FEHLER:frei

Bei den  Vorschul- und Volksschulkindern wird versucht, ihnen mit Druck beizubringen, wie man ordentlich bei Tisch sitzt und isst. Beim Frühstück darauf zu achten, wann ein Familienmitglied das Marmeladeglas oder ein Stück Weißbrot braucht. War es unaufmerksam und hat dies übersehen, so muss es sich dafür zumindest entschuldigen. Das Kind soll lernen Haltung und Geduld zu bewahren. Haltung zu zeigen gehört zu den Goldtugenden, wichtig für das spätere Leben. Es wird verlangt, von seinen inneren Gefühlen nichts zu verraten, egal in welcher misslichen Lage man sich befindet. Das bedeutet bei einem Sturz, der noch so weh tut, jede Träne zu unterdrücken. Verreist die beste Freundin für Jahre, soll es äußerlich den Anschein haben, als gehört dies zu den Alltäglichkeiten. Das Ziel  ist der fehlerfreie Mensch. Noch ist nicht genau definiert ab welchem Stadium die Vollkommenheit beginnt. Oft sind gerade die fehlerfreien Menschen unausstehlich und das Zusammenleben wird zur Qual. Verlangt nicht ein Bibelwort von uns: „Das wir Vollkommen sein sollen wie der Vater im Himmel vollkommen ist. Wer nicht vollkommen ist, wird nicht in das Himmelreich eingehen.“

Viele unserer täglichen Gebrauchsgegenstände sind weniger fehlerhaft  als der Mensch. Bezieht  man die Möglichkeit in Betracht, dass der Mensch krank werden kann und am Ende stirbt, dann erscheint ein Auto, eine Hobelmaschine oder ein Radio um vieles weniger störanfällig. In Amerika entwickelt man einen Roboter der nicht so sein soll wie der Mensch, sondern besser als der Mensch. So, wie wir es gerne wären. Dabei gibt es einen Vergleich mit dem menschlichen Alltag, weil viele Eltern bemühen sich, dass die Kinder mehr erreichen, als sie selbst erreicht haben. 

Messer und Gabel.

5 Gedanken zu „FEHLER:frei

  1. Grüss Gott Schlagloch,

    heute hast du mal wieder einen Text zu dem ich meine etwas beitragen zu können. Der perfekte Mensch = Roboter. Ich halte das nicht für erstrebenswert und lasse meinen Emotionen freien Lauf, sofern niemand zu Schaden kommt. Schreien, Weinen – manchmal auch vor Freude, schimpfen – einfach LEBENDIG sein – wer sollte das den Menschen austreiben können?
    Dass Kinder den Umgang bei Tisch erlernen müssen ist richtig. Das tun sie aber durch das VORLEBEN der Eltern, also durch imitieren. Mit Druck geht da gar nichts. Das sollten die Pädagogen eigentlich wissen!

    Liebe Grüsse aus dem allgäuer Altweibersommer//Erika

  2. „Vollkommenheit“ – sprechen wir überhaupt irgendwo
    noch in höherem Maß von „Vollkommenheit“ als in der
    Kunst:

    Der Österreichische Rundfunk – Ö 1 – bringt vor weniger
    als einer Stunde in den Morgennachrichten zwei Meldungen:
    1. über die Frage, eigentlich, wie weit – fotographische?
    – Reproduktionen von Bildern für die Kunst nicht eine
    Notwendigkeit der Präsentation von Originalen aus dem Be-
    wußtsein schwinden läßt,
    2. über eine Ausstellung von Bildern CLAUDE MONETS (1840
    – 1926) in Wien.
    Ich habe zu der ersten Frage mit Bezug auf Originale
    1. des – Grazer? – Malers FRANZ GOGGER (1882 -1973)
    2. der – Grazer? – Malerin ELISABETH HEINZEL (1917 – 2008)
    3. des – Grazer? – Malers CONSTANTIN DAMIANOS (1869 –
    1953)
    und Reproduktionen
    4. des – donauschwäbischen? – Malers STEFAN JÄGER (1877 –
    1962)
    aber die vielleicht entscheidende Frage zu stellen: in
    welchem Jahr u.Z. und warum genau wird die Gefahr einer
    Trübung des Bewußtseins durch fotographische Repro-
    duktionen von Bildern, in F a r b e , bedrohlich?

  3. Hallo Erika!

    Wie sich die Robotermenschen einmal emotional ausdrücken werden, weiß ich auch nicht. Wenn die Emotionen versiegen, auch wenn sie manchmal weh tun, ist man eigentlich schon „gestorben“.

    Gruss schlagloch.

  4. Diese Kinder, die du beschreibst, gab es bei uns vor drei oder vier Jahrzehnten – wir selbst waren es. Die heutigen Kinder sagen: Hab heute keine Lust. Will das haben. Jetzt sofort. Und Eltern, Tanten und Lehrer haben sich danach zu richten. Trotzdem sind diese nichtdisziplinierten Kinder keine Spur glücklicher als diejenigen, von denen bestimmte Verhaltensregeln einzuhalten erwartet wurde.
    Die Kinder in den armen arabischen oder afrikanischen Ländern habe ich noch viel freier und undisziplinierter aufwachsen sehen, während in China eiserne Disziplin herrscht.

  5. Hallo Weichensteller!

    Es ist von Familie zu Familie, von Bundesland zu Bundesland verschieden, wieviel Disziplin von den Kindern verlangt wird. Obige Abläufe gibt es auch noch heute.

    Gruss schlagloch.

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