fliegen:fänger

Ein Allzweckschädlingsbekämpfungsmittel, so wie heute ein Cif- Allzweckputzmittel eingesetzt wird, war am Bergbauernhof in den sechziger Jahren eine Dose DDT Schädlingsbekämpfungsmittel. Überall  wo sich Insekten zeigten, egal ob Ameisen, Engerlinge und sonstiges, wurde es aufgetragen. Auch die sogenannten Fliegenfänger, der Marke Aeroxon  wurden in dieser Zeit  viel verwendetDiese waren mit einer süßlichen und klebrigen Masse bestrichene Streifen, welche über dem Esstisch, dem Küchentisch und der Kommode vom Plafond baumelten. Diese lockten die Fliegen an, welche daran kleben blieben, es gab für sie kein Entkommen. Sie zappelten und surrten noch eine Zeitlang, dann trat Ruhe ein. Das Mittagessen wurde von diesem Surren begleitet. Im Sommer war die Fliegenplage am größten und einmal im Monat wurden die Fliegen vergast. Alle offenen Lebensmittel wurden abgedeckt, Fenster und Türen abgedichtet und dann die vorbereiteten Räucherkegel angezündet. Für zwei Stunden durfte niemand die Küche betreten. Danach wurde gut durchgelüftet und die toten Fliegen am Küchenboden zusammengekehrt. Für ein bis zwei Wochen war die ärgste Fliegenplage gebannt. Bei diesem lockeren Umgang mit Schädlingsbekämpfungsmittel, heute würde man sagen hochgiftigen Stoffen, ist mir nichts bekannt, dass Gesundheitsschäden aufgetreten sind. Waren die Menschen damals weniger störanfällig?

Die Fliegen gehörten im Sommer am Bauernhof zum Alltag. Sie waren, wie heute es die Wohnungskatze oder der Wellensittich ist, Familienmitglieder. Den Kühen und Pferden setzten die Fliegen, besonders aber die Bremsen, arg zu. Diese saugten sich an der Haut der Tiere fest und pumpten sich voll mit Blut. Gleichzeitig verursachten sie einen Juckreiz, auf den die Tiere mit ihren zur Verfügung stehenden Mitteln reagierten. Zum einen benützen sie die Beine um zuzuschlagen, setzten ihre Hörner ein und wedelten mit dem Schweif in alle Richtungen um die Plagegeister loszuwerden. Von den Bemühungen, die Quälgeister zu vertreiben waren auch wir, die mit den Tieren Umgang hatten, mitbetroffen. Brachten wir mit dem Pferdewagen das Heu oder das Getreide in die Scheune, dann bedurfte es einiger Umsicht, dass Pferd von allen Sträuchern, welche am Wegesrand standen, fernzuhalten. Am liebsten wäre  das Pferd in die Sträucher ausgebüchst, um die Plagegeister abzustreifen. Mit dem eingespannten Heuwagen wäre dies eine Katastrophe gewesen. An den schwülen Sommerabenden passierte es, dass die Kuh beim Melken mit dem Schweif einem eines über den Kopf gab. Treffen wollte sie die Fliegen, die Bremsen und andere Plagegeister auf ihren Flanken. Krasser konnte es zugehen, wenn sie mit einem Hinterbein ausschlug und dabei den Melkeimer traf, der durch die Luft wirbelte.

Das Fliegenpapier.

4 Gedanken zu „fliegen:fänger

  1. naja, Schlagloch, der wiederholte Umgang mit dem Zeugs, das macht es.
    Resident war und ist man nicht dagegen.

    Zu den Blutsaugern: Die sind ja noch harmlos. Es gibt bestimmte Rinder-Insekten, etwa die „große Rinderdasselfliege“, die ihre Eier im Haar der Rinder ablegen. Die ausgeschlüpften Larven bohren sich durch die Haut und leben genüsslich unter der Hautdecke. Irgendwann brechen sie gesammelt hervor.
    Die Rinder wissen um diese mörderische Plage und versuchen Reisaus zu nehmen, natürlich meist ohne Erfolg.

  2. Hallo Gerhard!

    Die Fliegenfänger wurden, vor allem in Gaststuben und -küchen, durch elektrische Systeme abgelöst. Der Moment,wo die Fliege „verbrennt“ bleibt ein bleibendes Geräusch. Fliegenfänger, gibt es diese noch?

    Schönes Osterwochenende, mit und ohne Sturm.

    Gruss schlagloch

  3. Hallo Schlagloch,
    Spuren von DDT, das in unseren Breiten verwendet wurde, hat man vor nicht zu langer Zeit noch in Alaska gefunden. Das super giftige Zeug baut sich kaum ab.
    In Skandinavien, wo sich die warme Jahreszeit auf drei bis vier Monate beschränkt, ist die Mückenplage besonders groß. Wäre es nicht so, hätten wir keine Früchte und Blumen, denn auch diese Plagegeister haben eine Aufgabe in dieser Welt. Jedoch wenn es juckt, denkt keiner daran.
    LG. Jeremia.

  4. Hallo Jeremia!

    Vieles war zuerst ein Fortschritt und die Nebenwirkungen hat man erst Jahre später „erkannt“. Ich glaube dabei hat sich weniges geändert.

    Gruss schlagloch.

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