milch:bauer

Meine Reaktion auf den Bericht Das Vieh und der liebe Bauer : 

„Mit einem gewissen Schmunzeln habe ich von den Forschungsergebnissen der Verhaltensbiologin Stephanie Lürzel gelesen. Seit fünf Jahren widmet sie sich der Wohlergehensforschung, in ihrem Fall der Mensch-Kuh-Beziehung. Ihr bisherigen Ergebnisse sind in Kürze zusammengefasst: Kühe, die gestreichelt werden, wachsen schneller, geben mehr Milch und sind weniger aggressiv.

Dazu meine persönliche Erfahrung. Ich bin auf einem Bauernhof in Politzen, im mittleren Drautal, in den sechziger und siebziger Jahren großgeworden. Die ersten fünfundzwanzig Jahre habe ich in der elterlichen Landwirtschaft, Milchwirtschaft und Viehzucht, mitgearbeitet. Dies, was Frau Lürzel in fünfjähriger Forschungstätigkeit erforscht hat, wurde dort von einer Generation zur Nächsten weitergegeben. Sowohl bei uns, als auch bei den Nachbarn. Es war selbstverständlich, dass man die Kühe, und damals trugen sie noch Hörner, liebevoll behandelt hat. Wann immer man mit den Kühen Kontakt hatte, im Stall beim Füttern und beim Melken, auf der Weide um Nachschau zu halten, sie wurden gestreichelt. Es war Usus, dass wir die Kühe beim Melken vorher mit ihrem Namen angesprochen haben und mehrmals über den Rücken gestreichelt und am Hals gekrault haben. Schon damals im Bewusstsein, dass durch diese Zuwendungen die Kühe lieber und mehr Milch geben. Diese Zuwendung wurde auch beibehalten, als eine elektrische Melkanlage installiert wurde. Die Kälber hatten während der Aufzucht den Status wie der Hofhund.

Ich glaube nicht, dass sich bei den heutigen Bauern die Umgangsweise mit den Kühen geändert hat. Ich würde dem Team der Ved-Med-Uni Wien nahelegen, auch Feldforschung bei Landwirten zu betreiben. Sie könnten dort Ergänzendes, weil Anderes erheben.

Weibelen, gosch, gosch.

2 Gedanken zu „milch:bauer

  1. Es freut mich, dass in Ihrem Umfeld so freundlich mit Kühen umgegangen wird! Es ist auch verständlich, dass Sie davon ausgehen, dass alle Menschen, die mit Kühen zu tun haben, das so handhaben, da Sie es ja glücklicherweise nicht anders kennen.
    Die von Ihnen angeregte Feldforschung wurde allerdings bereits vor zwei Jahrzehnten von meinen Kolleginnen und Kollegen durchgeführt. Dabei stellte sich leider heraus, dass ein guter Umgang mit ihren Tieren längst nicht für alle Landwirte bzw. Melker selbstverständlich ist; manche Personen haben beim Melken nicht ein einziges Mal eine Kuh gestreichelt, aber Kühe angeschrien oder gar geschlagen. Daher ist es unerlässlich, auf diesem Gebiet weiterhin Forschung zu betreiben und die Ergebnisse der Allgemeinheit, insbesondere den Landwirtinnen und Landwirten, zur Verfügung zu stellen. Besonders wichtig erscheint uns, die ökonomischen Vorteile herauszustellen, um auch die Landwirte von einem freundlichen Umgang zu überzeugen, die – im Gegensatz zu Ihnen bzw. Ihrem Umfeld – nicht besonders viel Wert darauf legen.

  2. Einen schönen Nachmittag Frau Dr. Lürzel!

    Gerade haben wir in Kärnten eine sommerliche Hitzewelle und rundherum wird über die Hitze gestöhnt. Auf den Feldern werden derzeit die Wiesen gemäht. Dadurch erinnere ich mich an meine Jugendzeit am Bergbauernhof in Politzen und an die Heumahd. Dabei hatten wir keine Zeit über die Hitze zu stöhnen, die schweißtreibende Arbeit haben wir einfach als selbstverständlich gesehen.
    Ich hoffe, dass ihre Aufklärungsarbeit weiter Früchte trägt. Der Ruf, um die Kühe von der Weide zu holen war: “ Weibelen, Weibelen, gosch, gosch.“

    Gruss schlagloch

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