PAPIER:müll

Von traditionsreichen Firmen, die über Jahrhunderte Bestand haben, kennen wir in Museen die handschriftlich geführten Journale und Geschäftsbücher, wo genaue Aufzeichnungen geführt wurden: Was wem, wann, verkauft wurde und wie bezahlt wurde, ebenso was von wem, wann, eingekauft wurde. Strenger gehandhabt wurden diese Aufzeichnungen bei den  Geldverleiher. In der Schifffahrt wurde in den Bordbüchern jede Fracht und alle Vorkommnisse vermerkt. Irgendwann muss jemand dafür Verständnis aufgebracht haben, dass Geschäftsunterlagen, die Finanzbuchhaltung nicht für immer aufgehoben werden muss. Hätte es damals schon die sieben Jahresfrist gegeben, wären diese Aufzeichnungen nicht mehr vorhanden.  

Dieses Jahr können die Buchhaltungsunterlagen aus dem Jahre 2002 in die Papiermülltonne gegeben werden. Dabei sieht man, dass manche Firma nicht mehr existiert oder das man keinen geschäftlichen Kontakt mehr hat. Solche Veränderungen passieren schon in sieben Jahren, wie vieles wird sich in siebzig Jahren ändern? Hinter diesen Papieren versteckt sich viel Arbeit: Bestellungen, Lieferungen, Auspacken und Einräumen. Viele Verkaufsgespräche mit den Kunden. Jetzt kommt alles in den Müll, auch die Erinnerungen.

Insiderwissen.  

5 Gedanken zu „PAPIER:müll

  1. Auch mit den zurückliegenden Generationen verhält es sich ähnlich: Von den Urgroßeltern weiß ich absolut nichts. Dennoch müssen sie existiert haben!
    Doch wie haben sie gelebt, was waren sie für Menschen, was hat ihr Leben ausgemacht?
    Wie Sprengsel ist in der ganzen Familie ein „Kunstgen“ weitergegeben worden: Ich habs, einer meiner Cousins auch, der Bruder meines Vaters, der als Kichenmaler im Krieg gefallen ist sowie seine Mutter, die Sängerin war, aber dann einen schlichten Bundesbahnbeamten ehelichte. Von wem hat meine Großmutter (die ich nie kennelernte) ihre künstlerische Begabung (die ja einzigartig in der dörflichen Gegend war)? Alles im Dunklen.

    Gruß
    Gerhard

    Zumindest in meinen Genen sind sie verteten. Aber ein Versuch, hier etwas über meine…

  2. Sorry für den Rest – ich hatte meinen Text nicht mehr überarbeitet.

  3. Hallo Gerhard!

    Gibt es noch Bilder von den malenden Vorfahren? Manchmal können sich Begabungen in späteren Generationen erst richtig durchsetzen, aber auch verschwinden.

    Gruss schlagloch.

  4. Bilder von dem im Krieg gefallenen Bruder meines Vaters gibt es nicht mehr – wohin die geraten sind, keiner weiß es.

  5. Kapitalismus und Sittenverfall, Verantwortungslo-
    sigkeit:
    War ein Urchristentum nicht kommunistisch?
    Müßten wir dazu nicht wirklich endlich ernsthaft
    Jean Calvin (Calvinus) befragen?
    Aber vor Calvin noch den geschmähten – „windi-
    gen“? – Johannes Hausschein (wir zitieren als
    Mitarbeiter der „Wikipedia“)

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