sprech:zimmer I

Nicht immer strahlten die Wartezimmer der Ärzte eine Atmosphäre aus, wo man sich wohl fühlen konnte. Dabei machte es keinen Unterschied, ob es sich um eine Landarztpraxis oder eine Facharztpraxis in der Stadt handelte. Einstmals legte man auf die Ausgestaltung der Wartezimmer keinen besonderen Wert. Die Wände waren beklebt mit verschiedenen Informationen zu Krankheiten und der Aufforderung zu einer Vorsorge Impfung. Zumeist sah man den ausgehängten Plakaten ihr langes Dasein an. Die Sessel zeigten deutliche Spuren, welche die vielen Patienten hinterlassen hatten. In der Innenstadt handelte es sich oft um Räume mit einem Fenster in den verlassenen Innenhof und die Stühle standen am Gang. Beliebt waren dazumal bei den Fachärzten die sogenannten Wartenummern. Schon früh morgens, ab sechs Uhr, suchte man das Wartezimmer des Facharztes auf und zog eine Nummer. Irgendwo stand ein Hinweis, bei welcher Nummer der Arzt am vorherigen Tag mit der Ordination aufgehört hatte. So konnte man sich ein Bild verschaffen, wie lang die Warteschlange vor einem ist.

Mit dem Frühzug fuhr die Mutter mit mir von Politzen nach Villach, um schnurstracks beim Augenarzt auf den Hauptplatz eine Nummer zu ziehen. Danach erledigte die Mutter verschiedene Einkäufe. Vis a vis gab es das Kaufhaus Warmuth, mit seinem breitgefächerten Sortiment, von der Bekleidung bis zu den Haushaltsgeräten. In der Nähe befanden sich der Eisenhof sowie die Samenhandlung Streit. Im Schaufenster der Buchhandlung Pfanzelt am Unteren Kirchenplatz sah ich Bücher, die ich mir wünschte. Vom zu vielem Lesen hat mir die Schulärztin abgeraten, da ich schon als Kind eine Brille brauchte. Die Ursache dafür sah sie im zu vielen Lesen. Am späten Vormittag eilten wir in die Augenarztpraxis, um auf den Aufruf unserer Nummer zu warten.

Der Nächste.

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