schul:zeit l

In diesem Monat beginnt in vielen EU- Ländern ein neues Schuljahr. Dabei werden in mir fröhliche und zähe Vorkommnisse geweckt. Gerne wird behauptet oder ist dies eine Schutzbehauptung, dass die Schulzeit zu den schönsten Jahren im Leben eines Erwachsenen gehört. Es gibt wohl niemanden, der sich nicht an quälende Schulstunden, besonders in den Hauptfächern Mathematik und Deutsch, bei mir war es Latein, erinnert. Wobei man für jede Abwechslung, welche die Schulstunde verkürzt oder unterbrochen hat, dankbar war. Es gab verschiedene Möglichkeiten, man beschäftigte sich mit etwas anderem, wie belanglose Strichmännchen zu zeichnen und dazu lustige Texte zu erfinden oder, dies war mit gewissen Risiken verbunden eine Karikatur vom Professor zu skizzieren und diese an einen Mitschüler, der vor einem saß, weiterzureichen. Die Schüler in den ersten Bankreihen konnten wenig oder gar nicht vom Unterricht abschweifen, da waren diejenigen, welche  in den mittleren oder hinteren Reihen saßen, besser dran. Bei allen Aktivitäten musste man zwischendurch einen Blick auf den Professor am Lehrerpult werfen um zu sehen, in welche Richtung er gerade schaute. Nebenbei war es leicht möglich, dass man aus der Reihe aufgerufen wurde, um einen  bzw. den nächsten Satz in das Lateinische zu übersetzen. Unser Lateinprofessor war ein Mensch mit einer gutmütigen Art und frisch im Lehramt. Er war frisch verheiratet und hatte sich in Klagenfurt sesshaft gemacht. Ein Mitschüler, mit Talent zum Bildhauer, hat ihm eine Madonna geschnitzt. Dieser lebt heute als freischaffender Künstler in Kärnten.

Der Professor war vor seinem Lehramt als Archäologe in Ägypten und Griechenland beschäftigt. Er war, neben seinem Sprachwissen, in  der lateinischen, griechischen und ägyptischen Geschichte bestens bewandert. Als Schüler hatten wir den Eindruck, dass er bildhafter, weil er vieles aus eigenem Erleben gekannt hat, über römische und griechische Geschichte erzählen konnte, als der Geschichtsprofessor. Zu unseren Tricks, die Lateinstunde zu unterbrechen gehörte es, lasen wir einen lateinischen Text mit geschichtlichem Hintergrund, eine dazu passende geschichtliche Frage zu stellen. Meistens ist er auf die Frage eingegangen und hat zum Erzählen begonnen, dass seine Wangen geglüht haben. Uns war wichtig, dass wir vom Lateinunterricht eine Auszeit hatten. Bis er sich selbst unterbrach und sagte, jetzt müssen wir aber beim Lehrstoff weitermachen. Im dritten Schuljahr wurde es schwieriger, eine Auszeit einzuleiten, er wusste bereits dass wir ihn auf das Glatteis führen wollten.

Schlittschuhfahren

3 Gedanken zu „schul:zeit l

  1. Hallo Franz 🙂
    Unser Musiklehrer war auch so ein Kandidat, wie euer Lateinlehrer. Er war ein begeisterter Jäger und so war es nie schwierig, das (unbeliebte) Singen im Chor durch Jagdgeschichten zu ersetzen 😀
    Als wir im letzten Jahr auf Wangerooge waren, haben wir genau diesen Lehrer dort getroffen. Das war sehr nett. Er hat auch noch ein bissel von der Jagd erzählt *lach*.
    Ich kann nicht sagen, dass die Schulzeit zu meiner schönsten Zeit gehörte.
    Wir hatte Cliquen in der Klasse, die sich für etwas besseres hielten und Jüngere, zu denen ich gehörte, herumkommandierten.
    Grüßli 🙂

  2. Hallo Schlafmütze!

    Auch Lehrer haben ihre „Schwächen“, schon damals. Heute ist es umgekehrt, manche Lehrer fürchten sich vor ihren „aufmüpfigen“ Schülern.

    Die älteren Schüler hatten und haben ihre Vorrechte. Als Erstklassler sind wir beim Einkauf der Schulartikel von den Größeren fast „erdrückt“ worden.

    Gruss schlagloch

  3. Hallo Schlagloch,

    zu quälenden, faden Schulstunden – es ist ein Parade Beispiel von „Die Zeit ist relativ“. Bei Schularbeiten, wo ich noch ein paar Minuten gebraucht hätte, um fertig zu werden, kam die Pausenglockke zu früh.
    Ein „guter Lehrer“ besitzt die Fähigkeit, das Interesse der Schüler für sein Fach zu wecken. Dann vergeht eine Stunde wie im Flug.

    Zu Karikaturen von Professoren und ablenken vom Lehrstoff, fällt mir spontan „Die Feuerzangenbowle“ ein. Ein alter Film mit Heinz Rühmann.
    Das Problem gab es also schon ewig.
    LG. Jeremia

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