WOHN:zimmer

Die „grosse Stubn“, wie das Elternschlafzimmer genannt wurde, war ein „Mehrzweckraum“. Es wurde je nach Bedarf zusätzlich für verschiedene Zwecke benützt. In einer Ecke stand ein großer Kachelofen, der von der „Labn“ beheizt wurde. Auf zwei Seiten hatte er eine Holzbank und in den Öffnungen konnte man Äpfel braten. Der Ofen wurde im Winter  an den Wochenenden, vor allem in der Weihnachtszeit eingeheizt. Der Christbaum wurde in der Stubn aufgestellt.  So saßen wir an den Feiertagen rund um den Kachelofen, hörten Radio oder lasen ein Buch, ich die „Hochreiter Kinder“.  Der Vater las zu den Feiertagen aus dem Reimmichlkalender vor, der als Weihnachtsgeschenk unter dem Christbaum lag. So wurde das Elternschlafzimmer zu den Festtagen, wie Weihnachten und Ostern, zum Wohnzimmer.

Das Jahr über diente es auch als Wirtschaftsraum. Da war der „Speisekasten,“  darin wurde Mehl, Teigwaren, Kaffe, Butter und Käse aufbewahrt,  sowie verschiedene Geräte zum Wursten. Dazu kam ein Kleiderkasten, mit zwei Schubladen, in denen sich alle wichtigen Dokumente des Haushaltes befanden. Die Geburtsurkunden, der Grundbuchauszug, die Zeugnisse, die Rechnungen vom Lagerhaus und die Stromstreifen, sowie das Bargeld. In einer Ecke stand die Zentrifuge, mit der man den Rahm von der Milch trennte und der Butterkübel. Beide Geräte musste man  händisch bedienen. In einer anderen Ecke stand ein Tisch mit einer Eckbank, wo die Mutter die Wäsche bügelte. Zeitweise hingen von der Decke die Hauswürstel oder an den Feiertagen eine Stange Tirolerwurst.

Eines der Zimmerfenster war immer nur „angelehnt“, damit die Eltern nachts hören konnten, sollte sich im Viehstall etwas Unvorhergesehenes ereignen. Das Pferd meldete dies, indem es anfing mit den Hufen zu scharren und zu wiehern. So wussten die Eltern sofort, wenn eine Kuh zu kalben begann, die meisten Kälber wurden nachts geboren. Die Fenster waren sehr klein und mit Eisenstäben vergittert. Im Heustadel lag der Hofhund „Wächter“ und bellte, wenn sich jemand dem Haus oder dem Stall näherte.

Der Wächter. 

Allen Lerserinnen und Leser, allen Freunden des Blog “Schlagloch” ein ruhiges, erholsames und erhellendes Weihnachtsfest.

Charly & Undine. Eine Weihnachtsgeschichte.

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