüngstes Gericht nicht wirklich zu kümmern
    brauche. Denn h i e r soll es sicher niemals
    beginnen. Wer kann überhaupt den Gedanken
    an ein Jüngstes Gericht ertragen? Welchen
    Grund gäbe es denn, daß ein Jüngstes Gericht
    nicht m i c h auf ewig verdammen sollte?
    Deshalb:
    Mir erscheint es als die vielleicht größte
    Barmherzigkeit Jesu, daß er uns im
    Matthäusevangelium die Angst vor dem Jüngsten
    Gericht, bei genauer Lektüre, erspart. Zugleich wissen wir aber, daß Jesus
    bei Matthäus, 5,22, auch sagt:

    „Ich aber sage euch: Jeder, der …
    zu seinem Bruder sagt: ‚Du Dummkopf!‘,
    soll dem Hohen Rat verfallen sein. Und
    wer sagt: ‚Du Narr!‘, der soll der
    Feuerhölle verfallen sein.“

    Siegfried P. Posch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.