berufs:wahl II

Die Gefahr besteht, wenn jeder Schüler mit einem Tablet versorgt wird, dass man sich für die Beantwortung einer Frage des digitalen Lexikons bedient? Wie sagt man so beiläufig, schlag nach bei Google. Aus meiner Sicht kann man damit eine Frage beantworten, eine Information erhalten, man hat aber keinesfalls Wissen erworben. Wie schnell sich die bequeme Art um Info zu erlangen verbreitet hat, ergab sich bei einem Wortwechsel zur aktuellen Koreakriese. Bei den Kriegsdrohungen von Amerikas Präsident Trump und Nordkoreas Präsident Jim. Verbal wurden beide Präsidenten beschimpft. Keine der diskutierenden Personen hatte eine Ahnung, wie es zur Teilung in Nord- und Südkorea gekommen ist. Auch die Lage der Halbinsel lag im Dunkeln, dass Nordkorea an China andockt und vis a vis Japan liegt, mit einer Einwohnerzahl von ca. 127 Millionen Menschen. Geschichtliche Wissen wurde als obsolet dargestellt, es genügte die Titelschlagzeile einer österreichischen Kleinformatzeitung zu kennen, um sich darüber auszulassen. Die Infos vom Handy wurden mit einem durchschnittlichen Wissen gleichgesetzt. Längeres Studium wird für veraltet erachtet. Wie jemand aus der Runde feststellte, es bedarf keiner Rechtschreibkenntnisse mehr, die Spracheingabe bei Google erledigt dies. Ist dies die neue Wissensgesellschaft auf die wir zusteuern? Ein Motto um mangelndes Wissen zu kaschieren lautet: Wo ein Tablet, dort eine Antwort.

In meiner Jugendzeit in Politzen ob Ferndorf, das Fernsehen wurde gerade populär, gab es vereinzelt Personen, die nicht lesen und schreiben konnten. Sie waren in den Wirren der Kriegs- und Nachkriegsjahre durch die allgemeine Schulpflicht durchgerutscht. Zu allem Überdruss und allen Schulreformen zum Trotz, ist das heutige Lesevermögen von einem Drittel der Schulabgänger katastrophal. Zurück in die 60er Jahre. Ein Analphabet kaufte sich in Ferndorf als einer der Ersten, nach dem Gemeindearzt, dem Betriebsleiter der Heraklithwerkes und dem Volksschuldirektor einen Fernsehapparat. So konnte er sich die Informationen, die aktuellsten Nachrichten, die ansonsten nur über eine Zeitung zugänglich waren, aus dem Fernsehen erhalten. Von der Zeit im Bild um 19.30, die Nachrichtensendung in den 60er und 70er Jahren. Mit diesen Infos beteiligte er sich, er fühlte sich ermächtigt, der Wortführer an den Stammtischen zu sein. Hätte man ihm einen Atlas auf den Tisch gelegt, hätte er Amerika nicht gefunden, aber vom politischen Geschehen in Amerika kannte er die Schlagzeilen.

Es wird eine Gratwanderung und viel Knockout bedürfen, dass die Tablet Generation nicht zu einer Schnellinfogeneration verkommt.

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Ein Gedanke zu „berufs:wahl II

  1. Schnellinfos sind schädlich.
    Was man von den Wissenschaften lernen kann: Kaum etwas ist in Stein gemeiselt und wenn, dann nur nach Jahrzehnten an Feilen.

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