HÖRIG:keit II

In meinem Geburtsort gab es in einer kleinen Ortschaft eine Schneiderei, der „Avemichlschneider“, er arbeitete allein in seiner Werkstatt. Er war von kleiner und zarter Statur, gerade so, wie die Schneider in den Lesebüchern dargestellt werden. Bevor ich in ein Internat kam nahm der Schneidermeister an mir Maß und fertigte für mich einen Kärntneranzug an. An zwei Sonntagen musste ich zur Anprobe vorbeikommen. Diesen Anzug trug ich im Internat zu allen festlichen Anlässen. In den Ferien wurde der Anzug in die Schneiderei gebracht, um ihn an mein Wachstum anzupassen. In der vierten Klasse passte schon vieles nicht mehr, die Ärmel und die Hosenröhren waren zu kurz, ich hatte sogenannte „Hochwasserhosen“. Der Rock war mir zu eng, ich konnte ihn nicht mehr zuknöpfen. Im Sommer war dies kein Problem, aber im Winter war es bitterkalt und es sah unordentlich aus.

Der Sohn erlernte den Beruf beim Vater und erweiterte die Schneiderei um eine Fertigungshalle für Hemden. Darin beschäftigte er etwa fünfzig Mitarbeiter, hauptsächlich Frauen. Er produzierte für verschiedene Versandhäuser Modehemden und -blusen. Die Modehäuser drückten, trotz gestiegener Lohn- und Materialkosten, jedes Jahr den Preis für die Hemden und Blusen. Er erhöhte den Druck auf die Arbeiterinnen und versuchte durch eine straffere Produktion die Rabattforderungen aufzufangen, bis er in den Konkurs schlitterte. Gegen die Konkurrenz aus dem fernen Osten, nachdem man vorher in Spanien produzieren ließ, wäre er so und so chancenlos gewesen.

Handgenäht.

Ein Gedanke zu „HÖRIG:keit II

  1. Jesu Apostel Paulus, der römische Erbbürger, warnt
    trotzdem vor einem Eisen verarbeitenden Handwerker.
    Hier vor der Eingangstür sah ich vor etwa drei
    Stunden in einem Metallkorb, den ein Eisen verarbei-
    tender Rechtsträger für das Zustellen von Werbung
    für die hiesige Mietskaserne (mehr als fünfzig
    Wohnungen) Verfügung stellt, eine Einladung zu
    „Bürgerversammlungen“ deponiert, ein „OFFIZIELLES
    MEDIUM DER STADT GRAZ“ spräche sie aus.
    Nicht lädt die „Stadt Graz“ in Räumlichkeiten eines
    Rechtsträgers ein, welcher eine Druckschrift auf der
    Türschwelle der hiesigen Wohnung hinterläßt.
    Trotzdem schiene jener Rechtsträger zur Stunde
    die einzige Adresse zu sein, die ich dem „Impressum“
    des „Mediums“ zu entnehmen vermag.
    Aber, habe ich zu fragen: welches Ereignis des
    zweiten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts u.Z. erklärt,
    daß Jesu Apostel vor einem E i s e n verarbeitenden
    Handwerker zu warnen hat?

    [„11:36“: Zeit des Bildschirms und meines Handys]

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