reise:gestern II

In einem Sommer arbeitete die Schwester im familiären Hotel Miralago in Pörtschach am Wörthersee. Direkt am Ufer gelegen mit eigenem Badestrand, Bootshaus, Bootssteg und hoteleigenen Ruderbooten.Die Schwester servierte dort morgens das Frühstück und räumte am Vormittag die Zimmer auf. Während ihrer Zimmerstunde saßen wir gemeinsam auf der Hotelterrasse, blickten auf den Wörthersee und genossen unser Eis. Eines der Wenigen während des Sommers. Als Getränk gab es für uns Kinder zumeist Almdudler. Zugleich beobachteten wir die vornehmen Leute am Strand beim Baden, bestaunten die braungebrannten Körper der feinen Damen. Vor einigen Jahren haben wir der Schwester eine Überraschung bereitet und mit ihr nochmals das Hotel Miralgo besucht. Die Außenfassade des Hotels ist unverändert, es führt dieselbe breite Treppe von der Terrasse zum Badestrand. Wie damals vor  fünfzig Jahren. Die Jugendstilvilla hat inzwischen die Besitzer gewechselt, in den Sommermonaten wird weiterhin vermietet. Aus ihrer Zeit als Stubenmädchen gibt es ein Foto mit der damaligen Belegschaft, aufgenommen auf der Stiege. Diese Fotoszene haben wir nachgestellt.

Weder die Eltern noch meine Brüder konnten schwimmen. Als einziger in der Familie lernte ich in Tanzenberg, im internatseigenen Badeteich, schwimmen. Beim selben Professor, bei dem ich während eines Skikurses auf der Flattnitz Schifahren lernte. Nichts desto trotz gingen wir an besonders heißen Samstagnachmittagen mit dem Vater zu Fuß über den Berg, vorbei an Nußdorf und Kleinegg, zum Millstätersee in die Laggerbucht zum Baden. Zuvor wurde die Heuarbeit auf den steilen Wiesen in Politzen erledigt. Im Gebäck unsere schwarzen Klothhosen, die sowohl beim Turnen, beim Fußballspielen und beim Baden getragen wurden. Das Planschen im Millstättersee,  nach einem verschwitzten Arbeitstag in der Landwirtschaft, ersetzte zugleich das Baden in der Badewanne. Ansonsten wurde im Hof eine große Blechwanne mit lauwarmem Wasser gefüllt, dort konnten wir uns den Schmutz und den Staub vom Leibe waschen. Ein Bad oder Dusche im heutigen Sinne gab es zur Jugendzeit auf dem Bauernhof nicht.

031

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.