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Den Aufenthalt in der Therme Warmbad, einem Zeitvertreib für Rentner, benütze ich um über Ereignisse der letzten Monate nachzudenken. Ich habe das Gefühl, dass ich als Pensionist von meinem  Winterspeck, wie es die Murmeltiere und die Bären machen, zehre. Während der Berufszeit habe ich in die Pensionskasse eingezahlt und jetzt hoffe ich, die restlichen Jahre, von der staatlichen Pension leben zu können. Mit dem Eintritt in den Ruhestand fängt ein neuer Lebensabschnitt an. Man zehrt vom Winterspeck, dämmert im Halbschlaf dahin und weiß nicht, ob man aus dem Winterschlaf erwachen wird. Nach dem Aufstehen und dem späten Frühstück sehnt man sich nach unbequemer und harter Arbeit. Es gibt vieles, worunter man sich ein schönes Leben vorstellt: Viel Freiheit, dagegen die fixen Essenszeiten; eine gesicherte Pension, dagegen die Staatsschulden und die Eurokrise. Vor einem Jahr habe ich gehofft, dass ich im Ruhestand glücklicher sein werde. Bei körperlichen Beschwerden geraten andere Probleme in den Hintergrund. Eine nachhaltige und sinnvolle Tätigkeit würde glücklich machen.

Meinen Winterschlaf gestört hat die Nachricht, dass das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia in der Nähe der Insel Giglio einen Felsen gerammt hat. Das Schiff hat Schlagseite und droht zu versinken. Etwa viertausend Passagiere wurden evakuiert, einige Dutzend Menschen werden noch vermisst. Sind sie im Schiff eingeschlossen, ertrunken? Vor einiger Zeit sind wir mit dem Schiff Costa Concordia unter dem selben Kapitän dieselbe Route gefahren, dabei hat alles wunderbar geklappt. Für mich ist es unvorstellbar, dass mit den modernen Navigationsgeräten so ein Unfall möglich ist.  Bei allen technischen Unterstützungen bleibt der Mensch ein Restrisiko.

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