welt:wunder

Unter dem Begriff „Wunderwelt“ kann man sich als Erwachsener wenig vorstellen und will sich auch nicht auf unerklärliche Phänomene einlassen. Die meisten bevorzugen die Realität, sprechen über die Aufgaben im Alltag.  Gerne lässt man sich für einen Abend bei einem Altstadtfest, wo Gaukler und Schausteller aus allen Ländern Europas ihre Kunststücke  darbieten, verzaubern. Zu so einem Fest gehören Jongleure, die mit  immer mehr Ringen und in immer schnellerem Tempo jonglieren. Bei Eintritt der Dämmerung begeistern die Feuerschlucker und locken immer mehr Zuseher an.  Sie sitzen in einem Halbkreis am Boden und werden aufgefordert mehr Abstand zu halten. Für den Feuerschlucker wird es brenzlig, wenn die eine und andere Flamme zu nahe an den Körper kommt. In diese wundersame Stimmung taucht man als Realist gerne für eine Weile ein.  Auch für den Besuch einer Zirkusveranstaltung gönnt man sich ein paar Stunden Auszeit. Zu den magischen Welten zählen die Vorführungen der Shaolinmönche mit ihren gestählten Körpern. Andere magische Räume, wie Märchen und Sagen, überlässt man den Kindern.

Auf Personen, die wirklichkeitsfremd sind, sieht man gerne von oben herab. Sie nennt man  Träumer und im schlimmsten Fall Spinner. Dabei wird oft übersehen wie viel Kreativität in solchen Menschen steckt. Kreativität verlangt, dass man etwas von der Wirklichkeit verleugnet,  Teile der Realität ausklammert. Bei vielen Poeten, Musiker,  Maler und Philosophen fehlt es oft am Bezug zur Wirklichkeit,  zu den sogenannten praktischen Dingen im Leben. Im günstigsten Fall wird dies vom Partner, der Partnerin ausgeglichen. Bei einem Vortrag im Rahmen des Carinthischen Sommers war es dem Philosophen Peter Sloterdijk,  nachdem eine Glühbirne im Saal explodiert war, nicht möglich seinen Vortrag weiterzuführen. Nach dem Vorfall hat er den Vortrag abgebrochen.

Kleine Hindernisse bei den alltäglichen Aufgaben  können  eine Störung im kreativen Prozess auslösen. Auch Wissenschaftler, wie Botaniker, Biologen oder Astronomen ziehen es vor, von der Wirklichkeit abgeschirmt zu werden. Sie erforschen die realen Dinge der Welt, die Pflanzen, die Tiere und die Planeten. Oftmals sind ihre Erkenntnisse so erstaunlich, dass sie zum Reich der Wunder  gezählt werden.

Eine  andere  Art von Wunderwelt ist für mich der Zustand der Pension. Ich bin aus dem Arbeitsleben ausgeschieden,  muss keiner geregelten Arbeit nachgehen und kann die Zeit genießen. Ohne Arbeit habe ich ein finanziell gesichertes  Auskommen. Dabei fühle ich  mich in dieser  Wunderwelt manches Mal unwohl und sehne mich nach  der Realität der Arbeitswelt zurück.

Wunderkammer .

 

2 Gedanken zu „welt:wunder

  1. Hallo Schlagloch 🙂
    Du hast das gut formuliert mit der Kreativität und dem Bezug zur Wirklichkeit, der Künstlern usw. fehlt.
    Es fällt auf, dass oftmals geniale Menschen unterschiedlicher Richtungen Drogen nehmen, Suizid begehen, Psychisch erkranken, schwierige Partnerbeziehungen führen, ihren Platz in unserer „Normalität“ nicht wirklich finden. Als könnten sie damit nichts anfangen.
    Sie sind nicht geerdet.

    Ich glaube sofort, dass du dich erst an den Zustand des süßen Nichtstuns gewöhnen mußt. 🙂 Aber nachdem, was ich bisher hier gelesen habe, kann man das eher als Unruhestand bezeichnen, weil du noch einige Projekte im Kopf hast.
    Wenns dir zuuu langweilig wird, kannst du uns gerne in Norddeutschland besuchen kommen und etwas im Garten* arbeiten 😉
    Grüßli 🙂

    Gummistiefel mitbringen !

    * = Wildnis http://de.wikipedia.org/wiki/Wildnis

  2. Hallo Schlafmütze,

    sind die Fotos auf der Wikipedia Seite Aufnahmen von Eurem Garten, einschließlich des Armurtigers, dann wäre es echt spannend?

    Würden die Kreativen in der Gesellschaft fehlen, dann wäre der Alltag noch „varuckter“.

    Gruss schlagloch.

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