paradies:verlust

Heute sind die alten Menschen in Altersheimen untergebracht, in modernen, lichtdurchfluteten und mit Blumenschmuck versehenen Seniorenresidenzen aus Glas, Stahl und Beton. Die Betreuung der alten Menschen in eigenen Heimen zu konzentrieren, bündelt die Betreuung und garantiert eine bessere medizinische  Versorgung. Der andere Grund dafür ist, uns den Blick auf das Alter zu ersparen, weil wir dabei mit der eigenen Vergänglichkeit konfrontiert werden. Dies verweist auch auf unsere Schwierigkeiten mit dem Glauben, wir werden mit unserem Nichtglauben konfrontiert. Bis in die Neuzeit war der christliche Glaube an Himmel und Hölle in Mitteleuropa fest verankert. Damals waren die Plagen des Alltags, die Krankheit, das Siechtum und das Sterben nur eine Übergangsphase in das himmlische Paradies. Im Himmel erwarteten diejenigen, die glaubten und ihre Sünden bereuten, das schönere Leben.

Heute erwartet den aufgeklärten, den industrialisierten und globalvernetzten Menschen nach dem Tod das Nichts. Umso größer ist der Hunger nach dem ästhetischen Bild, nach dem Schönen in der Kunst. Von den Meisten wird die zeitgemäße Kunst, die dem Menschen einen Spiegel vorhält, abgelehnt. Die Bilder von verstörten Menschen auf der Flucht, zerfetzte Leiber vom Bürgerkrieg und zerstörter Umwelt werden als ein flüchtiger Moment in den Fernsehnachrichten akzeptiert, nicht als Gemälde, Fotomontage oder Installation. Wir sind dabei ein käufliches Paradies auf Erden zu schaffen, je mehr wir nach dem Paradies streben, umso weniger paradiesisch wird es in und um uns.

Morgen wirst du mit mir im Paradies sein.

2 Gedanken zu „paradies:verlust

  1. Hallo Schlagloch,

    passend zu Allerheiligen und Allerseelen kommen deine Taggedanken.

    Früher wurden die alten Menschen, in den meist größeren Familien, mehr oder weniger gut gepflegt. Die Kinder waren also täglich mit dem Alterungsprozess der Großeltern konfrontiert. Sie haben sowieso ein unkomplizierteres, angsfreieres Verhältnis zum Tod.
    Wenn die Pflege zu Hause nicht möglich ist, ist die Unterbringung in einer Seniorenresidenz, die heute schon jeglichen Komfort bietet, und auch einiges kostet, eine Entlastung der Angehörigen.

    Also wie ist das mit Himmel und Hölle und mit dem Leben nach dem Tod?

    Der Tod, sagt Sokrates, scheidet die Seele vom Körper. Sein Schüler Plato lehrte, wie Jesus später, die Unsterblichkeit der Seele.
    Ich meine, der Tod ist nur eine Verwandlung einer Lebensform in die andere. So wie wir es auch von der Natur kennen.
    Der Priester verwandelt symbolisch, Wein und Brot in das Blut und den Leib Christi. Er tut dies zu seinem Gedächtnis, wie Jesus es wollte.
    Während das Lebendige stirbt, bringt der Tod neues Leben hervor.
    Wenn ein Mensch stirbt, wird er Geist, er erlebt eine Leuterungszeit (Fegefeuer?) in der er erkennt, was ihm noch zum Heil fehlt. Er inkarniert sich wieder um das noch nicht Gelebte, Erlernte in einem nächsten Leben, wozu er einen Körper braucht, zu schaffen, um nach etlichen Leben auf Erden „Heil“ ist, um im Himmel Nirwana) anzukommen.
    Der Sterbende erlebt den Tod nicht, sowie ein Müder nicht den Übergang in den Schlaf erlebt. Den Traum empfindet er jedoch real, bis er wieder ins vorige Dasein,nach dem Aufwachen, zurück kehrt. Am Morgen kann er sich kaum, an den Traum erinnern, sowie ein Mensch sich nicht an sein voriges Leben erinnert.

    Auch frühere Meister schufen Gemälde, wo Schlachten und Gemetzel zu sehen sind, meist in dunklen Ölfarben gehalten und nicht gerade erfreuen.
    Die Kirche hat vielen mit der Hölle und ihren ewigen Qualen, Angst gemacht. In den Kupeln der Kirchen gibt es Fresken von berühmten Malern, die solche Szenarien zeigen, die durchaus Bewunderung hervorrufen und auch in leuchtenderen Farben dargestellt sind.
    Ob wir uns schon morgen im Paradies treffen oder einmal in einem Caffeehaus???
    LG. Jeremia

  2. Pingback: kommen:tar | Schlagloch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.