PARA:dies II

Eine der Ambitionen die wir Österreicher haben, wenn wir nicht mehr ganz jung sind, ist die Aussicht auf die Pension. Es ist noch nicht lange her, da hat man sich vor der Auswahl des Arbeitsplatzes darüber Gedanken gemacht, nach wie vielen Jahren kann ich bei diesem Job und bei dieser Firma in Pension gehen. Auch nach dem Kriterium wie sicher ist der Arbeitsplatz. Bei staatlichen Unternehmen hat man ab dem ersten Arbeitstag gewusst, an welchen Tag man in Pension gehen kann. Trotz des geringeren Anfangsgehalts im öffentlichen Bereich, hat man sich gerade wegen dieser Pensionsaussichten um eine Anstellung beworben.

Steuert man auf die Pension zu dann hört man schon Jahre vorher von Freunden, dass man sich darauf freuen soll. Es wird vorgeschwärmt was man alles machen kann. Im engsten Familienkreis wird davon gesprochen, dass sich vieles bessern wird, wenn der Tag der Pension da ist. Selbst denkt man auch daran, dass man seinen Leidenschaften und seinen Hobbys nachgehen kann, die im Arbeitsalltag zu kurz gekommen sind.

Im Vorfeld werden die Schwierigkeiten der Umstellungsphase, von der Berufswelt in die Pensionswelt, unterschätzt.  Es kann sich auch nach Monaten das Pensionsparadies nicht einstellen. Es ist niemand in der Nähe der sagt: „Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein“,  im irdischen Paradies. Dabei werden Dinge, die sich angenehm von der Berufsphase unterscheiden, übersehen: Die tägliche Verpflichtung zur Arbeit, die Forderungen der Kunden und des Arbeitgeber voll zu erfüllen.

Die Altersweisheit und die Dankbarkeit an den Schöpfer lassen auf sich warten. Ohne Arbeitsleistung wird eine wertbeständige Pension ausbezahlt.

 Paradiesverdächtig.

3 Gedanken zu „PARA:dies II

  1. Hallo Schlagloch.
    Ich glaube, je mehr Verantwortung ein Mensch in seinem Beruf hatte, desto schwieriger ist für ihn sein Ausscheiden aus der Arbeitswelt.
    Pension hin oder her – Das Geld ist nicht das Wichtigste. Was fehlt ist wohl das Gefühl gebraucht zu werden, Leistung zeigen zu können.
    Grüßli 🙂

  2. Hallo Schlafmütze!
    Du hast recht geschrieben, erst wenn es einem schlechter geht, weiß man, dass man im Paradies gelebt hat.
    „….das Gefühl gebraucht zu werden“ und dabei noch Freude daran haben, ist wohl der Kern der Sache.

    Gruss schlagloch.

  3. Ich glaube, es gibt auch ein Übermaß an Bescheidenheit: aber es ist nicht leicht zu erkennen. In der „Heiligen Schrift“ – ich habe sie im Augenblick nicht auf Tischen hier aufgeschlagen – ist der Held Gideon, der Israel vor den Israel durch alle Geschlechter bedrohenden Amalekitern rettet, auch im „Neuen Testament“ erwähnt. Gideon wird im „Alten Testament“ als sehr verzagt geschildert: er verlangt ein Zeichen, sein Speiseopfer soll der Engel Gottes selbst ihm auf einem Felsen entzünden – s. „Buch der Richter, 6,17-24“. Ich denke nun seit Tagen darüber nach, daß ein Speiseopfer an einer zweiten Stelle in der Schrift – „2 Könige, 3,20“ – erwähnt ist: auch hier ist Israel in höchster Gefahr, vor dem Schrecken des Königs Mescha von Moab – der Name ist durch die berühmte Mescha-Stele des Louvre-Museums bekannt – scheint sogar der Prophet Elischa machtlos. Das Speiseopfer an dieser zweiten Stelle scheint aber nicht Gewicht wie durch den Rahmen der Verzagtheit Gideons zu haben: trotzdem dachte ich seit Tagen, man sollte nicht vorschnell von einer Zufälligkeit der Parellele ausgehen.

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