WEICHEN:stellen

Es ist einige Jahrzehnte her, dass bei den Buben der Beruf des Lockführers zu den Traumberufen gezählt hat. Je nach den finanziellen Möglichkeiten der Eltern gab es in den Kinderzimmern Größere oder Kleinere, Batterie- oder Elektrisch betriebene Eisenbahnanlagen. Fast kein Bub ist ohne Eisenbahn aufgewachsen, sie war ein beliebtes Weihnachtsgeschenk. War es eine größere Anlage, der Bub noch  im Vorschulalter, dann hat der Vater die Eisenbahn  zwei oder drei Tage vor dem Heiligen Abend in einem absperrbaren Zimmer, aufgebaut. In meiner Kindheit sollte bei einem Nachbarn die Eisenbahnanlage die Weihnachtsüberraschung für den Sohn sein. Der Vater, der im Heraklithwerk beschäftigt war, baute die Anlage einige Tage vor dem Weihnachtsabend auf. Am Vorabend wurde er auf dem Heimweg von der Nachmittagsschicht, es war bereits dunkel, von einem Auto erfasst und getötet. Damals wurden die Verstorbenen zu Hause aufgebahrt und abends sind die Nachbarn gekommen um für den Verstorbenen zu beten. Wir Kinder haben uns  im Nebenzimmer getroffen, wo wir mit dem Sohn des Verstorbenen mit der Eisenbahn gespielt haben.

Heute haben die Kinder andere Traumberufe, sie spielen mit elektronischen Spielen, am Gameboy und am Laptop. Die Berufswünsche betreffen die Bereiche Netzwerktechnik und Softwareentwicklung.

Da fährt die Eisenbahn drüber.

 

2 Gedanken zu „WEICHEN:stellen

  1. Einen lieben Gruß in den Advent sende ich dir.

    Bei deiner Geschichte habe ich unweigerlich den Vater beim Aufbau der Anlage vor Augen. Wie er sich schon in voraus gefreut haben wird, auf die leuchtenen Augen seines Sohnes. Er hätte gewollt, dass ihr Kinder damit spielt.
    Mein Cousin hatte damals auch eine Eisenbahn. Er war Einzelkind und weil meine Tante früh starb, lebten mein Onkel und er bei Oma. Seine Eisenbahn stand unter Omas Bett, unter seinem stand die Carrera Bahn. Wir durften nie damit spielen.
    Dafür haben wir ihn gehasst, aber da er relativ groß war und ein Jahr älter als mein Bruder, mußten wir „kleine Brötchen“ backen. 😉
    Aus Rache habe ich ihm dafür immer die Poster aus seiner „Bravo“ geklaut. Das sind meine Erinnerungen an elektrischen Eisenbahnen.
    Heute will er da nix mehr von wissen. 🙂 Als ich ihm das mal vor etlichen Jahren erzählt habe, war er ganz überrascht. Er kann sich überhaupt nicht daran erinnern.
    Was ich mir noch einmal irgendwann ansehen werde ist die Anlage in Hamburg in der Speicherstadt.
    http://www.miniatur-wunderland.de/anlage/video/5-minuten-wunderland/
    Liebe Grüße 🙂

  2. Hallo Schlafmütze!

    Unter uns Geschwistern ist es ähnlich. Der Eine erzählt etwas aus der Kindheit, der Andere weiß davon nichts. Schönes Adventwochenende.

    Gruss schlagloch.

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