urban:III

Urban muss seine Schlussfolgerungen unterbrechen, ihn ihm entsteht das Bedürfnis, die Tageszeitung anzusehen.  Da ist wieder die Angst, durch diese Ablenkung seine Erinnerungen zu verlieren, deshalb blättert er nicht in der Tageszeitung und sieht nicht zum Fenster hinaus. Er richtet seinen blick nach Innen. Den Blick seiner Augen lässt er in das Zimmer zurückgleiten, dabei verfängt er sich auf dem Bildschirm seines Fernsehapparates. Darin sieht er sich jetzt selbst. Urban betrachtet dies als eine Möglichkeit, sich näher zu kommen. Auf dem Bildschirm, wo er ansonsten andere, ihm fremde Dinge miterleben konnte, kann er sich selbst beobachten und stellt fest, dass er sich fremd ist, wie ihm auch anderes  im Fernsehen fremd war. Obwohl Urban diesen Gedanken verdrängen möchte, denkt er daran, in Zukunft anstatt den Fernseher einzuschalten und das Fernsehprogramm anzusehen, sich selbst im Bildschirm beobachten zu können. Vielleicht läge für ihn darin eine Möglichkeit, seiner Person näher zukommen. 

Eine für ihn neue Variante seiner Wahrnehmung beim Spaziergang war der Hase. Auf dem etwas erhöhtem, asphaltierten Weg entlang des Staudammes sah er während des Gehen einen Hasen. Es war für ihn unmöglich daran zu glauben, dass es ein lebender Hase war, weil er von den Erzählungen der Spaziergänger wusste, dass durch den Bau einer Pipeline  und den Bau einer Autobahn der gesamte Hasenbestand aus diesem Gebiet vertrieben worden war. Dieses Vorwissen veranlasste Urban, seinen  Erinnerungen an den Hasen zu misstrauen. Nach dem friedlichen, aber unwahren Bild des Hasen taucht aus dem Bewusstsein der Erinnerungen ein grelles Bild auf, die Schreie des jungen Mädchens auf dem Gepäcksträger des einsitzigen Mopeds. Waren es die Schreie der in einem Nachbarort von ihrem Vater geschändeten Mädchen, die durch dieses Mädchen in die Öffentlichkeit gelangten? Woran erkennt man geschändete Mädchen? War das Sitzen auf dem Gepäcksträger eines einsitzigen Mopeds ein Zeichen von Schande? Die Schreie bringt Urban in Zusammenhang mit den Schlaglöchern in der Schotterstrasse, welche in den letzten Tage vom Regen ausgewaschen worden waren.

 In Urban sind plötzlich Gedanken an das Bundesheer, Erinnerungen an größere Märsche. Diesen Vergleich findet er absonderlich.  Ein Marsch beim Bundesheer hat keine Ähnlichkeit mit einem Spaziergang. Urban bricht diese Erinnerungen ab. Dies ist ein Aufstand  seiner eigenen Gedanken, der sich gegen ihn richtet.

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