DANIEL:teil1

Der spaziergang jeden sonntagvormittag mit dem taglöhner daniel vom dorfbrunnen  zur mülldeponie und zurück ist für mich eine zeremonie wie es vorher der besuch der sonntagsmesse war. Seit jenem sonntag als der taglöhner und ich nicht den weg zur kirche sondern den weg zur müllablagerung wählten müssen wir auf  unseren spaziergängen entgegenkommmenden kirchgängern ausweichen. Bei unseren spaziergängen schweigen wir. Es ist für ihn meine, für mich seine art und weise des gehens die jeden ansatz eines gespräches zwischen uns zerstört. Unsere verständigung beschränkt sich auf gesten. Die bis in den nachmittag dauernden spaziergänge sind für mich, der ich des gehens ungewohnt bin sehr anstrengend. Am müllablagerungsplatz verständigen wir uns durch das hinzeigen auf die verschiedensten abfälle ohne worte. Begriffe wie verwahrlosung, kreuzigung oder kopfleiden lassen sich auf diese art und weise gut zum ausdruck bringen. 

Auf dem müllplatz kann man an der art speiseabfälle die jahreszeiten frühling, sommer, herbst und winter erkennen. Daniel arbeitet auf dem müllplatz und hat die fähigkeit entwickelt aus den küchenabfällen die mahlzeiten der vornehmen familien des dorfes aufzuzählen. Das maßlose essen ist für daniel eine ersatzbefriedigung und eine förderung des niederen triebes im menschen. Es führt dazu, dass die wartezimmer der ärzte überfüllt sind. Die betten in den krankenhäusern sind von erwachsenen belegt, welche sich den wohlstandsbauch entfernen lassen. Für manche erwachsene ist dieser krankenhausaufenthalt eine jährliche selbstverständlichkeit, wie der jährliche urlaub an einem der verschmutzten meeresstrände. Von ihm gering geachtet werden jene, welche durch die  hilfe ihres wohlstandsbauches in der gemeinde zu ansehen und gut bezahlten posten gekommen sind. Das vermehrte aufkommen von müll steht in zusammenhang mit der hoffnungslosigkeit welche in der bevölkerung herrscht. Daniel arbeitet an einer studie über speisemüll, von ihm kurz müllologie genannt. Er konnte eine wechselbeziehung zwischen mißerfolg im beruf, ungestillten bedürfnissen und vermehrten speisemüllabfällen beobachten. Er selbst lebt mit einem minimum an bedürfnissen.

5 Gedanken zu „DANIEL:teil1

  1. Grüss Gott Schlagloch,

    „Bei unseren spaziergängen schweigen wir. Es ist für ihn meine, für mich seine art und weise des gehens die jeden ansatz eines gespräches zwischen uns zerstört. Unsere verständigung beschränkt sich auf gesten.“

    Das kenn ich auch sehr gut.

    Liebe Grüsse//Erika

  2. In all´diese „Verlegenheiten des Wohlstandes“ komme ich gar nicht erst. Ich bin recht froh, dass hier noch etwas auf dem Tisch steht und weiß es zu schätzen, denke aber auch gleichzeitig oft darüber nach,….“was“ esse ich da eigentlich und wie krank macht es mich,….was ist heute überhaupt noch gesund. Oder sollte man langsam dazu übergehen, den „Gesundheitsbegriff“ anders, neu zu deffinieren***? Oder gilt für jeden eine andere Deffinition?***Wer weiß…
    Liebe Grüße
    Grey Owl

  3. Wenn ich es so lese ist es wirklich absurd.
    So nüchtern betrachten wir das Leben selten
    weil wir oft sehr involviert sind.
    Aber dahinter steckt ein viel größerer Hunger
    der weder durch fressen noch durch andere Ersatzbefriedigungen
    gestillt werden kann.

    liebe Grüße
    elisabeth

  4. Hallo Elisabeth!

    Das Schwierigste ist der Blick auf das Leben, weil das ist ein Blick auf uns selbst. Ob der „wahre Hunger“ wirklich gestillt werden kann?

    Gruss schlagloch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.