ESSAY:lesen

Das wir wieder Weihnachten feiern werden ist in unserem Kulturkreis sicher, auch wenn jedes Jahr über die Hektik in den Einkaufszentren und den Trubel in den Innenstädten geklagt wird. Der Advent ist zu einem Event geworden. Mit  Bussen werden die Menschen aus den Regionen Friaul und Slowenien zum Christkindlmarkt in die Draustadt gefahren. Rund um die Stadtpfarrkirche wandern die Gäste staunend und plaudernd von einem Verkaufsstand zum Nächsten. Hier finden sie Glaskugeln, Nackenrollen, Holzspielzeug, ungarische Spezialitäten, Käse aus der Schweiz und Speck aus Südtirol. Hauspatschen und Schals, sowie kandierte Früchte und vieles mehr. Der Name „Christkindlmarkt“ verweist noch auf die Geburt Christus, des Erlösers hin. Vielerorts werden die Märkte als Advent- oder Weihnachtsmärkte bezeichnet.

Nicht zu kurz kommt die Klage, dass heute das Materielle, das Schenken, im Vordergrund steht und nicht die innere Zuwendung. Vergeblich bemüht man sich die Stille zu finden, sich auf die Geburt des Erlösers vorzubereiten. Die Klagen über die Auswüchse der Weihnachtszeit, den Konsum sind nicht  neu, schon in Erzählungen und Briefen aus dem achtzehnten Jahrhundert wird darüber geklagt. In den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts habe ich einmal kritisch auf die Vorweihnachtszeit geblickt und in der „Volkszeitung“ einen Essay verfasst.

WOHLSTANDSWEIHNACHT oder Weihnachten realistisch betrachtet

Der Text folgt am FREITAG, den 7. Dezember.

 

3 Gedanken zu „ESSAY:lesen

  1. Ich habe den Verdacht, daß der uralte Rauschzustand der Bauern während der Wintersonnenwende, die unserem Weihnachtsfest zugrundeliegt, dazu ausgenützt wird, um eine „Regierung“ Beschlüsse über eine „Ganztagsschule“ fassen zu lassen. Ich las vor weniger als einer Stunde das Interview von Gerald John mit Stefan Hopmann . Ich entnahm dem Interview: mit einer „Ganztagsschule“ will man Ballungsräume von Städten und in diesen eine vorgestellte Gesellschaftsform ohne Familie fördern, man nimmt den Eltern die Kinder weg. Der Bauernhof hört zu bestehen auf, wenn ich den Eltern die Kinder wegnehme. Der Bauernhof war seit der Reformation, die ein Bauernkrieg war, die proletarische Wirtschaftsform, der die Zukunft der Reformation gehörte.

  2. Guten Tag Herr Siegfried Paul Posch.
    Die Frage ist, wie wird der Bauernstand in fünfzig oder in hundert Jahren aussehen? Wird dies noch der Bauernstand sein, wie wir ihn heute kennen oder wie man ihn vor dreißig Jahren gekannt hat. Auf keinen Fall existiert heute der Bauernstand, wie wir ihn aus den Anfängen des 19. Jhdt. kennen.

    Eine gute Schulausbildung spricht nicht gegen den Bauernstand.

    Gruss schlagloch.

  3. Ich hatte dieser Tage über Romano Guardini und Paul Zulehner etwas gesagt und fand, daß Paul Zulehner festhielt, daß Bauern noch immer relativ religiös seien und daher wohl relativ mehr auf Feste achten: für den „14. Dezember“ aber war ich zu einem Fest „Johannes vom Kreuz“ eingeladen. Ich las deshalb im Augenblick in der „Heiligen Schrift“ nach – ich schlug sie in der hiesigen Wohnung auf Tischen auf: Jesu Apostel Paulus schreibt in seinem „BRIEF AN DIE GALATER, 4, 10“, daß wir uns der Freiheit bewußt sein sollen, die uns Jesus gibt, FESTE NICHT ZU FEIERN: „Warum achtet ihr so ängstlich auf Tage, Monate, bestimmte Zeiten und Jahre?“ Trotzdem kann wohl das Erschauern nicht größer sein, wenn wir einmal ernsthaft die Radikalität dieser Stelle zu denken versuchen und dessen gewahr werden, daß von STUNDEN in der Paulusstelle nicht die Rede ist, Jesu zwei Erzählungen von den zum Mahl geladenen Gästen, die – „LUKAS, 14,15-24“, und „MATTHÄUS, 22,1-14“ – nicht erscheinen, aber gewiß nur STUNDEN, sehr wenige, als Raum haben. Ich glaube, wer die Unterschiede der beiden Erzählungen betrachtet, kommt freilich in alle Ewigkeit zu keinem Ende, so groß sind sie: ich erwähne aber im Augenblick nur den einen, daß Jesu Apostel Matthäus von einer zweimaligen vergeblichen Einladung spricht; der Gedanke, für die zweite, an das Zeitalter der REFORMATION, seit 1500, schien mir unwiderlegt.

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