vorteil:card II

Wer von uns Österreichern hat etwas zu verschenken? Das heimische Fernsehen zeigt TV- Spots, wo ein gut situierter Unternehmer andere darauf aufmerksam macht, man soll die richtigen Angebote nützen. Egal ob es sich dabei um die Handykosten, um Übergepäck beim Fliegen oder um den Versand von einem Paket handelt, niemand hat etwas zu verschenken. Ich weiß nicht, fallen diese TV-Spots  unter das Genre Satire, Komik oder ist es ein Drama, dass wir alle zu Groschenfuchser werden? Streift man durch die Regale eines Supermarktes, dann findet man den erhobenen Daumen, hier sind die speziellen Angebote für Mitglieder. Bei diesen Vorteilen wird man zum Vorteilscardjäger. Die Stammleser einer kleinformatigen Tageszeitung erhalten einen Reiserabatt von bis zu zehn Prozent, im Steirischen Thermenland und auf einer Kroatischen Insel.  Alles ab einem Aufenthalt von drei Tagen, klingt besser als zwei Nächte. Dazu gibt für Vorteilscardclubmitglieder einen Kuschelbademantel während des Aufenthaltes, bei der Ankunft eine Flasche Mineralwasser und eine Obstschüssel auf dem Zimmer. Kerngesund und alles gratis.

Die Generation sechzig plus würde ich als die Vorteilscardgesellschaft bezeichnen. Es ist bekannt, dass diese Personengruppe gerne verreist, soweit es ihre Finanzen erlauben. Dafür bieten die öffentlichen Verkehrsmittel eine Seniorenvorteilscard an. Damit hofft man den öffentlichen Verkehr für diese Personengruppe  attraktiver zu machen. Mir ist es unverständlich, wenn man längere Strecken, wie nach Freiburg, Ulm oder Leipzig nicht mit dem Zug fährt. Selbst für Reisen innerhalb von Österreich, sei es in den äußersten Westen oder Osten ist es bequemer die Eisenbahn statt das Auto zu benützen. Die Zugsverbindungen sind aufeinander abgestimmt und das Platzangebot ist in einem Eisenbahnwaggon um vieles größer als in einem Pkw, sei dieser noch so komfortabel. Auch bei den Fahrzeiten kann eine gute Zugsverbindung wie der Railjet und der ICE mit dem Individualverkehr gut mithalten.Wenn überhaupt, können nur die Beifahrer die Autofahrt genießen. Sie haben die Möglichkeit etwas von der Landschaft einzusaugen, soweit nicht Lärmschutzwände entlang der Autobahn jede Sicht verhindern. Für den Fahrer bleibt nur der starre Blick auf die Fahrbahn und eine nicht enden wollende Konzentration.

Ich ernte oftmals schiefe Blicke,  wenn ich verlaute, für die Fahrt nach Bludenz braucht die Bahn sechs Stunden. Was, so lange Zugfahren! Niemand regt sich darüber auf, wenn die sogenannten Durchraser im besten Fall ebenso lange brauchen. Sie machen höchstens einmal eine Pinkelpause und haben dabei das viel größere Risiko in einen Unfall verwickelt zu werden. Es besteht jederzeit die Möglichkeit das WC zu benützen und nicht erst auf eine Autobahnraststätte zu hoffen. Der Autolenker könnte währenddessen beim Bahnfahren gemütlich die Zeitung lesen, sich mit den Mitreisenden unterhalten oder die Landschaft betrachten. Zur Reiselektüre eignen sich besonders die Taschenbücher. Ich bevorzuge die Reclamhefte wie zuletzt, Was heißt denken? von Martin Heidegger.

Abgesperrt.

2 Gedanken zu „vorteil:card II

  1. Recht hast Du!
    Dennoch war ich erst kürzlich so einer, der unbedingt mit dem Auto nach Köln wollte.
    Unbelehrbar wie ich bin habe ich das so gemacht und …bereut.
    Es ist einfach so, daß man ums Verrecken nicht auf SEIN Auto verzichten möchte. Man hat das Gefühl, man wäre unabhängiger.
    Merkwürdige Denke das!

  2. Hallo Gerhard!

    Wahrscheinlich rechnet man damit, dass man der einzige Autofahrer auf der Autobahn und in der Stadt ist. Dabei „staut“ es sich, je nach Uhrzeit, gerade auf den Autobahnen und in den Großstädten gehörig. Vorbei ist es mit dem schnellen Vorankommen.

    Von wegen Unabhängigkeit, man ist erst recht vom Verkehrsaufkommen abhängig.

    Gruss schlagloch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.