TRÖDEL:markt III

Plötzlich sind die Stimmen der Trödelmarktbesucher weit weg, ich stehe vor einem Verkaufsstand  mit Bildern, Holzschnitten, kolorierten Zeichnungen, verblassten Aquarellen  und Heiligenbildern. Ich weiß nicht genau, sehe ich das Bild hier am Trödelmarkt oder sehe ich es vor meinem geistigen Auge, wie es im Schlafzimmer der Eltern über dem Ehebett gehängt ist. Ein Bub und ein Mädchen, mit einem Korb voller Blumen in einer Hand, gehen über eine desolate Holzbrücke, darunter fließt der schäumende Wildbach. Über den Kindern, die sich an den Händen  halten, schwebt ein Schutzengel mit ausgebreiteten Flügeln in einem weißen Kleid. Er hat lange goldgelbe Haare, einen  Glorienschein und hält  eine Hand schützend über die Kinder. Den Hintergrund bilden einige Bäume und ein Wolkenhimmel.

Vor so einem Bild bin ich abends  am Holzboden gekniet und habe mit gefalteten Kinderhänden das Abendgebet gesprochen:

„Heiliger Schutzengel mein,

lass mich dir empfohlen sein.

In allen Nöten steh mir bei

und halte mich von Sünden frei.

Auch in dieser Nacht,

halte bei mir treue Wacht.

Amen.“

Mit meiner kleinen  Faust hat mir die Mutter das Kreuzzeichen auf die Stirn, den Mund und die Brust gemacht und mich in ihr Bett gelegt, auf einen Strohsack und mit dem Gulda zugedeckt.

3 Gedanken zu „TRÖDEL:markt III

  1. Grüss Gott Schlagloch,

    heute bin ich seit langem wieder mal bei dir vorbei gekommen
    und lasse dir einen Gruss da.
    Bin nur noch selten im Netz….

    Liebe Grüsse//Erika

  2. Hallo Schlagloch 🙂
    Hier in unserer Gegend hing, glaube ich, in fast allen Wohnstuben der „Röhrende Hirsch“ über dem Sofa. 🙂
    In katholischen Haushalten hing im Schlafzimmer „die heilige Familie“ in irgendeiner Form oder ein Bildnis von „Maria“ mit und ohne Heiligenschein im Hintergrund, über dem Bett.
    Solche religiösen Bilder verschwinden langsam alle. Diese etwas „kitschige“ Frömmigkeit entspricht nicht mehr dem heutigen Zeitgeist. Die Zeiten ändern sich eben.
    Jetzt hängen stattdessen Kunstdrucke an den Wänden. Nur im ländlichen Raum finden sich noch Kreuze im Haushalt.
    Mir geht es oft auch so, wie dir, wenn ich über den Flohmarkt (ein Hobby 🙂 ) schlendere. Zurück in die Vergangenheit 😉
    Liebe Grüße 🙂

  3. Hallo Schlafmütze!

    In den meisten Haushalten, Schlaf- und Wohnzimmer, finden sich diese Heiligenbilder nicht mehr. Manchesmal gibt es im Wohnzimmer noch einen „Hergottswinkel“, wo solche Bilder in kleinerem Format „überlebt“ haben.

    Gruss schlagloch.

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