aus:bürger ll

Man gesteht heute jedem ein Burnout zu, ihn dieses nichtssagende, schönfärbende Wort haben sich viele geflüchtet. Depressiv klingt abstoßend und ekelerregend. Gerade wenn man sagt, sie liegt in der Psychiatrie. Beim Krankenbesuch bleibt man zurückhaltend, man hält das Burnout  für ansteckender als eine Grippeinfektion.  Am besten umgeht man dies, wenn man in der Neurologie aufgenommen wird. Dort kann man davon ausgehen, dass es mit einer organischen Erkrankung zusammenhängt. Eine Einweisung in die Psychiatrie erscheint als großes Manko. Der Hausarzt verschreibt einem ein Schlafmittel oder ein Beruhigungsmittel gegen Herzbeschwerden oder bei Reizdarm. Alles ist besser als ein Besuch bei einer Psychologin oder Psychotherapeuten.

In der Konsumgesellschaft gibt es kaum noch Werte, alles ist austauschbar geworden. Auf Ebay kann man  alles kaufen und verkaufen, Emotionen, Glück, Zufriedenheit. Die Zeit des Anstands liegt Jahrzehnte zurück, hinter dem sich auch viel verborgen hat. Wo der menschliche Wert, mit dem Besitztum gestiegen ist. Man gab sich lustig und fidel, dass Erbe der Väter und der Großväter wurde hochgehalten. Man will ebenso erfolgreich sein und im Ort seinen Status verteidigen, zur gesellschaftlichen Oberschicht dazugehören. Im Ort gehört einem ein Hotel, der Hotelbetrieb im Ort. Suchte ein ranghoher Politiker oder ein Medienjournalist eine Unterkunft im Ort, so  gehörte das Hotel zur ersten Adresse. Der Zeitgeist fand sich im Hotel wieder, der Besuch der Hotelbar  bildete den Abschluss nach einem Konzert, einer Festveranstaltung oder einer Ausschusssitzung. Das Warnsignal hat man missachtet, den äußeren Glanz auf Kredit am Glänzen erhalten. Die Bank hat ihre Jahreshauptversammlung  im  Speisesaal des Hotels abgehalten und ihren Kredit fällig gestellt.

Im Polizeibericht ist zu lesen, dass am frühen Morgen des 26.8. in der Nähe der Waldsiedlung ein Spaziergänger mit seinem Hund den Hotelier vom Ort tot aufgefunden hat. Neben ihm die Tatwaffe, sein Jagdgewehr, Fremdverschulden ausgeschlossen. Über  die Theke wird ein Partezettel gereicht.

Das rote Herz.

2 Gedanken zu „aus:bürger ll

  1. Hallo Schlagloch,
    Burnout und De pressiv – ausgebrannt und unfähig sich noch auszudrücken.
    Ich meine, es ist ein Ausdruck unserer Zeit, von zu hohem Druck auf immer mehr Menschen. Oder hat es Druck auf Menschen (Kirche und Bürger im Mittelalter) nicht schon immer gegeben?
    Ein Hilfeschrei, den man heute, Gott sei Dank, ernst nimmt und behandelt, sodass es nicht zum Äußersten kommen muss.
    Die Psychiatrie ist eine Krankenstation, genauso wie die Chirurgie oder Onkologie eines Krankenhauses. In den USA ist das schon längst selbstverständlich.

    Der Mensch wird zuerst einmal an seinem Äußeren und dazu gehört auch der Besitz, eingestuft. Erst beim Näheren Kennenlernen kommen die inneren Werte zum Vorschein. Manchmal gibt es keine Gelegenheit für den Zweiten Blick und so entstehen die Vorurteile, die schon so manchem den Todesstoß vesetzt hat.
    LG. Jeremia

  2. Hallo Jeremia!

    Druck ist auf den einzelnen Menschen von verschiedenen „System“ schon immer ausgeübt worden, ansonsten funktioniert kein System. Vor allem gibt es in einem System keinen Zuständigen und Verantwortlichen, die sich deklarieren, somit kann man sich als Einzelner auch schlecht dagegen wehren.

    In ländlichen Gebieten denkt man schon in der Kategorie, lieber einen Beinbruch als etwas Psychisches.

    Gruss schlagloch.

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