messe:messen

Mit voller Aufmerksamkeit sitze ich in der Kirchbank der Barockstadt Schärding und suche das  Gesicht des Pfarrers. Die Bewegungen des Mundes und der Augen kann ich wahrnehmen. Das Gesicht, er ist Afrikaner, ist im Halbdunkel der Kirche nicht sichtbar. Beim Vorlesen der Messtexte und erst recht bei der Predigt, ist manches durch die Aussprache unverständlich geblieben. Zudem war das Thema für mich ein unverständliches, weil man vom Tod und der Zeit danach nichts weiß. Man hofft, dass man ohne Schmerzen und quälende Gedanken sterben wird. Man erwartet Momente der Reue und des Bedauern, dass man an den Vorkommnissen der Vergangenheit nichts ändern kann.

Von den neuesten Erkenntnissen der Physik kommt Zuversicht, die Gedanken bewegen sicher schneller als mit Lichtgeschwindigkeit. So kann man Handlungen wieder ausradieren und ungeschehen machen. Sobald eine Tat, sei es eine Gute oder eine Böse, aus dem Gedächtnis gelöscht ist, ist sie auch aus der Wirklichkeit, der Welt entfernt.Bei physikalischen Untersuchungen, wie einem Blutbild oder einer Röntgenaufnahme vom Körper kann man Mängel und Fehler messen und sehen. Bei Sätzen aus der Bibel braucht es einen Interpreten, dass die Augen geöffnet werden. Die guten und schlechten Taten wird uns Gott vor Augen führen und uns sehend machen. Oder ist es unser Gewissen selbst, das Gott ist und über die Guten und die bösen Taten urteilen wird. Ist Gott in unserem Wesen eingebaut, wie ein Wiederherstellungspunkt in einem Laptop. Ein Reparatursystem unserer Taten und Gedanken, wenn einmal etwas ausfällt.

Hört man entspannende Musik, am besten Klassik, dann spürt man wie der Körper reagiert. Die Muskeln im Nackenbereich entspannen sich, der Herzmuskel beruhigt sich, über die Handfläche der rechten Hand einatmen. Bei den Kneippgüssen ist das Wasser, das über die Oberschenkel fließt, einmal warm und dann wieder kalt. Im Moment des Wechselgusses zieht sich die ganze Kopfhaut zusammen. Für einen Moment sind alle Poren der Haut gegen den Wechsel, das ganze Gehirn wird durcheinander gerüttelt, als hätte es einen Stromstoß bekommen. Man weiß nicht, ob sich dieser Sturm im Kopf wieder legt und wie sich die Gedanken wieder ordnen.

Sterbestunde.

 

3 Gedanken zu „messe:messen

  1. Sterbestunde …22.August, mein Geburtstag….
    daran denkt wohl jeder einmal. Jüngere,gesunde Menschen sehen sie in weiter Ferne und verlieren nicht so viele Gedanken darüber. Doch mit dem Alter rückt auch der Tod immer näher. Dieses „Endgültige“ und das „Danach“ worüber man so gar nichts weiß.
    Je weniger man von etwas weiß, desto mehr Raum hat die Fantasie.
    Der Schlaf ist der kleline Bruder vom Tod.
    Der Traum, die bildhafte Verarbeitung der Tageserlebnisse, Gedanken und prophetischen Eingebungen.
    Wenn ich mich abends „todmüde“ ins Bett lege, ist der Schlaf eine wilkommene Erlösung – oder nur ein tieferes Ausruhen? Regenerieren?
    Zum Thema messe – messen, auch nicht Messbares ist wirklich. Wirk lich ist , was wirkt.
    Das Wesentliche ist unsichtbar. Z.B. Liebe – sie kann sich in Taten ausdrücken, sichtbar machen, muss aber nicht. Abstraktes braucht einen Ausdruck, damit wir uns ein Bild machen können. Die Seele braucht einen Körper um Taten zu setzen.
    Grüße von Jeremia.

  2. Hallo Jeremia!

    Wie hast du diesen Eintrag gefunden? Er liegt schon ein Jahr zurück und im Netz sind ein Jahr wie hundert Jahre.
    Wahrscheinlich haben wir Alle, wenn wir an die Sterbestunde denken, ein wenig Trost nötig. Viele haben ihre eigenen Vorstellungen. Möglicherweise ist der Tod ein Geburtsvorgang in eine „andere Welt“, die wir heute noch nicht kennen.
    Zu mir hat jemand, als ich in die Rente ging, gesagt: „Jetzt wartet nur noch der Sarg auf dich“.
    Ich hoffe, es gibt für mich auch noch „etwas dazwischen“.

    Gruss schlagloch.

  3. Hallo Schlagloch,

    ich habe in vielen, noch weiter zurück liegenden Einträgen geblättert um dich und deine Interessen besser kennen zu lernen. Dieser hat mich besonders angesprochen, deshalb habe ich mich getraut, meine Meinung dazu zu schreiben.
    Wie wirklich unsere Welt ist, sehen wir an denTräumen. Wenn wir erwachen, sind die Erinnerungen daran meistens erloschen und wir sind wieder in einer anderen Wirklichkeit. Welche ist die Richtige??
    LG. Jeremia

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