WÖCHNERIN:heim

Der Besuch der Christmette liegt ein paar Tage zurück, doch ist mir der Ablauf noch gegenwärtig, weil er mich berührt hat. Bei der Mette, in der Kapelle in Warmbad, hatte der Pfarrer vergessen die elektrischen Kerzen am Christbaum einzuschalten, aus Absicht oder aus Unachtsamkeit? So wurden wir Messbesucher durch nichts abgelenkt auf das Wesentliche, die Geburt Christi, hingeführt. Das Grundlegende konnte nicht im Kerzenschein und schöner Stimmung untergehen. Der Pfarrer hat uns alles weggenommen, was wir in unserer Gesellschaft um das Weihnachtsfest errichtet haben. Er ließ uns nackt vor die Krippe treten, ohne Weihnachtsdekoration. In der Predigt sagte er: „Christus ist genauso wie wir nackt auf die Welt gekommen. In jedem Neugeborenen wird Gott Mensch, findet die Menschwerdung Gottes statt. Jeder Mensch ist eine Wiederholung von Christi Geburt.“ In der Predigt, welche der Abt in dem Film „Von Menschen und Göttern“ am Christtag vor seinen Mönchen hält, finden sich ähnliche Gedanken.

Heute finden die meisten Geburten im Krankenhaus, in Ausnahmefällen zu Hause statt. In den fünfziger Jahren hatte die Hebamme Sulzenbacher in einem Wohnblock des Heraklithwerkes eine „Etage“ gemietet und dort eine Wöchnerinnenstation betrieben. In dieser Zeit wurden die meisten Ferndorfer dort geboren, auch meine Geschwister und ich. Die Mutter ist, wenn die Wehen einsetzten, von Politzen zu Fuß nach Ferndorf gegangen. Nach der Geburt meines jüngsten Bruders haben wir Geschwister mit dem Vater die Mutter besucht. Beim Besuch hat uns die Mutter ihre Banane und Schokolade, welche sie zu den Mahlzeiten bekommen hat, gegeben. Als die Mutter das Wochenbett verlassen konnte hat man einen Nachbarn, der damals schon einen VW Käfer fuhr gebeten, die Mutter und meinen Bruder heimzufahren. Aus dem Tagebuch, 27.12.2010.

Alles Wiederholung.

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