radio:müll

Wer glaubt, dass diese Wortkomposition für eine neue Recyclingidee steht, bei der man aus Recyclingstoffen ein preiswertes Radio erzeugt, dem gestehe ich zu, dass diese Möglichkeit besteht. Es ist bestimmt möglich ein günstiges Radio, einen Universalempfänger für Dritte Weltländer herzustellen, nach dem Vorbild  der PC Branche. Ob dort überhaupt überall eine Infrastruktur für den Rundfunkempfang besteht?  Von Afrika weis man, dass das Festnetztelefon übersprungen wurde und die Afrikaner beim Handy gelandet sind. So dürfte  wohl auch manche Radiotradition übersprungen worden sein.

Beim Wort Radiomüll denke ich an die Frühsendung des Regionalsenders. Frühmorgens bin ich sehr empfindlich für das, was ich zu hören bekomme. Meine Psyche liegt nackt auf dem Frühstückstisch, für Alles und Jeden zugänglich. Während der Nacht hat sich eine Schutzfolie um die Andere von der Seele entfernt, der letzte Schutzfilm wurde durch die Träume aufgelöst. Die Seele hat es, im Schutz der Nacht, nicht notwendig sich mit einer Folie zu schützen. So spaziert sie in der Früh unbekleidet durch die Wohnung und will von keinem Wort und von keiner Unterhaltungsmusik berührt werden. Mit vertrauten Ritualen zieht sie sich eine Schutzfolie für den Tag an. Dieser Prozess ist ähnlich, wie wenn bei einer Wunde  ein neuer Verband angelegt wird.  

Die morgendlichen „Weckersendungen“, wie sie in vielen Haushalten oder die ersten Stunden am Arbeitsplatz gehört werden, sind ein Feuerwerk an Gift, das auf meine Seele abgefeuert wird. Gutelaunegiftpfeile die meine Seele treffen. Der Gutelaunebecher der den Hörern verabreicht wird,  ist für mich ein seelischer Giftbecher. Eine Aufforderung an mich, bei fröhlicher Schlagermusik den Giftbecher zu leeren. Dazu kommen die aktuellen Nachrichten: Die Aufzählung  der Verkehrsunfälle und der Einbrüche, die Toten bei einer Bombenexplosion und Raketenangriff. Jede Viertelstunde werden die Wetteraussichten wiederholt, einmal wird die Seele der Sonne, in der nächsten Viertelstunde dem Schneefall ausgesetzt. Der musikalische Müll ergießt sich über meine ungeschützte Seele.

Gutelaunegiftpfeile.

 

3 Gedanken zu „radio:müll

  1. Ich hörte heute früh auf mit diesem Bildschirm und meinen neuen Kopfhörern die Ouvertüre von Giuseppe Verdis „JEANNE D’ARC“ an, ein Film dazu zeigte Bilder aus Mailand: die Nationen Italien und Frankreich sind einander sehr fremd, und dennoch widmet sich Verdi dem Lob des französischen Mädchens, dem der Engel Michael erscheint, wie der Engel Gabriel im LUKASEVANGELIUM, „1, 11“, der „Heiligen Schrift“ zur Rechten des Rauchopferaltars bevor Jesus im Mutterleib begrüßt wird und wie der Engel Raphael im BUCH TOBIT der „Heiligen Schrift“. Im Augenblick fiel mir dazu ein, daß im 18. Jahrhundert Jean-Jacques Rousseau den Knaben zu erziehen sucht, Pierre Choderlos de Laclos das Mädchen: das 19. Jahrhundert aber ist gewiß überwiegend um die Erziehung des Knaben bemüht und einer Bemühung des 20. Jahrhunderts, für das Mädchen einen Ausgleich zu schaffen, ist im Augenblick der Erfolg wohl noch bedroht – ich publizierte zu dem Thema einen Aufsatz h t t p://w w w.jstor.org/discover/10.2307/27939039?uid=3737528&uid=2129&uid=2134&uid=2&uid=70&uid=4&sid=21102120452071 .

  2. Herr Siegfried Paul Posch,

    der Link funktioniert nicht.

    Gruss schlagloch.

  3. Mein Aufsatz über Mädchenerziehung wurde in Göttingen digitalisiert, ich stelle aber, da der Auszug seit Monaten aus dem Internet immer wieder verschwindet, gerne einen Sonderdruck zu Verfügung: wir stießen auf das Thema vor weniger als einer Stunde nun durch Rembrandts Bild „Anna“, der Name wird in der Literatur auf die Mutter Marias bezogen, über die auch Sigmund Freud einen Aufsatz verfaßte; einerseits. Andrerseits deutet die Literatur das Bild aber als Darstellung der Prophetin Hanna des Lukas-Weihnachtsevangeliums. Ich dachte im Augenblick noch einmal, hier am Beginn des Marien-Monats, am „MAY DAY“, der somit ein Festtag von zwei Frauen wäre: da ist doch eine nicht nebensächliche Entscheidung notwendig. – Dr. Siegfried Paul Posch, Carneri-Gasse 10/E/2, 8010 Graz, Ortsteil Geidorf; ich habe einen „Skype“-Namen, per E-Mail kann aber nicht geantwortet werden, Tel. 0664 913 5616.

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